Federer: «Das ist ein magischer Ort»
Von Simon Graf, Wimbledon. Aktualisiert am 21.06.2010 2 Kommentare
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Pete Sampras pflegte bei seiner Rückkehr nach Wimbledon jeweils zuerst den Centre Court zu besuchen. Er ging ganz alleine dorthin und liess die Atmosphäre auf sich wirken. Auch für Roger Federer ist es alle Jahre wieder eine aussergewöhnliche Erfahrung, in den All England Club zurückzukehren. «Es fühlt sich anders an als bei den anderen Turnieren», sagt er. «Das hat wohl auch mit meinen Erfolgen zu tun, sicher aber damit, dass dies ein magischer Ort ist. Hier passt alles zusammen, das Dunkelgrün, das Violett, die Blumen, die Rasenplätze. Als ich auf Court 5 trainierte, von da das Efeu am Hauptgebäude sah, die goldene Uhr, dachte ich: Hier ist es perfekt.»
Als Gesetzter hat Federer das Privileg, täglich 30 Minuten auf einem der Courts zu trainieren, auf denen nachher auch gespielt wird. Länger nicht. Die Qualifikation findet in Roehampton statt, um die Plätze zu schonen. «Das trägt zur Ruhe vor dem Turnier bei», sagt Federer. «Man sieht nur die Arbeiter, die der Anlage noch den letzten Schliff verleihen. In dieser Idylle hast du mehr Musse, alles wahrzunehmen und darüber nachzudenken, was in den letzten Jahren alles passiert ist.»
Der Marathon gegen Roddick
In den Sinn kommt ihm zuerst der letztjährige Marathon-Final gegen Andy Roddick. Der Moment, in dem er wieder den Pokal stemmen durfte. Aber auch, wie erschöpft er danach gewesen sei. Nur schon, wenn er daran denke, werde er gleich wieder müde, sagt er lachend. Der Centre Court blieb seitdem unberührt von Turnschuhen – zumindest fast. Traditionsgemäss wird am Freitag vor dem Turnier ein Satz Frauendoppel gespielt. Nicht mehr.
Heute Montag um 13 Uhr Ortszeit wird Federer nach monatelanger Arbeit von Chefgärtner Eddie Seaward den Platz wieder eröffnen. «Der Rasen ist wunderbar gepflegt», schwärmt er. «Ich freue mich immer auf diesen Moment.» Auf der anderen Seite steht mit dem Kolumbianer Alejandro Falla (ATP 65) ein Spieler, den er jüngst gut kennen gelernt hat. «Ich spiele schon zum dritten Mal innert drei Wochen gegen ihn», sagt Federer leicht amüsiert. «Ich bin froh, ihn zweimal geschlagen zu haben, einmal sogar auf Rasen. Er wird sich nicht innert einer Woche neu erfinden können. Ich weiss, was mich erwartet.»
Es sei «ein wohliges Gefühl», zurück in Wimbledon zu sein, betont der Champion. «Und zu wissen, dass jetzt wieder die Zeit kommt, die ich am liebsten habe.» Die Zweifel, die bei ihm nach eher mageren Monaten einige Beobachter haben, teilt er nicht. Dass er erstmals seit 2001 mit nur einem gewonnenen Titel in der Jahresbilanz an sein Lieblingsturnier gereist ist, wie ein französischer Reporter ihm vorhält, beunruhigt ihn nicht. «Der Titel, den ich habe, ist ja ein Grand-Slam-Titel», erinnert er.
Natürlich sei auch er etwas überrascht gewesen, als es nach dem starken Jahresauftakt in Melbourne nicht so beschwingt weitergegangen sei, räumte er ein. In Indian Wells und Miami sei es unglücklich gelaufen, «und auf Sand hat dann Rafael Nadal entschieden, alles an sich zu reissen. Da blieb nicht mehr viel für die anderen übrig.»
«Ich weiss wieder, was tun»
Federer gestand aber ein, dass er sich im März und April schon einige Fragen gestellt habe. «Ich verlor nach verpassten Matchbällen, wusste da nicht so recht, wie ich in den wichtigen Momenten spielen sollte. Das ist nun wieder ganz anders: Ich weiss wieder, was ich bei Breakbällen tun muss oder bei 30:30.»
Der Baselbieter betont, dass sein Spiel wieder da sei, wo er es haben wolle. Früher habe er Turniersiege an kleineren Events gebraucht, um Selbstvertrauen zu schöpfen für die Majors. «Heute ist das nicht mehr so. Ich weiss, was ich kann und wo ich stehe.» Er sagt sogar: «Es hängt vor allem von mir ab, ob ich den Titel hole oder nicht. Das ist schön zu wissen. Wenn ich in Wimbledon mein bestes Tennis spiele, bin ich nur sehr schwer zu schlagen.»
Das Gleiche dürfte allerdings auch auf Rafael Nadal zutreffen, der Fragen nach seiner Gesundheit knapp beantwortete: «Danke, mir geht es ausgezeichnet.» Und als ob es an ihm wäre, dies zu beweisen, trainierte er gestern im «Aorgani Park» nacheinander mit Feliciano Lopez und Juan Carlos Ferrero.
Zehn Wimbledontitel möglich
Aus der Ferne hat sich derweil, in einem Interview mit dem «Sunday Telegraph», Pete Sampras gemeldet, dessen sieben Wimbledon-Siege Federer dieses Jahr egalisieren kann. «Roger wird auch hier eine Marke aufstellen, die schwer zu übertreffen sein wird», sagte der Amerikaner. «Ich traue ihm zehn WimbledonTitel zu.» Federer habe nicht nur das perfekte Spiel für dieses Turnier, sondern auch das richtige Temperament: «Er ist ruhig und kontrolliert, lässt keine emotionellen Höhen und Tiefen zu.»
Zumindest nicht, bis er im Final den Matchball verwandelt hat. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 21.06.2010, 07:34 Uhr
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2 Kommentare
Schade, hat leider nicht geklappt :(. Ich habe das Gefühl das ihm irgendwie die Luft fehlt in entscheidenden Momenten. Ich würde ihm noch einen Höhenflug gönnen um den Sampras Rekord der Weltrangliste zu knacken, aber das wird erst frühestens Mitte 2011 möglich sein. Grüße Antworten

