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«Ich bin zu alt für dieses physische Spiel»
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In Flushing Meadows, wo sie drei ihrer vier Grand-Slam-Kronen gewann, tritt Kim Clijsters ab der kommenden Woche zum letzten Mal auf der grossen Tennisbühne an. Danach soll für die Belgierin, die 2007 schon einmal zurückgetreten war, 2009 aber ein Comeback gab, endgültig Schluss sein. «Ich bin zu alt für dieses physische Spiel», sagte Clijsters, die mit 29 zwei Jahre jünger ist als Roger Federer. «Ich habe meinem Körper genug Belastungen zugemutet. Nun muss ich die Konsequenzen meines Lebensstils der letzten 15, 20 Jahre tragen. Trotzdem bereue ich nichts. Ich weiss, dass ich immer hundert Prozent gegeben habe.»
Mit Kim Clijsters verlässt eine aussergewöhnliche Athletin den Tenniszirkus – und die einzige noch aktive Spielerin, die in den vergangenen Jahren die Dominanz der Williams-Schwestern und der Osteuropäerinnen über einen längeren Zeitraum durchbrechen konnte. Dies obwohl sie als Mutter der inzwischen viereinhalbjährigen Jada Ellie eine Doppelrolle auszufüllen hat. Clijsters, die bei den Zuschauern wegen ihrer sympathischen Art hoch im Kurs steht und auch nach dem Ende ihrer Liaison mit Lleyton Hewitt von den Australiern in Melbourne stets wie eine Landsfrau gefeiert wurde, tritt nicht ohne kritische Töne ab. Sie selbst sei immer ihrem Herzen gefolgt, die neue Generation von Tennisspielerinnen verhalte sich aber anders. «Es geht nun um so viele andere Dinge neben Tennis und Training. Ich denke, man sieht, wie einige Spielerinnen den Sinn für die wahre Bedeutung des Lebens und des Sports verlieren», führte die Nummer 26 der Weltrangliste aus.
Menschlichkeit steht über sportlichem Erfolg
Clijsters, die 2003 als erste Spielerin vor dem Gewinn eines Majors die Spitze des WTA-Rankings eroberte und siebenmal als fairste Spielerin auf der Tour geehrt wurde, lieferte mit ihrer Karriere den Beweis dafür, dass man nicht aggressiv oder egoistisch sein muss, um im modernen Frauentennis eine tragende Rolle zu spielen. Sie strafte Experten wie den langjährigen US-Davis-Cup-Captain Patrick McEnroe Lügen, der einst gesagt hatte, sie sei nicht genug böse und hungrig, um ein Grand-Slam-Turnier zu gewinnen. «Ich versuche jeden Tag, ein guter Mensch und nett mit anderen zu sein. Das ist vielleicht das Wichtigste. Ich bin stolz, Turniere gewonnen zu haben, aber vor allem will ich, dass die Spielerinnen denken, dass ich eine freundliche Person bin», schilderte Clijsters gegenüber dem Magazin «Tennis View» ihre Prioritäten.
Bemerkenswert ist, dass die Belgierin ihre grössten Erfolge nach der Geburt ihrer Tochter, dem Tod ihres Vaters und dem spontanen Comeback vor drei Jahren feiern konnte – nur der US-Open-Sieg 2005 stammt aus der ersten Karriere. Clijsters führt dies auf einen charakterlichen Reifeprozess zurück. «Wenn man älter wird, lernt man sich besser kennen – seinen Körper, seine Emotionen», erklärte sie. «Ich denke, dass ich früher unsicher war. Es war nicht leicht, in jungen Jahren in ein solches Leben geworfen zu werden, gute Resultate zu haben und vor der Presse zu stehen.»
(DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 23.08.2012, 11:33 Uhr
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