Sport

Gänsehaut und Zuversicht bei Federer

Von René Stauffer. Aktualisiert am 04.03.2012

Roger Federer reist nach dem Triumph in Dubai mit neuem Selbstvertrauen zu den wegweisenden Masters-1000-Turnieren in die USA.

Federer bejubelt seinen 72. Titel – es ist der erste unter freiem Himmel seit 14 Monaten.

Federer bejubelt seinen 72. Titel – es ist der erste unter freiem Himmel seit 14 Monaten.
Bild: Keystone

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Wie 2011 an seinem Heimturnier in Basel erlebte Roger Federer gestern auch an seinem Zweitwohnsitz eine Sternstunde, indem er auch die Dubai Championships zum 5. Mal gewann. Noch erfolgreicher war er nur in Wimbledon und am Masters (6), fünf Titel holte er auch am US Open und in Halle.

Nach Juan Martin del Potro (ATP 10) schlug er im Final mit Andy Murray (ATP 4) einen weiteren Top-10-Spieler (7:5, 6:4). Er gab in der ganzen Woche keinen Satz ab und wurde nur einmal gebreakt – im 2. Satz des Finals, in dem er eine 3:1-Führung verspielte und 3:4 zurückfiel.

Kurz vor dem Turniersieg doch noch gebreakt

«Normalerweise hätte ich mir da Sorgen gemacht, aber aus bestimmten Gründen blieb ich ruhig», sagte Federer. «Murray ist der beste Returnspieler des Tennis, deshalb war das zu erwarten.» Der bestechend spielende Baselbieter nahm dem Schotten kurz darauf ein drittes Aufschlaggame ab (zum 5:4), worauf er nach 1:36 Stunden den zweiten Matchball mit einer Vorhand verwertete.

Murray war im 6. Game des Startsatzes als Erster zu zwei Breakchancen gekommen. «Wenn er mich dort gebreakt hätte, wäre ich vermutlich nicht zurückgekommen», sagte Federer. «Aber ich fühlte mich gut, hatte Vertrauen, spielte aggressiv und war konzentriert. Ich war ruhig, wusste, was ich machen wollte und schaffte es, den Belag zu meinem Vorteil zu nutzen.»

«Dann könnte Federer noch lange die Nummer 1 sein»

Murray trauerte zwar seinen ersten Chancen nach, sagte aber: «Im zweiten Satz war Federer besser.» Auch für ihn war der schnelle Belag entscheidend. «Wenn es mehr Turniere auf solchen Plätzen gäbe, könnte Federer noch einige Jahre die Nummer 1 sein. Sie liegen seinem Spiel enorm.» Doch er schränkte ein: «Heute sind viele Plätze sehr langsam. Schon in Indian Wells und Miami werden die Bedingungen wieder ganz anders sein – viel langsamer.»

Bereits Ende der kommenden Woche beginnt in Indian Wells das erste Masters-1000-Turnier der Saison. Murray reiste schon gestern nach Los Angeles, während Federer nach New York flog, wo er am Montag im Madison Square Garden einen Showkampf mit Andy Roddick bestreitet.

Federer fand deshalb kaum Zeit, seinen zweiten Titel der Saison zu geniessen, der ihm neben 500 ATP-Punkten 409 170 Dollar Preisgeld brachte. Aber er nahm bleibende Eindrücke mit auf die Reise: «Schon als wir rauskamen, gab es die mexikanische Welle, und nach dem 4:4 sangen sie meinen Namen. Da bekommst du Gänsehaut. Das motiviert dich, gut zu spielen.» Auch deshalb sei er die ganze Woche und speziell im Final so stark gewesen.

Er erinnerte aber auch daran, dass Dubai für ihn mit einer bitteren Erfahrung begonnen hatte. Bei seinem ersten Start (2002) hatte ihm der Turnierdirektor nach einer Zweitrundenniederlage gegen Rainer Schüttler öffentlich vorgeworfen, nicht alles gegeben zu haben. Federer reagierte souverän, schaffte 2003/04/05 den Titelhattrick und gewann 2007 zum vierten Mal. Im Jahr darauf scheiterte er, vom Drüsenfieber geschwächt, erstmals in Runde 1 – an Murray.

Mit neuer Zuversicht nach Indian Wells und Miami

Und Federer nahm aus Dubai nun auch neues Selbstvertrauen mit: «Das ist grossartig, denn dafür gibt es keinen Ersatz», sagte der Weltranglistendritte, der 33 seiner letzten 35 Partien und 5 seiner letzten 7 Turniere gewonnen hat. «Mein Saisonschluss 2011 war schon ausserordentlich gut, und es ist schön, auch wieder einmal ein Freiluftturnier zu gewinnen. Das gibt mir die Hoffnung, es auch in Indian Wells oder Miami schaffen zu können.»

Im Duell mit Murray, auf den er erstmals seit Ende 2010 traf, verkürzte der nun 72-fache Turniersieger gestern auf 7:8. Auf die Frage, ob der Titel für ihn wertvoller gewesen wäre, wenn er im Final Djokovic besiegt hätte, antwortete er: «Nein, das ist perfekt so, grossartig. Gegen Murray habe ich eine negative Bilanz, nicht aber gegen Djokovic. Und Murray war im Halbfinal auch klar stärker als der Serbe. Deshalb ist das ein wunderbarer Sieg, der mir sehr viel bedeutet.» (SonntagsZeitung)

Erstellt: 04.03.2012, 13:52 Uhr

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