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«Ein unglaublicher Moment in meinem Leben»
Aktualisiert am 09.07.2012 7 Kommentare
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Dank Federer-Triumph: Geldsegen für Hilfsorganisation
Ganz Grossbritannien litt im Wimbledon-Final mit Andy Murray. Bei der Hilfsorganisation Oxfam jedoch dürfte sich die Enttäuschung über seine Niederlage gegen Roger Federer in Grenzen gehalten haben. Sie erbt nach dem siebten Wimbledon-Triumph des Schweizers 100'000 Pfund Wettgewinn eines Verstorbenen.
Ein gewisser Nick Newlife hatte im Jahr 2003 1520 Pfund darauf gesetzt, dass Federer mindestens siebenmal das Grand-Slam-Turnier in London gewinnt. Federer hatte sich bis zum damaligen Zeitpunkt erst einmal die Krone im All England Lawn Tennis and Croquet Club aufgesetzt.
2009 starb Newlife im Alter von 59. Ein Jahr zuvor hatte er in seinem Testament sein ganzes Vermögen inklusive der laufenden Wette der Hilfsorganisation Oxfam vermacht. Das betroffene Wettbüro William Hill schmerzt die Auszahlung der gewonnen Summe offenbar nicht. «Das ist eine der wenigen Gelegenheiten, bei denen wir lächeln, wenn wir zahlen müssen», sagte ein Sprecher der Firma.
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Als der letzte Vorhand-Passierball von Andy Murray um 18.14 Uhr Lokalzeit wenige Zentimeter neben der Grundlinie landet, fällt die ganze Anspannung ab. Roger Federer lässt sich zu Boden fallen und geniesst den magischen Moment. Erstmals nach zweieinhalb Jahren gewinnt er wieder ein Major-Turnier, erstmals seit 2009 und dem Finalsieg nach epischem Match gegen Andy Roddick (16:14 im fünften Satz) darf er wieder die begehrteste Trophäe im Tennis entgegennehmen. «Es ist, als wäre der Pokal nie weg gewesen», so Federer beim Siegerinterview.
In seiner Box tauchten dort auch zwei ganz besondere Gäste auf: Federers Zwillingstöchter wurden unmittelbar vor der Siegerehrung von den Nannys hereingeführt und amüsierten sich bestens, als ihr Papa die Ovationen und den Goldpokal entgegennahm. Für ihn ein ganz besonderer Moment, hatte er doch stets gesagt, er wolle noch mindestens solange Spitzentennis spielen, bis ihn seine Töchter sehen können. «Es ist ein unglaublicher Moment in meiner Karriere und meinem Leben», so Federer.
Federers Taktikänderung unter dem Hallendach
Die enorm engagierten Supporter – die Unterstützung war mit etwa 80:20 recht einseitig verteilt – gaben ihr Bestes, um Murray im Unterfangen, die 76-jährige britische Durststrecke zu beenden, Hilfe zu leisten. Ihrer aller Hoffnungen lösten sich buchstäblich im britischen Sommerregen auf. Als zu Beginn des dritten Satzes plötzlich ein heftiger Regen über die Anlage im Londoner Südwesten niederging, entschieden sich die Organisatoren zum Schliessen des Dachs, welches anfänglich nach einem eher überraschend gekommenen sonnigen Abschnitt offengeblieben war.
Federer nutzte den 39-minütigen Unterbruch zu einer Besprechung mit seinen Coaches Paul Annacone und Severin Lüthi und kam mit anderer Strategie zurück. Er spielte viel offensiver als vorher und überraschte Murray vor allem durch konsequentes Attackieren von dessen zweitem Aufschlag. Im sechsten Game des Satzes trug diese Strategie erstmals Früchte, allerdings nach langer Anlaufzeit: Federer, der nun auch Länge und Schnitt ideal variierte, gewann das Marathon-Game nach 20 Minuten und 26 Punkten mit seinem insgesamt sechsten Breakball.
Leichtfüssig wie ein Tänzer
Anschliessend war er klarer Chef in der Halle, umlief leichtfüssig wie ein Tänzer immer wieder die Rückhand und zwang Murray zu viel Laufarbeit. Der Schotte, der sich wiederholt an die Leiste griff, war nicht mehr so spritzig wie in den ersten Sätzen und wurde angesichts der Federer-Gala zusehends frustrierter. Obwohl er alles versuchte und bis zuletzt kämpfte, war die Wende angesichts von Federers Brillanz nicht mehr möglich.
