Sport

«Es wird mein Körper sein, der entscheidet»

Von Andreas W. Schmid, Oliver Gut. Aktualisiert am 29.10.2011 12 Kommentare

Roger Federer spricht vor seinem Heimturnier über die Swiss Indoors, seine Stimmen in der Ständeratswahl, Martina Hingis und die Frage, wann es für ihn genug ist.

Ehre, wem Ehre gebührt: Roger Federer taufte gestern im Basler Güterbahnhof seine eigene Nationale-Suisse-Lokomotive.

Ehre, wem Ehre gebührt: Roger Federer taufte gestern im Basler Güterbahnhof seine eigene Nationale-Suisse-Lokomotive.
Bild: Keystone

Artikel zum Thema

Stichworte

Korrektur-Hinweis

Melden Sie uns sachliche oder formale Fehler.

Roger Federer taufte gestern im Basler Güterbahnhof seine eigene Nationale-Suisse-Lokomotive. Danach setzte sich der 30-jährige Baselbieter in einen Zugwaggon und sprach unter anderem über seine Gefühlslage vor den Swiss Indoors, die heute mit der Qualifikation beginnen.

Roger Federer, bei den Ständeratswahlen im Kanton Schwyz kamen Sie auf Platz 9. Hoffen Sie, dass Sie im zweiten Wahlgang gewählt werden?
Roger Federer: Ja, klar, ich bin guten Mutes, dass ich es schaffe – jetzt, da die Leute wissen, dass ich unbedingt Politiker werden will (lacht). Nein, im Ernst: Ich wusste gar nicht, dass auf Facebook dazu aufgerufen wurde, mich zu wählen.

Immerhin 132 Wähler haben Ihren Namen auf den Stimmzettel geschrieben.
Das ist doch lustig. Ich war am Wahlsonntag an einer Taufe, als mich der Pfarrer darauf ansprach. Er wisse nun das Resultat. Ich verstand erst gar nicht, was das nun soll. Ich dachte: Will der Pfarrer nun mit mir über den FCB und Fussball sprechen? Er klärte mich dann auf. Es gehe um die Ständeratswahlen im Kanton Schwyz. Da musste ich natürlich lachen.

Haben Sie selber gewählt?
Mmmmmmh...(überlegt) ...darauf möchte ich lieber nicht antworten. Das ist doch sehr persönlich.

Würden Sie gewählt – welche Themen lägen Ihnen am meisten am Herzen?
Da gibt es viele Themen, die mich interessieren. Und zwar sowohl weltweit als auch in der Schweiz. Ich bin allerdings so oft im Ausland, dass ich mich nicht immer mit den Dingen beschäftigen kann, die hier in der Politik passieren. Das wird eines Tages anders sein, wenn ich dann dauerhaft in der Schweiz lebe. Deshalb möchte ich auch gar nicht gross etwas dazu sagen. Das wäre nicht seriös.

Sind Sie noch nie von Politikern angefragt worden, ob Sie für eine Partei Werbung machen wollen?
Nein, nie. Ich kenne auch fast keine Politiker persönlich. Adolf Ogi habe ich kennen gelernt, Ueli Maurer auch. Aber auch nur, weil sie mit Sport zu tun haben. Ich war auch noch nie im Bundeshaus.

Mit der Teilnahme von Andy Murray sind Sie an den Swiss Indoors, Ihrem Heimturnier, nur als Nummer 3 gesetzt. Wie gewöhnungsbedürftig ist das für Sie?
Es ist, wie es ist. Wirklich viel ändert sich ja nicht dadurch, ob ich nun die Nummer 2 oder die 3 des Turniers bin. So oder so könnte ich in der ersten Runde bereits auf Stanislas Wawrinka treffen oder sonst einen ehemaligen Top-Ten-Spieler. Es wird auf jeden Fall hart, zumal ich aus einer sechswöchigen Pause komme. Da habe ich zuerst einmal mit mir selber zu tun.

