Wawrinka und die Harley-Gang
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Einmal ehrlich: Hätten Sie gewusst, wie der Trainer hiess, mit dem Stanislas Wawrinka gross wurde, mit dem er von klein auf das Tennis lernte und den er etwa 15 Jahre lang an seiner Seite hatte? Hätten Sie ihn auf einem Bild sogar erkannt? Sie wären mein Held. Falls nicht, ist das nur verständlich, denn Dimitri Zavialoff trat nie gross öffentlich in Erscheinung, gab auch nie gerne Interviews und war eher eine Randfigur im Circuit, ein Bauer im grossen Tennisschach.
Umso grösser ist nun der Kontrast: Mit dem neuen Trainer Peter Lundgren sitzt eine der schillerndsten und auffälligsten Figuren des Coaching-Business in Wawrinkas Player Box. Dort versammelte sich während des Viertelfinals gegen Michail Juschni um ihn eine Gruppe von Leuten, die an eine Gruppe von Harley-Davidson-Fans erinnerte, oder Hardrockfans, auf dem Weg an ein Heavy-Metal-Konzert. Als Leader Lundgren, unermüdlich seinen Kaugummi traktierend, klatschend, anfeuernd, aufspringend. Um ihn herum 14 Leute, alle schwarz gekleidet, Body-Guard-Typen mit Sonnenbrille aus Australien, Marokko, Texas, Schweden, auch Schweizer sollen dabei gewesen sein; alle ebenso engagiert hinter Wawrinka stehend, viele von ihnen immer wieder aggressiv die Fäuste ballend. Freunde seien das gewesen, von Lundgren und ihm, sagte Wawrinka dazu nur.
Doch auch dies ist bezeichnend für Wawrinkas Wandlung: Wie er hat auch seine Entourage an Profil gewonnen, wie er wirkt auch seine Players-Box Furcht einflössender als früher, wie er scheint auch sein engstes Umfeld nun viel mehr an ihn zu glauben als in all den Jahren zuvor. Wer den an einen Wikinger-Krieger erinnernden Lundgren kennt, weiss übrigens, dass er längst nicht so grimmig ist, wie er aussieht. Er ist einer der umgänglichsten und freundlichsten Typen auf der Tour und Vater zweier Kinder, von denen eines wegen einer Diabetes-Erkrankung ziemlich viel Aufmerksamkeit benötigt. Mit Leader Lundgren scheint Wawrinka auf viele grosse, abenteuerliche Reisen zuzusteuern.
Erstellt: 10.09.2010, 11:02 Uhr

