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Das faszinierendste Schweizer Tennis-Projekt

Von Alexander Kühn, Sebastian Rieder. Aktualisiert am 02.02.2012

Fed-Cup-Debütantin Belinda Bencic hat das Talent für Grand-Slam-Siege. Trotzdem soll die 14-Jährige ohne übergrossen Druck reifen können – und ohne ständige Vergleiche mit Martina Hingis.

«Der Lohn für meine Arbeit»: Belinda Bencic beim Training mit dem Fedcup-Team.
Video: Sebastian Rieder

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Steckbrief Belinda Bencic

Geburtsdatum: 10. März 1997
Klub: TC Ried Wollerau
Trainer: Melanie Molitor, Tino Seidel, Roberto Troian
Coach: Ivan Bencic
Ranking: Nummer 1 in Europa bis 14 Jahre, Nummer 10 der Schweiz
Website: www.belinda-bencic.ch

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Wenn man die Berichte und Reportagen über Belinda Bencic studiert, stösst man immer wieder auf den Vergleich mit Martina Hingis, bei deren Mutter Melanie Molitor die 14-Jährige trainiert. Dabei ist die Schülerin, die im Oktober das prestigeträchtige Europe Junior Masters in ihrer Alterskategorie gewann, längst eine Spielerin mit eigenem Profil und eigenem Tennis. Auch wenn sie Hingis' Spielstil bewundert. Bencic, der Experten zutrauen, dereinst Grand-Slam-Turniere zu gewinnen, gehört sogar erstmals zum Schweizer Fed-Cup-Team, das am Wochenende in Freiburg auf die starken Australierinnen um US-Open-Siegerin Samantha Stosur trifft.

«Ich bin sehr glücklich über die Nomination, sie ist eine Anerkennung für meine Arbeit», sagt Belinda Bencic. Arbeit, das bedeutet für das grosse Talent Konditions- und Krafttraining. Wenn der gelbe Filzball ins Spiel kommt, ist der Begriff Leidenschaft weit treffender. Beim nachmittäglichen Doppeltraining mit ihren Teamkolleginnen Timea Bacsinszky, Stefanie Vögele und Amra Sadikovic leuchten die Augen der schweizerisch-slowakischen Doppelbürgerin. Das Abklatschen mit der jeweiligen Partnerin nach einem gelungenen Ballwechsel zeigt, wie schnell sich die Jüngste in die Gruppe der sieben oder acht Jahre älteren Mitspielerinnen integriert hat.

Der Vater ist da, hält sich aber im Hintergrund

Belindas Vater Ivan, früher ein ambitionierter Eishockeyaner, der mit dem EHC Olten sogar eine Saison in der Nationalliga A spielte, sitzt derweil rund zwanzig Meter vom Platz entfernt auf der Tribüne. Es ist ihm wichtig, in der Nähe seiner Tochter zu sein. Allerdings nur im Hintergrund. «Ich habe ja früher einen Mannschaftssport betrieben und weiss deshalb, wie wichtig das Teamgefühl ist», erklärt er. Nur selten entfährt ihm eine kurze Korrektur in Richtung Spielfeld. «Belinda, achte auf die Hüfte» oder «Mach keine Zwischenschritte». Dass die Halle in Freiburg das Hoheitsgebiet von Fed-Cup-Coach Christiane Jolissaint, einer ehemaligen Top-30-Spielerin, ist, steht für den Vater bei allem Interesse am Fortkommen seiner Tochter ausser Frage.

Eines aber ist Ivan Bencic wichtig: dass die Journalisten Belinda trotz der oberflächlichen Parallelen nicht ständig auf Martina Hingis ansprechen oder gar zum Klon der früheren Nummer 1 der Welt hochstilisieren. Der Grund liegt auf der Hand: Der Vergleich mit Hingis ist zwar schmeichelhaft, er erzeugt aber auch Druck. Und Druck schadet der freien Entfaltung. Das Tennis, darin sind sich Belinda Bencic und ihr Vater einig, habe sich in den letzten Jahren ausserdem rasant weiterentwickelt. Es sei schneller und physischer geworden und mit jenem der Ära Hingis nicht zu vergleichen. «Die Besten sind nicht mehr nur ausgezeichnete Spielerinnen, sondern auch ausgezeichnete Athletinnen», gibt Ivan Bencic zu bedenken.

Kreativ spielen, nicht nur auf den Ball hauen

Trotz der Notwendigkeit, viel in die Physis zu investieren, soll bei Belinda Bencic das kreative Element auf keinen Fall zu kurz kommen. Die 14-Jährige sagt, sie wolle nicht nur einfach auf den Ball draufhauen, sondern kreativ sein und die Punkte herausspielen, was man schon in den Übungseinheiten erkennen kann. Vater Ivan Bencic ist sicher, dass sich Power und Spielwitz nicht gegenseitig ausschliessen, er hält aber die Kraftmeierei mit schweren Hanteln für Unsinn: «Die Mädchen bekommen davon zwar breite Schultern, sie spüren aber auch, dass der Körper irgendwie nicht mehr im natürlichen Gleichgewicht ist.»

Bedeutend sinnvoller seien das Training mit dem Eigengewicht oder andere Sportarten. Zusammen mit ihrem drei Jahre jüngeren Bruder Brian, der ebenfalls ein talentierter Tennisspieler ist, hat sich Belinda Bencic sogar regelmässig aufs Glatteis gewagt. Beim Eishockey sei es für das Mädchen darum gegangen, bubenhafte Robustheit zu gewinnen. «Und Brian hatte natürlich Spass daran, seine Schwester zu checken.»

Der nächste Meilenstein nach dem Fed-Cup wird für Belinda Bencic im Juni das French Open in Paris sein. Sie startet in Roland Garros erstmals bei einem Grand-Slam-Turnier, wenn auch nur im Feld der Juniorinnen. Doch auch dort wird schon auf sehr hohem Niveau gespielt. Im vergangenen Jahr hätte die Französin Caroline Garcia, die auch bei den Juniorinnen startete, im Tableau der Grossen sogar um ein Haar Maria Scharapowa besiegt, führte sie doch 6:3, 4:1, ehe ihre Nerven versagten. Ob Belinda Bencic dereinst auch im Kampf um einen echten Grand-Slam-Titel mitmischen kann, steht trotz ihres enormen Talents in den Sternen. Ganz sicher ist das Projekt, sie zu einer absoluten Weltklassespielerin zu formen, aber das faszinierendste im Schweizer Tennis. Die Hilfe weiterer Sponsoren zur Realisierung des Traums sei natürlich herzlich willkommen, bemerkt Ivan Bencic mit einem Lächeln.

(DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 02.02.2012, 11:04 Uhr

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