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Nadal im Strudel der Spekulationen
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Seit Rafael Nadal am 28. Dezember in einer Medienmitteilung bekannt gab, dass sich sein Comeback verzögere und er auch in Melbourne fehlen werde, ist im Tennis die Zeit der Spekulanten angebrochen. Vor dem Australian Open, das kommenden Montag beginnt und an dem der Mallorquiner 2012 einen packenden, fast sechsstündigen Fünfsatz-final gegen Novak Djokovic verlor, kursieren die wildesten Gerüchte. Sein Knie sei gar nie so schlimm verletzt gewesen und längst geheilt, schreiben die einen, andere sprechen vom bevorstehenden Rücktritt, und selbst vom Absitzen einer nicht veröffentlichten Dopingsperre ist in den USA die Rede, was doch sehr abenteuerlich anmutet.
Fragen stellen sich aber selbst dem, der sich an die bekannten Fakten hält. Wieso entschloss sich der siebenfache French-Open-Sieger schon zur Absage für das erste Grand-Slam-Turnier, als ihm noch über zwei Wochen Vorbereitungszeit geblieben wären? War der Magenvirus, der ihn nach Weihnachten zu einer zehntägigen Trainingspause gezwungen und hohes Fieber mit sich gebracht haben soll, nur der willkommene Vorwand, um davon abzulenken, dass er wegen seines linken Knies noch immer nicht in der Lage ist, Wettkämpfe zu bestreiten? Geplant waren vor Melbourne auch Starts am Schauturnier in Abu Dhabi und am ATP-Turnier in Doha.
Besser – aber noch nicht gut?
«Meinem Knie geht es viel besser, und der Prozess der Therapie verlief positiv, wie es die Ärzte vorausgesagt hatten», liess sich der 26-Jährige zur Absage zitieren; der Virus habe ihn aber zu sehr zurückgeworfen. Weitere Aussagen waren vorerst nur von Benito Perez-Barbadillo zu bekommen, seinem Mediensprecher. Dieser erklärte, die Abmeldung sei auch eine Folge von Nadals Erfahrung, nach Krankheiten immer besonders verletzungsanfällig zu sein. Daneben verbreitete er ungebrochene, fast euphorische Zuversicht: «Er wird die Lösung finden, um wieder hundertprozentig fit zu sein», sagte er einem italienischen Journalisten. «Wir werden es erleben, dass Nadal wieder alles gewinnt.» Zum Thema Doping befragt, hielt Perez-Barbadillo fest, dass Nadal bis viermal in einer Woche getestet worden sei – an zwei Tagen in Folge sogar frühmorgens kurz nach sechs Uhr.
Chile und Brasilien hoffen
Gemäss dem Kommunikationsmanager stimmen die Gerüchte nicht, dass der wohl stärkste Sandspieler der Geschichte künftig nur noch auf seinem Lieblingsbelag antreten will – Sand ist zudem die gelenkschonendste Unterlage und lässt die Stärken des Linkshänders optimal zum Tragen kommen (seinen letzten Titel abseits von Sandplätzen holte Nadal vor über zwei Jahren in Tokio). Sein provisorischer Fahrplan sieht nun vor, dass er Ende Februar im mexikanischen Acapulco auf die ATP-Tour zurückkehren wird, eventuell schon etwas früher.
Anbieten würden sich in der ersten Februarhälfte die ATP-Turniere in Viña del Mar (Chile) und São Paulo, wo im Ibirapuera-Stadion ein Indoor-Sand-Event stattfindet – am gleichen Ort, wo Roger Federer im Dezember seine Schautournee eröffnete und wo auch Nadal höchst willkommen wäre. Im März soll er die zwei grossen Hartplatzturniere in Indian Wells und Miami bestreiten, ehe er auf europäischen Sand wechseln wird, in sein Reich. Seine Pause, die nach der Zweitrundenniederlage in Wimbledon gegen Lukas Rosol Ende Juni begann, wird mindestens siebeneinhalb Monate umfassen.
Der Verzicht des elffachen Grand-Slam-Siegers auf das Australian Open hatte sich schon vor Weihnachten abgezeichnet. «Ich habe nicht das Gefühl, dass ich hundert Prozent einsatzfähig bin», hatte Nadal einem Reporter der Londoner «Times» erklärt, der ihn auf Mallorca besuchte. «Ich werde versuchen, in Abu Dhabi zu spielen, obwohl das Knie nicht perfekt ist.» Falls er sehe, dass es nicht gehe, würde er die Pläne ändern und nach Mallorca zurückkehren, «denn ich will mich nicht dauernd um mein Knie sorgen müssen». Sein Ziel sei es, ab März wieder voll da zu sein. «Aber ich weiss, dass ich Zeit brauchen werde, um wieder der Alte zu sein.»
Von Selbstmitleid keine Spur
Moralisch scheint der 50-fache Turniersieger seine anhaltende Zwangspause gut zu verkraften. Neben den ausgedehnten Therapiesessionen vertreibt er sich die freie Zeit mit Golfen, Fischen, Familie und Freunden. Immer wieder setzt er sich über Twitter oder Facebook mit seinen Fans in Verbindung, und er betont, allen Verpflichtungen mit Sponsoren nachgekommen zu sein. «Ich habe die Situation sehr gut akzeptiert, sie ist ein Teil meiner Karriere», sagte er zur «Times». «Es ist eine neue Herausforderung für mich, nach einer langen Zeit ohne Wettkämpfe wieder in Bestform zu kommen.» Das Schlimmste sei zu Beginn die Ungewissheit gewesen, wie es mit dem Knie weitergehe.
Gegenüber dem «Diario de Mallorca» bekannte der Olympiasieger von 2008, der härteste Moment sei die Absage für die Spiele in London gewesen, wo er als Fahnenträger vorgesehen war. Aber er sei eine positive Person, und vielleicht habe diese Pause auch etwas Gutes: «Sie könnte mir erlauben, meine Karriere zu verlängern.» Sein Ziel sei es, 2016 in guter Verfassung an den Spielen von Rio de Janeiro teilzunehmen. Und überhaupt: Im Vergleich zum Schicksal anderer in Spanien, wo die Arbeitslosigkeit Rekordhöhen erreicht habe, könne er sich nicht beklagen. «Schwierig haben es Leute, die leiden, jeden Tag Arbeit suchen und mit wenig überleben müssen. Das ist schwierig. Nicht, Rafa Nadal zu sein. Ich lebe einen Traum und kann mich nur bedanken.»
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 09.01.2013, 07:21 Uhr




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