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«Ein Traumszenario, wie 2009»

Von René Stauffer. Aktualisiert am 29.11.2011 4 Kommentare

Roger Federers Rückblick auf eine schwierige, lehrreiche Saison und sein Ausblick auf das Jahr 2012.

1/2 Wieder einmal auf dem Gipfel der Tenniswelt: Nach seinem Triumph in London glaubt Federer, dass «der nächste Titel hinter der Ecke wartet».
Bild: Reuters

   

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Es war wieder wie nach einem seiner 16 Grand-Slam-Siege. Während in der Londoner O2-Arena der Tenniscourt nach dem Endspiel des ATP-Finals am Sonntagabend in Windeseile abgebaut wurde, ging Roger Federer auf eine ausgedehnte Medientour, wurde herumgereicht, von Mikrofon zu Mikrofon. Er tat es mit einem Lächeln, geduldig und ausdauernd. Wieder einmal war er auf dem Gipfel der Tenniswelt, und wieder einmal hatte er viel zu erzählen, nach seinem 22. Triumph an einem der fünf wichtigsten Turniere.

Final

«Im 100. Final den Mastersrekord holen zu können, war ein Traumszenario, wie 2009 in Wimbledon, als ich vor den Augen von Borg, Sampras, McEnroe und Laver den Grand-Slam-Rekord schaffte. Solche Erfolge berühren mich, machen mich stolz. Als ich im 2. Satz zum Match aufschlug, hatte ich schon das Gefühl, dass es nicht reichen könnte. Ich war angespannt, tat, was ich konnte, aber mein Aufschlag liess mich im Stich. Tsonga schlug im Tiebreak auch nicht gut auf, ich war eher besser. Ich hatte nicht das Gefühl, dass ich das Momentum verloren hatte. Ich wählte im 3. Satz die richtige Taktik, verlor den Kopf nicht und verschaffte mir weitere Möglichkeiten.»

Saisonbilanz

«Für mich war es ein gutes Jahr mit einigen harten, knappen Niederlagen. Dass ich es so gut abschloss, besser als je eines zuvor, überrascht mich. Es zeigt aber, dass ich viele richtige Entscheide traf. Wenn einer wie Djokovic eine Saison mit 40 Siegen beginnt, ist er der Spieler des Jahres, egal, was kommt. Und Nadal kennt man ja. Für mich war es schon schwierig, Woche für Woche ohne Titel zu bleiben. Aber ich spielte ja auch nur die grössten Turniere und musste geduldig bleiben. Auch Murray hatte eine gute Saison, er konnte sie in London aber leider nicht stark beenden. Ich bin froh, dass sie zu Ende ist – aber kann es kaum glauben. Ich bin glücklich, bin immer noch stark und gesund und freue mich auf das nächste Jahr.»

Rückschläge

«Der US-Open-Halbfinal mit den vergebenen Matchbällen gegen Djokovic war nicht die grösste Enttäuschung der Saison, denn es war kein Final. Und Djokovic hatte das Momentum auf seiner Seite, es war einfach sein Jahr. Ich denke, dass ich gleich gute Chancen hatte, den Paris-Final gegen Nadal zu gewinnen. Das wäre erstaunlich gewesen, deshalb bedaure ich jene Niederlage mehr. Nach New York fragte ich mich, wie ich noch hatte verlieren können und wie ich darüber hinwegkommen würde. Dazu hatte ich vorher in Wimbledon und Montreal gegen Tsonga verloren. Nun bin ich seit dem US Open ungeschlagen, habe zuletzt Tsonga gleich viermal hintereinander besiegt. Solche Reaktionen erwarte ich von mir.»

Zwischenhalt

«Während einiger Momente hatte ich 2011 zu grosse Zweifel in mir. Aber ich habe es geschafft, sie in der sechswöchigen Pause vor Basel zu eliminieren, indem ich viel nachdachte und mit den Leuten in meinem Umfeld darüber sprach. Für mich war es wichtig, einmal innezuhalten und aus der Vogelperspektive zu analysieren, wo ich stehe, was lief und was nicht. Ich merkte, dass es Phasen gab während Partien, in denen ich an etwas anderes dachte – woran, kann ich nicht genau sagen. Oder ich regte mich auf über Dinge, über die ich mich normalerweise nicht aufrege. Das konnte ich nun ändern. Ich denke jetzt wieder an nichts anderes als die Punkte, die ich gerade spiele.»

Dezember

«Ich mache nun etwa zehn Tage Ferien, dann geht die Vorbereitung los, wie immer in Dubai. Dort werde ich auch Weihnachten verbringen. Über Neujahr spiele ich ein Schauturnier in Abu Dhabi, dann Doha und das Australian Open. Mit der Motivation habe ich keine Mühe. Ich liebe dieses Spiel mehr als sonst jemand, ich werde nicht eines Tages aufwachen und sagen, ich mag nicht mehr. Aber meine Karriere fordert schon viele Opfer, tagtäglich. Dafür erhalte ich Momente wie diese, die ich mit anderen teilen kann. Das ist unbezahlbar.»

2012

«Wichtig ist, dass ich nicht abhebe, dass ich professionell bleibe und nach vorne schaue. Oft beginne ich ein neues Jahr nach einem guten Saisonschluss stark. Auch Murray wird nächstes Jahr schwer zu schlagen sein, Nadal ist mit seiner Klasse immer zu beachten im Kampf um die grossen Titel und die Nummer 1. Auch die Nummern 4 bis 8 sind sehr eng zusammen. Die Qualität der Top 10 ist grossartig, sogar die der Top 20, Top 25. Es dürfte eine harte, aber grossartige Saison geben. Klar wäre es schön, wieder Grand Slams zu gewinnen. Ich habe in den letzten zwei Jahren einige Chancen verpasst und das Gefühl, dass der nächste Titel hinter der Ecke wartet. Vielleicht täusche ich mich. Bis Olympia dauert es noch über sechs Monate. Es wäre gegenüber den anderen Turnieren unfair, wenn ich es als erste Priorität nennen würde. Zudem hoffe ich, dass Mirka weiter die Arbeit auf sich nimmt, mich mit den Kindern zu begleiten.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 29.11.2011, 07:21 Uhr

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4 Kommentare

Hansi Meier

29.11.2011, 10:15 Uhr
Melden 62 Empfehlung

König Roger!!! Antworten


Susanne Lüscher

29.11.2011, 10:34 Uhr
Melden 41 Empfehlung

Roger wird sicher noch das eine oder andere Turnier gewinnen. Ich persönlich freue mich einfach, wenn es noch viele Spiele mit ihm gibt, da sein Tennis excellent ist. Antworten



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