Nadal oder Djokovic? Federer!
Von Alexander Kühn, Paris. Aktualisiert am 04.06.2011 11 Kommentare
Berichtet für DerBund.ch/Newsnet aus Paris: Alexander Kühn.
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Am Donnerstag machte in Roland Garros ein Team des spanischen Fernsehens die Runde, um sich bei den Besuchern des Turniers nach dem Namen des diesjährigen French-Open-Champions zu erkundigen. Die Frage, welche die Reporterin stellte, lautete aber nicht «Wer gewinnt das Turnier?», sondern «Gewinnt Nadal das Turnier oder Djokovic?». Dank Roger Federer lässt sich nun immerhin schon eine halbe Antwort auf die Frage der Spanier geben. Nämlich die, dass der Champion nicht Djokovic heissen wird.
Federer, den die Buchmacher vor Roland Garros als 14:1-Aussenseiter gehandelt hatten, landete mit dem 7:6, 6:3, 3:6, 7:6-Sieg über Djokovic jenen Coup, der ihn von der zunehmend erfolglosen Nummer 3 wieder zu einem ernsthaften Bewerber für die Nummer 1 der Welt macht. Wer dem 16-fachen Grand-Slam-Champion in den letzten Wochen und Monaten die Fähigkeit abgesprochen hat, den 17. Major-Titel zu gewinnen, sieht sich nun eines Besseren belehrt. «Dass Federer auf den Platz hinausgegangen ist und einen solchen Match abgeliefert hat, ist die eloquenteste Replik auf die Gerüchte, dass sein Ende gekommen sei», schreibt die amerikanische «Sports Illustrated» ebenso treffend wie anerkennend.
Vom «Bettler von Rom» zum König von Paris in rund drei Wochen
Noch hat Federer die Coupe des Mousquetaires nicht zum zweiten Mal nach 2009 gewonnen, er wird Paris aber auf jeden Fall als Sieger verlassen, denn er hat bewiesen, das er noch immer magische Momente kreieren kann. Und dies vor allem dann, wenn es darauf ankommt. Die Niederlagen gegen Jürgen Melzer in Monte Carlo und Richard Gasquet in Rom erscheinen nun nicht mehr als Indizien für den Niedergang des laut Rafael Nadal besten Spielers alles Zeiten, sondern als lehrreiche Etappen auf dem Weg zu einem grösseren Ziel. Aus dem «Bettler von Rom», wie eine Schweizer Zeitung Federer vor ein paar Wochen noch nannte, ist wieder «King Roger» geworden. Dies klingt nach einer plötzlichen Metamorphose, tatsächlich war «King Roger» aber wohl gar nie richtig weg. Sein Glanz war nur ein wenig verdeckt. Schliesslich kennt auch ein grosser Künstler Phasen der Unproduktivität.
Federer hat mit seinem Hinweis Recht behalten, dass man als Tennisprofi in grösseren Zeiträumen denken müsse als die Presse, die täglich neue Schlagzeilen brauche. Nach dem Triumph über Novak Djokovic betonte der Baselbieter, dass er trotz aller Unkenrufe niemals an sich gezweifelt habe. «Am US Open fehlte mir gegen Djokovic ein Punkt zum Sieg, und im Final hätte ich mir gegen Nadal gute Chancen ausgerechnet. Zudem haben Söderling und Berdych in Paris und Wimbledon perfekte Matches gespielt, ich wäre ihnen vielleicht auch in Bestform unterlegen», so Federer mit Blick auf seine Grand-Slam-Niederlagen 2010. Rückschläge müsse man akzeptieren und dann weiterarbeiten. Das diesjährige French Open sei nun wieder ein Schritt nach vorne für ihn.
Theoretisch ist Federer fünfmal besser als vor zwei Wochen
Ob die Partie gegen Djokovic der beste Sandplatz-Match seiner Karriere war, konnte Federer nicht sagen, wohl auch deshalb nicht, weil er am Sonntag im Final gegen den fünffachen Champion Rafael Nadal ein neuerliches Tennis-Feuerwerk zu zünden gedenkt und sich noch nicht auf seinen Lorbeeren ausruhen will. «Ich fühle mich ausgezeichnet, finde, dass ich mich gut bewege, und bin nie gestresst», lautete sein Halbfinal-Fazit. «Es war der Match, den ich mir erhofft hatte.» Wer an Federers zweiten French-Open-Triumph glaubt, kann übrigens inzwischen längst nicht mehr so reich werden wie noch vor zwei Wochen. Die Quote für den Turniersieg des Schweizers ist von 14:1 auf 2,6:1 zusammengesackt. Dass Federer vor dem Turnier tatsächlich fünfmal schlechter war, darf man getrost bezweifeln, obwohl die nackten Zahlen diesen Eindruck vermitteln. (DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 04.06.2011, 06:27 Uhr
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11 Kommentare
Was für ein komisches Spiel "unsere" CH-Presseorgane spielen! Einmal ist er der Bettler von Rom, dann wieder King Roger! Dabei ist er einfach ein grossartiger Tennisspieler/Sportler, immer bescheiden und nie arrogant. Die
Schweiz hat mit ihm einen Sportler von absolutem Weltformat, was bei uns aus mir unerklärlichen Gründen (evtl.Neid?) nie richtig anerkannt wurde, er ist einfach Weltklasse.
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Ich denke: Zum alten Eisen gehört er noch nicht.Aber in seinem Beruf sollte man sich schon mal überlegen,ob man sich gesundheitlich nicht überfordert! der Jüngste ist er auch nicht mehr,ob es ihm noch spass macht oder ob er nur als beweis weiterspielt um noch nicht zum alten Eisen abgestempelt zu werden.Geld hätte er ja genug,dass er mit seiner Familie einen ruhigeren Lebensabend geniessen könnte. Antworten

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