Sport
Federer im Final und ganz nahe an der Nummer 1
Von Alexander Kühn, Roman Soom. Aktualisiert am 06.07.2012 4 Kommentare
Dossiers
Artikel zum Thema
- Federer – der Sugar Ray Leonard des Tennis
- «Gegen Djokovic reicht nur eine perfekte Leistung»
- Federer siegt mit Schmerzen – Djokovic überlegen
- «Ich hätte nie gedacht, dass ich einmal so gut werden könnte»
- Die Renaissance des Risikos
- «Master of the Universe, wie Pele oder Ali»
Teilen und kommentieren
Stichworte
Korrektur-Hinweis
Melden Sie uns sachliche oder formale Fehler.
«Unter dem Dach ist der aggressivere Spieler im Vorteil, und der heisst Roger Federer», hatte der dreifache Wimbledon-Champion Boris Becker vor dem ersten Hallen-Halbfinal der Wimbledon-Geschichte prophezeit. Und Federer liess zunächst keine Zweifel daran aufkommen, dass Becker richtig lag. Nach der Startphase, in der beide Spieler bei eigenem Aufschlag unantastbar waren, kosteten Djokovic im sechsten Game ein unglücklicher Netzroller und ein starker Angriffsball von Federer die komfortabel scheinende 30:0-Führung. Einen Djokovic-Rutscher und einen weiteren Federer-Gewinnschlag später, hatte der Schweizer das Break zum 4:2 in der Tasche. In der Folge servierte Federer den Eröffnungssatz problemlos nach Hause – 6:3 hiess es nach nur 24 Minuten.
Der Titelverteidiger bäumt sich auf
Doch nach dem perfekten Satz von Federer, der in der windstillen Halle mit einer ganz geringen Marge spielen konnte, erwachte Djokovic. Der zweite Durchgang war nur etwas mehr als fünf Minuten alt, als der Titelverteidiger mit einem grandiosen Backhand-Longline – seinem Lieblingsschlag – das Break zum 2:0 schaffte. Zuvor hatte Federer einen von drei Breakbällen abgewehrt. Im vierten Game, Djokovic führte inzwischen 3:0, musste der Baselbieter nach 40:15 wieder über Deuce gehen und wirkte auf der Vorhandseite bisweilen etwas steif. Ganz anders sein Gegner, der in jenen Flow zu geraten schien, der ihm in den letzten eineinhalb Jahren vier Major-Titel eingebracht hatte. Die logische Konsequenz war der Satzausgleich nach weiteren 30 Minuten – ebenfalls mit 6:3. «Djokovic spielt wie der Mann, der die Tenniswelt in den letzten 18 Monaten regiert hat, er sieht nun überlegen aus», konstatierte Boris Becker am BBC-Mikrofon.
Welchen Federer würden die Zuschauer im dritten Satz zu sehen bekommen? Den offensiven und unwiderstehlichen des ersten oder den in der Defensive nicht mehr ganz fehlerfreien des zweiten Durchgangs? Es war der aggressive und selbstbewusste Federer. Schon im zweiten Game besass der 16-fache Major-Sieger bei 40:30 die Chance, Djokovic zum zweiten Mal in diesem Match zu breaken, der Serbe konnte sich aber aus der Umklammerung lösen. Im sechsten Game war Federer dem Servicedurchbruch noch näher: Mit zum Teil herausragenden Angriffen erspielte er sich zwei weitere Breakchancen, und mit etwas Glück – etwa bei einem tückischen Netzroller seines Kontrahenten – wäre er auch 4:2 in Führung gegangen. So wurde es bei 4:4 und 30:40 nach einem Fehler mit der Vorhand ungemütlich für Federer. Mit drei Service-Winnern stellte der sechsfache Wimbledon-Champion aber letztlich souverän auf 5:4.
Federers genialer Lob aus der Defensive
Djokovic musste nun gegen den Satzverlust servieren. Er tat es mit flatternden Nerven, und sah sich nach einem genialen Federer-Lob aus der Defensive zwei Satzbällen für den Schweizer gegenüber. Den ersten wehrte der favorisierte Weltranglistenerste mit einem Service auf den Körper auf, beim zweiten verschlug er aber einen schwierigen Smash aus der hinteren Court-Hälfte. Die 2:1-Satzführung für Federer war perfekt. Der dritte Durchgang dauerte mit 54 Minuten fast ebenso lange wie die beiden vorhergehenden zusammen.
Satz Nummer 4 brachte Federer eine schnelle 2:0-Führung – da sich Djokovic gleich in seinem ersten Service-Game gleich zwei völlig untypische Fehler leistete. Als Federer nach etwas mehr als zwei Stunden 4:1 führte, legte er noch einmal eine Schippe drauf und sicherte sich drei Chancen zum Doppelbreak. Nummer 1 wehrte Djokovic am Netz ab, Nummer 2 mit einem Ball auf die Linie, Nummer 3 per Service-Winner. Der Serbe verhinderte schliesslich das 1:5 und fand noch einmal Anschluss. Federer aber reagiert im Stile eines ganz grossen Champions, mit einem Game zu null stellte er auf 5:2. Um 15.28 Uhr Ortszeit erspielte sich Federer den ersten Matchball, den er per Service-Winner verwertete. Gewinnt der Schweizer am Sonntag den Final gegen Andy Murray, löst er Djokovic am Montag als Nummer 1 der Welt ab. Damit würde er auch den Rekord von Pete Sampras von 286 Wochen an der Spitze des Rankings einstellen und eine Woche später übetreffen. (DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 06.07.2012, 13:42 Uhr
Kommentar schreiben
Verbleibende Anzahl Zeichen:
4 Kommentare
Roger hat jetzt die Leichtfüssigkeit und das Selbstvertrauen, das er für Topspiele auf dem Rasen braucht. Murray ist glücklich, nur schon das Finale erreicht zu haben. Also bleibt es eine Sache für den King. Und den Engländern bleibt ja immerhin noch die Queen. Roger - The Greatest Ever - zeigt es nochmals aktuell - dabei wurde er schon vor 4 Jahren abgeschrieben... Er ist DAS Tennisgenie! Antworten
Sport
- 09:22Feuchtfröhliche Schweden und das grösste Hockeywunder seit 33 Jahren
- 08:33«In ein paar Tagen können wir dann stolz auf uns sein»
- 00:24«Ich hoffe, die Leute sind trotzdem stolz auf uns»
- 23:27Grossartig gekämpft – aber den WM-Final verloren
- 20:15Die Schweiz im Hockeyfieber
- 19:04WM-Bronze für die jungen Amerikaner

Bitte warten


Sportbilder der Woche



