In der Nachbetrachtung wird Murray noch lange dem zweiten Satz nachtrauern. Bei 4:4 hatte er zwei Breakchancen zum wohl vorentscheidenden 5:4 und verschlug zuerst eine durchaus machbare Rückhand, ehe Federer mit einem Smash weiteres Ungemach abwendete. Murray gewann in dieser Spielphase seine Servicegames viel leichter und Federers Satzausgleich kam bei sich verdunkelndem Himmel aus heiterem Himmel. Murray führte bei 6:5 schon 30:0, als Federer ein Comeback gelang unter anderem dank drei Punktgewinnen, die er mit Stopbällen einleitete.
«Für einen 30-Jährigen nicht schlecht»
Natürlich war der Gemütszustand der beiden Protagonisten völlig unterschiedlich. Murray versagte nach seiner vierten Niederlage im vierten Major-Final beim Platzinterview die Stimme. «Ich werde es versuchen, aber es wird nicht einfach», sagte er, bevor er erneut in Tränen ausbrach. Der Schotte, der die Hoffnungen eines ganzen Königreichs auf den ersten Titel seit 76 Jahren auf seinen Schultern getragen hatte, verlor aber nicht seinen Humor. «Was Roger gezeigt hat, ist für einen 30-Jährigen nicht schlecht.»
Tatsächlich hat der 11. Mann über 30, der in der Open Era einen Grand-Slam-Titel gewinnt, seine vielen Fans in den letzten zwei Wochen auf ein Wechselbad der Gefühle mitgenommen. Besonders kritisch wurde es in der dritten Runde, als er gegen den entfesselten Julien Benneteau nur zwei Punkte vor dem Out stand und in den Achtelfinals, als gegen Xavier Malisse ein blockierter Rücken Schlimmstes befürchten liess.
Federer, der seit dem Australian Open 2010 keinen Major-Titel mehr gewonnen hatte, ist nun nach seinem siebten Triumph auch offiziell König von Wimbledon. Er hat nun gleich viele Titel auf dem Konto wie William Renshaw und Pete Sampras und baut seinen Vorsprung auf Sampras punkto Major-Titel auf drei Einheiten aus. Mit einem weiteren Titel könnte er Chris Evert und Martina Navratilova einholen, davor rangieren mit Helen Wills Moody (19), Steffi Graf (22) und Margaret Court (24) noch drei Frauen.
Der achte Titel seit Oktober 2011
Dass Federer nun schon in Wimbledon und nach 25 Monaten wieder auf den Weltranglisten-Thron zurückkehrt, hätte im letzten Herbst wohl niemand erwartet. Er zeigte aber seither einen gigantischen Steigerungslauf und hat seit Oktober acht Titel gewonnen, gleich viele wie seine drei Haupt-Kontrahenten zusammen.
Viele hatten Federer schlichtweg nicht mehr zugetraut, die noch fehlende Woche zum Rekord von Pete Sampras zu egalisieren. Nun hat er dies nicht nur gemacht sondern auch beste Aussichten, mindestens einige Monate oben zu bleiben. Bis und mit dem US Open hat er fast viermal weniger Punkte zu verteidigen als Djokovic.
Federer wird nun in die Schweiz zurückkehren und nach einer Ferienwoche den nächsten Höhepunkt vorbereiten. In 20 Tagen beginnt an selbiger Stätte das olympische Tennisturnier. Mit einem Favoriten, der mit besten Erinnerungen an den Ort seiner grössten Triumphe zurückkehren wird: Roger Federer. (si)
Erstellt: 08.07.2012, 21:29 Uhr
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7 Kommentare
Herzliche Gratulation Roger.Tennis vom Feinsten durften wir Zuschauer,im Stadion oder am
Bildschirm verfolgen,auch Murray brachte Extraklasse mit.Bewundernswert wie die vielen
Murray Anhaenger dem Matador (sorry das Wort) Roger Beifall zollten! Es war supper!
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Er gewinnt noch ein Grand-Slam-Turnier.
Er behauptet sich in den Top Ten.
Er hängt das Racket an den Nagel.
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