Es ist für Sie also einerlei, ob Murray in Basel mitspielt?
Für die Swiss Indoors ist es eine tolle Sache, seine Teilnahme erhöht das Prestige des Turniers weiter. Die Zuschauer, die endlich auch Murray sehen wollten, kommen nun zum Handkuss. Natürlich muss ich mit ihm einen sehr guten Spieler mehr bezwingen. Andererseits ist das nichts Neues mehr: In über 80 Prozent der Turniere, die ich bestreite, sind auch Djokovic und Murray dabei.

Schaffen Sie es nochmals auf den Tennisthron? Oder gehört das nicht mehr zu Ihren Zielen?
Langfristig ist das schon noch ein Ziel. Aber kurzfristig ist das nun nicht mehr möglich. Das muss ich akzeptieren. Ob ich dann die Nummer 3 oder 4 bin, ist egal. Entscheidend ist nur, dass ich überhaupt in den Top 4 drin bin. Das macht es gerade an den Grand-Slam-Turnieren um einiges einfacher. Wir vier sind ebenbürtig, da kann sich sehr schnell wieder etwas ändern in der Hierarchie. Klar ist nur, dass du im Männertennis in einer Saison fast schon zwei Grand-Slam-Titel holen musst, um die Nummer 1 zu werden. Dass du wie bei den Frauen die Weltrangliste anführen kannst, ohne ein Major-Turnier gewonnen zu haben, wäre bei uns undenkbar. Das soll nun nicht despektierlich gegenüber den Frauen tönen, es ist einfach ein Fakt.

Ihr grosses Ziel ist Einzelgold an den Olympischen Spielen 2012. Doch wie steht es um das Mixed? Werden Sie mit Martina Hingis antreten?
Das weiss ich noch nicht. Es ist zu früh für einen Entscheid. Wir sind mal so verblieben, dass wir uns das bis Ende Jahr überlegen, und dann sehen wir weiter. Wir sind ja beide in einer komfortablen Lage und glücklicherweise nicht darauf angewiesen, dass wir unbedingt zusammen an Olympia spielen müssen.

Wer ist bei dieser Idee eigentlich auf wen zugegangen?
Mein Team hat sich mal unverbindlich bei ihr erkundigt. An einer Pressekonferenz hat sie sich verplappert, und schon wurde das Ganze zum grossen Thema. Dabei war es nichts als ein Gedankenspiel. Wir werden sehen, was daraus wird.

Vorschlag: Statt mit Martina Hingis könnten Sie auch mit Ihrer Frau Mirka Mixed spielen. Ich weiss nicht, ob Mirka gross Lust darauf hätte. Ich habe bisher mit drei wunderbaren Frauen Tennis gespielt: mit Mirka, Martina Hingis und Martina Navratilova. Viel mehr kann man sich eigentlich gar nicht wünschen.

Von welcher dieser Frauen haben Sie auf dem Tennisplatz am meisten gelernt?
Ich war schon immer ein grosser Fan von Martina Hingis. Ich fand es beneidenswert, was sie alles erreichte, und dies in einem Alter, in dem solches für mich noch unmöglich war. Mit Martina Navratilova zu spielen, war eine grosse Ehre. Sie ist wohl die beste Spielerin aller Zeiten, und zwar Männer miteingeschlossen. Mit Mirka war es schliesslich am emotionalsten. Sie hatte grosse Schmerzen damals und musste nach jeder Partie weinen. Da war für mich klar, dass es nicht darum geht zu gewinnen, sondern nur darum, dass wir überhaupt zusammen auf dem Platz stehen.

Sie haben in dieser Saison ein starkes Bekenntnis für den Davis-Cup abgegeben mit Ihrer Reise nach Australien. Werden Sie auch gegen die USA spielen?
Die Chancen stehen gut, ich bin ja sicher nicht für die Katz so weit nach Australien geflogen. Derzeit bin ich daran, den kommenden Winter fertig zu planen. Sobald ich es weiss, werde ich es bekannt geben. Das muss alles sorgfältig angegangen werden, es darf keinen Schnellschuss geben.

