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«Der blaue Sand nützt nur Tiriac»
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Kaum einer kennt den rumänischen Tennis-Zampano Ion Tiriac besser als Markus Günthardt. 13 Jahre lang arbeitete der Zürcher, der mit seinem Bruder Heinz ein erfolgreiches Davis-Cup-Doppel bildete, mit dem schnauzbärtigen Turnierchef des Madrid Open zusammen. Für Günthardt ist klar: Die Einführung blauer Sandplätze, die im konservativen Lager des Tennis für rote Köpfe sorgt, ist in erster Linie ein Marketing-Instrument.
«Aus Sicht des Turniers begreife ich den Wechsel», sagt Günthardt, inzwischen Direktor des WTA-Sandturniers von Stuttgart, an dem vorletzte Woche die Weltklasse geschlossen am Start war. «Madrid will das fünfte Grand-Slam-Turnier sein, deshalb muss es sich von Roland Garros abheben, auch im Fernsehen.» Tiriacs Hauptargument – der Ball sei besser zu sehen – überzeugt Günthardt nicht: «Das wage ich zu bezweifeln, und es würde mich auch überraschen.»
«Tennisspieler sind wenig offen für Neuerungen»
Günthardt selber hat keine grundsätzlichen Vorbehalte: «Warum sollte blauer Sand ein Problem sein? Es gibt ja auch rote, blaue und grüne Hallenbeläge, und in den USA ist der Sand grün. Entscheidend ist einzig, dass die Courts qualitativ gut sind.» Er werde sich aber davor hüten, in Stuttgart auf blauen Sand zu wechseln: «Wir sind klar ein Vorbereitungsturnier für das French Open und lassen den Sand extra aus Roland Garros kommen.»
Die Diskussion würde momentan zu heiss geführt, findet der 54-jährige Zürcher. «Tennisspieler sind eben grundsätzlich wenig offen für Neuerungen. Die meisten, mit denen ich gesprochen habe, sagen: Der Einzige, dem der Wechsel nützt, ist Tiriac.» Wenn die Spieler aber merkten, dass es sich auf blauem Sand genau gleich spiele wie auf rotem, werde die Diskussion schnell abflauen.
Der 73-jährige Tiriac, der mit Ilie Nastase ein Weltklassedoppel bildete, machte in der Autobranche, mit Versicherungen und seiner Bank ein Vermögen und gilt als reichster Rumäne und Erneuerer des Tennis. Er führte in Deutschland die grossen VIP-Bereiche ein, in Madrid Models als Ballmädchen und eine extravagante Trophäe (Tiriac Trophy). Und er rühmt sich, vor über 30 Jahren blaue Hallenplätze eingeführt zu haben. Günthardt erinnert sich aber auch, wie Tiriac einst in Stuttgart von Blau wieder auf Rot wechselte, um nach einem Sponsorenwechsel ein neues Erscheinungsbild zu schaffen.
Nadal: Der blaue Sand könnte Spielern wie Federer helfen
Tiriac setzte den blauen Sand gegen den Willen vieler Spieler durch, allen voran Rafael Nadal, aber auch Novak Djokovic und Roger Federer. Wenig überraschend fiel Nadals erstes Verdikt am Freitag denn auch ziemlich negativ aus. «Dieser Platz hat zweieinhalb Probleme», sagte er. Dabei kritisierte er vornehmlich die Lichtverhältnisse hinter dem Platz (Beleuchtung, Werbetafeln), die es schwer machen würden, den Ball zu sehen. «Zudem ist der Platz rutschiger als üblich. Vielleicht hat es zu wenig Sand. Vielleicht ist aber der blaue Sand auch rutschiger als der rote.» Der Spanier, der in der Caja Mágica erst eines von drei Turnieren gewann (2009 siegte Federer, 2011 Djokovic), glaubt, dass dies für Spieler mit viel Power wie Isner, Raonic oder Federer, bei denen die Beinarbeit weniger ausgeprägt sei, ein Vorteil sein könnte.
Die Wahrscheinlichkeit, dass bald weitere Sandturniere dem Schritt von Madrid folgen, dürfte vorerst klein sein. Denn um blauen Sand zu erhalten, ist ein aufwendiges Verfahren notwendig, das die Plätze verteuert, da dem roten Sand zuerst Eisenoxid entzogen werden muss. Und pro Court sind immerhin rund 3,5 Tonnen Sand nötig. (SonntagsZeitung)
Erstellt: 06.05.2012, 12:55 Uhr
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