Sport
Die 0:6-Krise des Supertalents
Artikel zum Thema
Teilen und kommentieren
Stichworte
Korrektur-Hinweis
Melden Sie uns sachliche oder formale Fehler.
Als Bernard Tomic vor knapp eineinhalb Jahren als jüngster Spieler seit Boris Becker in Wimbledon die Runde der letzten acht erreichte, konnten die Australier gar nicht genug bekommen vom 1,96 Meter grossen Shootingstar. Nun sind seine Auftritte für Fans und Verband nur noch eine Qual – wahrscheinlich auch für ihn selbst. Nachdem Tomic Anfang Monat in Shanghai in der 1. Runde mit 4:6, 0:6 am Deutschen Florian Mayer gescheitert war, musste er am Dienstag in Basel schon wieder eine herbe Schlappe einstecken. Gegen den Russen Michail Juschni ging er in seinem Auftaktmatch mit 2:6, 0:6 unter.
Hatte sich Tomic in Shanghai nach eigener Aussage nur mit 85 Prozent seiner verbliebenen Kräfte gegen die Niederlage gestemmt, so waren es an den Swiss Indoors wohl höchstens 70 Prozent eines ohnehin schon fast leeren Reservoirs. «Jemand muss Bernie Tomic auf ein fliegendes Känguru setzen. Sein Jahr ging schon vor Wochen zu Ende», bemerkte der frühere australische Topspieler und Agassi-Trainer Darren Cahill via Twitter. Tomic solle seine Batterien aufladen und 2013 stärker zurückkommen, so der Wunsch des 47-Jährigen, der als Analyst für den TV-Sender ESPN arbeitet.
Mit Müdigkeit allein ist Tomics Krise aber nicht erklärt, obwohl der 20-Jährige selbst seine Probleme mit dem Mangel an Erholungszeit begründet. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass er oft gar keine Lust auf Tennis hat – oder keine Lust darauf, für den Erfolg zu kämpfen. Der grosse John McEnroe hatte sich anlässlich von Tomics 3:6, 4:6, 0:6-Niederlage gegen Andy Roddick am US Open beim Kommentieren stark über die Vorstellung des lustlosen Talents ereifert und ihm Arbeitsverweigerung vorgeworfen. «Das ist eine Schande, so etwas sollte man nicht sehen», so McEnroe.
Der frühere Schweizer Davis-Cup-Spieler Yves Allegro, inzwischen Nachwuchs-Koordinator bei Swiss Tennis, glaubt, dass Tomic auch darunter leide, dass er seine Gegner nicht mehr überraschen könne. Dies war während seines Aufstiegs der Fall. Inzwischen wissen aber die meisten Profis, dass sie sich vom jungen Australier nicht einlullen lassen dürfen und dieser überraschende Rhythmuswechsel mag. Die Folge waren neun Erstrunden-Niederlagen in 13 Turnieren seit dem French Open Anfang Juni.
Der erfahrene Trainer Cahill vermutet, dass Tomics Defizite damit zu tun hätten, dass er sich noch immer von seinem exzentrischen Vater coachen lasse, der auf der Tour einen überaus zweifelhaften Ruf geniesst – unter anderem, weil er seinen damals 16-jährigen Sohn einst aufforderte, nach wiederholten Fussfehlervorwürfen den Platz zu verlassen. Cahill rät Tomic deshalb zu einem Trainerwechsel und brachte auch schon Roger Rasheed, den ehemaligen Coach von Gaël Monfils, ins Gespräch. Rasheed wiederum meldete sich via Twitter zu Wort und forderte Tomic auf, einen langfristigen Plan zu erstellen und wieder Spass am Tennis zu haben. (DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 25.10.2012, 11:50 Uhr







Sportbilder der Woche

















