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Novak Djokovic in Frauengestalt
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Ehe Novak Djokovic im vergangenen Jahr bis zu seiner Halbfinalniederlage gegen Roger Federer in Roland Garros 41 Siege aneinanderreihte, stand er im Schatten anderer. Bei Viktoria Asarenka war dies bis zu ihrem ersten Grand-Slam-Triumph beim Australian Open im Januar genauso. Nun steht die Weissrussin schon bei 26:0 Siegen im neuen Jahr – Martina Hingis' 37:0-Startrekord aus der Saison 1997 scheint auf einmal in Reichweite. Gewinnt Asarenka in der kommenden Nacht in Key Biscayne ihre Viertelfinalpartie gegen die Französin Marion Bartoli fehlen nur noch zehn Erfolge bis zur Marke, die lange Zeit als unerreichbar galt.
Asarenkas Tennis basiert wie jenes von Djokovic auf einem aggressiven Grundlinienspiel, starken Returns und der Fähigkeit, exzellent zu verteidigen, ehe der überraschende Übergang in die Offensive erfolgt. Die grösste Ähnlichkeit zwischen dem Djokovic des Jahres 2011 und Asarenka liegt aber im mentalen Bereich. Wie ihr männlicher Konterpart strahlt die 1,80 Meter grosse Blondine in diesem Frühjahr enorme Fokussiertheit und unerschütterliche Kampfbereitschaft aus. Dies half ihr zuletzt in den Achtelfinals von Key Biscayne, als sie gegen Dominika Cibulkova eine 1:6, 1:4-Hypothek aufholte und nach 2:49 Stunden doch noch die Oberhand behielt. Djokovic hatte am US Open in der Vorschlussrunde gegen Federer zwei Matchbälle abgewehrt und so seinen Mythos der Unbesiegbarkeit genährt, der ihn am Australian Open im Halbfinal gegen Murray und im Endspiel gegen Nadal zweimal retten sollte.
«Man muss täglich an seinen Nerven arbeiten»
Im letzten Jahr, als sie sich aus vier Partien vorzeitig zurückzog, hätte Asarenka wahrscheinlich in einer solchen Situation noch aufgegeben. Nun besitzt sie die auch von Djokovic hart erarbeitete Fähigkeit, sich in ein Match zu verbeissen und erst loszulassen, wenn die Gegnerin kapituliert hat. Die Weltranglistenerste ist wie ein Pitbull mit leuchtend blauen Augen und einem Tennisracket in der Hand. Cibulkova sei zu Beginn der umstrittenen Partie in Key Biscayne wie eine Lawine gewesen, sagte Asarenka. «Doch dann habe ich etwas geändert, und das hatte mehr mit dem Herzen als mit den Schlägen zu tun. Ein solcher Match führt einem vor Augen, dass es immer eine Chance gibt. Man muss nur immer weiterkämpfen, bis es Game, Set and Match heisst.»
An die Siegesserie habe sie bei der Aufholjagd nicht gedacht, versicherte Asarenka. Sie nehme Spiel für Spiel. Es ist, als plappere sie nach, was Djokovic im vergangenen Jahr stets betonte. Natürlich stehen auf dem Platz andere Überlegungen im Zentrum, die Chance, einen Rekord aufzustellen und eine Serie aufrechtzuerhalten, ist aber sicherlich auch eine Motivation, vor allem zwischen den Einsätzen. Asarenka wehrt sich aber dagegen, ihren Erfolg überirdischen Faktoren zuzuschreiben. Es sei absolut nicht wahr, dass es ein abstraktes Selbstvertrauen gebe. «Dahinter steht viel harte Arbeit. Man muss täglich an seinen Nerven arbeiten, und ich bin sicher, dass jeder, der auf den Platz geht, sich mit seinen Nerven und dem Adrenalin, das hochkommt, arrangieren muss.»
(DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 28.03.2012, 14:49 Uhr





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