Sport

Sebastian Rieder
Sport- und Videoreporter


«Federer kann sich alles erlauben»

Aktualisiert am 14.12.2012 42 Kommentare

Roger Federer hat dem Schweizer Davis-Cup-Team für das Heimspiel gegen Titelverteidiger Tschechien eine Absage erteilt. Verband und Fans sind enttäuscht, Tennisexperte Heinz Günthardt sagt, warum das unbegründet ist.

«So etwas wie Federer wird es nie mehr geben»: Heinz Günthardt über Roger Federer.

«So etwas wie Federer wird es nie mehr geben»: Heinz Günthardt über Roger Federer.
Bild: Keystone

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Die Tickets für den Davis-Cup vom 1. bis 3. Februar 2013 in Genf gegen Tschechien sind seit vergangener Woche erhältlich. Im Gegensatz zur letzten Heimpartie in Fribourg verläuft der Vorverkauf ohne die Zusage von Roger Federer gemäss Swiss Tennis sehr schleppend. Nicht anders ergeht es der Fed-Cup-Partie zwischen der Schweiz und Belgien am 9. und 10. Februar 2013 in Bern. Allerings wurde der Vorverkauf erst vor zwei Tagen eröffnet.

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Heinz Günthardt, was halten Sie als Berater von Swiss Tennis von Roger Federers Davis-Cup-Absage?
Es hat niemand für den Schweizer Tennissport oder für den Sport allgemein mehr gemacht als Federer. Oder wer weiss, vielleicht auch fürs ganze Land. Jetzt kann man sich fragen: Schuldet er uns etwas? Nein, wir schulden ihm etwas. Aus meiner Sicht kann er sich alles erlauben.

Wie viel Verständnis muss der Fan aufbringen, dass Federer für den Davis-Cup nicht in die Schweiz kommt?
Der Fan muss das so sehen, wie ich es gesagt habe. Der Fan wurde bisher verwöhnt, fast täglich, über zehn Jahre hinweg. Wenn man so verwöhnt wurde, hat man nicht automatisch auch weiterhin das Recht darauf. So etwas wie Federer wird es nie mehr geben, also zumindest solange ich lebe. Wir müssen Federer einfach jetzt geniessen.

Dass Federer auf den Davis-Cup verzichtet, hat aber Signalwirkung fürs Welttennis. Als bester Spieler aller Zeiten meidet er diesen Wettbewerb und spielt zum Beispiel lieber das ATP-Turnier von Rotterdam.
Ich sehe das anders als viele andere. Er spielt auch in Rotterdam für die Schweiz. Denn auf dem Tableau steht SUI. Er spielt jedes Mal für die Schweiz, selbst an einem Exhibition in Brasilien. So gesehen hat er für die Schweiz schon tausend Mal gespielt. Man muss davon wegkommen, zu denken: Nur wenn ein Einzelsportler für die Nationalmannschaft antritt, tut er etwas fürs Land. Fabian Cancellara fährt zum Beispiel die Tour de France auch als Schweizer. Ich versuche meine Ansicht auch beim Verband einzubringen. Man kann nicht einfach sagen, wir haben jemanden gefördert, jetzt muss er auch Davis-Cup spielen. Wenn jemand richtig gut wird, ist jeder investierte Rappen 30-mal zurückbezahlt.

Aber Novak Djokovic und Rafael Nadal spielen, wenn irgendwie möglich auch Davis-Cup. Ist Federer zu gross geworden?
Es kommt darauf an, in welchem Stadium der Karriere man ist. Federer hat früher auch Davis-Cup gespielt. Es ist auch nicht sicher, ob Djokovic die nächsten vier Jahre Davis-Cup spielen wird, er hat ihn ja auch schon gewonnen. Federer sagt, er will Kraft sparen, das kann ich nachvollziehen. Federer versucht auch in einen gewissen Rhythmus zu kommen. Das Problem ist: Die Davis-Cup-Partien sind terminlich etwas ungeschickt angelegt. Die Verhandlungen finden jeweils zwischen der ATP und dem ITF statt, jeder will ein Stück vom Kuchen haben. Die ATP sagt, am liebsten haben wir den Termin direkt nach einem Grand Slam, dann bräuchte man eigentlich eine Pause. Es ist, wie wenn man im Fussball nach der WM gleich die EM durchführen würde. Also nicht besonders sinnvoll. Es wird auch ständig darüber diskutiert und logischerweise ist auch die ITF nicht glücklich über die Terminansetzung.

Was halten denn Sie persönlich vom Davis-Cup?
Ich finde ihn eine fantastische Veranstaltung, aber es wäre besser, man würde ihn etwas kompakter abhalten. Nicht über das ganze Jahr verteilt. Und es braucht mehr Pause vorher und nachher. Mit dieser Meinung rennt man offene Türen ein, da sind sich eigentlich alle einig. Nur, wie will man das bei diesem Turnierkalender umsetzen? (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 14.12.2012, 11:18 Uhr

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42 Kommentare

beat lohm

14.12.2012, 12:32 Uhr
Melden 421 Empfehlung 49

Scheint als wäre RF für die Schweiz einfach ein paar Schuhnummern zu gross. Was sich da in Südamerika abspielt, ist schlicht gigantisch. Er ist Weltsportler Nummer eins, seine Fans sind überall zu Hause. An das müssen wir uns einfach gewöhnen. Er gehört nicht der Schweiz und seien wir nicht nachtragend, sondern geniessen wir seine unglaublichen Erfolge. Seine Auftritte sind auch CH-Auftritte. Antworten


Fabio Rossi

14.12.2012, 12:21 Uhr
Melden 408 Empfehlung 83

Federer ist gegenüber der Schweiz keine Rechenschaft schuldig. Als 4-facher Weltsportler des Jahres und 5-facher Sportler Europas ist es einfach lächerlich zu sehen wie Federer bei der Wahl zum Schweizer Sportler des Jahres immer hinter Schwingern, Reitern und Langläufern plaziert wird und froh sein muss wenn er auf Platz 3 landet. Für dieses Volk von Neidern hätte ich auch keine Lust zu spielen. Antworten



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