Wann haben Sie in Ihrem Karriereplan den Sieg im Davis-Cup vorgesehen?
Die Leute meinen, bei mir muss immer alles auf einen Sieg herauslaufen. Wir sind jetzt erst mal froh, dass wir die Weltgruppe überhaupt erreicht haben. Das war nicht selbstverständlich gegen Australien. Was Stan (Wawrinka – Anm. der Red.) dort im entscheidenden Match geschafft hat, war sensationell. Wäre ich drei Monate vorher gefragt worden, ob ich ihm einen Sieg gegen Lleyton Hewitt auf Rasen zutraue, ich hätte abgewunken. Ich hielt das für unmöglich, denn Hewitt hat auf Rasen mehr Spiele gewonnen als ich. Es war ein unvergessliches Erlebnis, zu dem jeder im Team beigetragen hat.

Wir halten fest: Der Davis-Cup ist für Sie wichtiger geworden.
Ich habe erklärt, dass ich in Zukunft mehr Davis-Cup spielen werde. Klar ist: Sollte der Davis-Cup irgendwann prioritär für mich werden, dann wird sich vieles ändern. Möglich, dass ich mehr Turniere auslassen muss. Bis jetzt vermochte ich nicht alles unter einen Hut zu packen und habe zwischendurch auch auf den Davis-Cup verzichtet.

Nach jeder Niederlage wird darüber spekuliert, wann Sie zurücktreten. Ihre Antwort darauf?
Es geht noch genug lange, bis es so weit ist. Solange ich gut unterstützt werde, bin ich dabei. Ich spiele überall auf dem Centre-Court und immer vor vollen Rängen. Wenn ich irgendwann nur noch auf einem Nebenplatz vor 50 Zuschauern spielen müsste, dann würde ich wohl zurücktreten. Ich glaube jedoch nicht, dass dies der Fall sein wird. Ich habe zu viel erreicht, als dass ich auf irgendeinem Nebenplatz versteckt würde. Es wird wohl mein Körper sein, der entscheidet, wann es so weit ist. (Berner Zeitung)

Erstellt: 29.10.2011, 11:33 Uhr

12

Kommentar schreiben

Verbleibende Anzahl Zeichen:

No connection to facebook possible. Please try again. There was a problem while transmitting your comment. Please try again.

12 Kommentare

Hans Hunziker

29.10.2011, 12:02 Uhr
Melden 27 Empfehlung

Einfach stark, dieser Roger, auf und neben dem Platz...ein Jahrhundert-Hammer...DAS Aushängeschild für die Schweiz...und viele Schweizer checken das nicht mal... Antworten


Mike Keller

29.10.2011, 12:36 Uhr
Melden 23 Empfehlung

Grossartige Persönlichkeit! Da ist es eigentlich wirklich egal ob er Nr. 1, 2 oder 3 ja jetzt gar 4 ist. Was auch gut zu wissen ist, dass er keine tollen Ratschläge braucht - dieser Typ ist wirklich smart und weiss genau Bescheid. Da kann man weiterhin nur viel Glück und Spass wünschen. Antworten



Programm & Resultate

Keine Daten vorhanden
Roland Garros
27.05EndeCipolla - Wawrinka3:6 3:6 6:4 6:3 2:6
Stand: 27.05.2012 16:09
GP Monaco 2012 - Rennen
1:46:06.5571 Mark Webber
+0.6002 Nico Rosberg
+0.9003 Fernando Alonso
Stand: 28.05.2012 19:58
Keine Daten vorhanden
Playoff
EndeAarau - Sion1:0
Stand: 28.05.2012 18:12
Roland Garros WTA
28.05EndeRadwanska - Jovanovski6:1 6:0
Roland Garros
28.05EndeFederer - Kamke6:2 7:5 6:3
28.05EndeDjokovic - Starace7:6 6:3 6:1
Stand: 28.05.2012 19:55
Keine Daten vorhanden
Keine Daten vorhanden
Freundschaftsspiel
20:45Italien - Luxemburg
Stand: 13.04.2012 13:49
Roland Garros WTA
29.0511:00Radwanska - V. Williams
29.0512:15Cadantu - Scharapowa
Roland Garros
29.0514:15Bolelli - Nadal
Stand: 28.05.2012 19:55
Keine Daten vorhanden
Keine Daten vorhanden

Sport

Populär auf Facebook Privatsphäre