Sport

Die Tour de Suisse in Gefahr

Von Martin Born. Aktualisiert am 13.12.2012 6 Kommentare

Ein tschechischer Milliardär will den Radsport mit einer neuen, gut vermarktbaren Rennserie erneuern und zum attraktiven Paket für Sponsoren machen.

Bedrohliche Wolken über der Tour de Suisse: Bleibt der Alpen-Circuit (hier Abfahrt vom Flüela) dem Radsport erhalten?

Bedrohliche Wolken über der Tour de Suisse: Bleibt der Alpen-Circuit (hier Abfahrt vom Flüela) dem Radsport erhalten?
Bild: Keystone

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Zdenek Bakala ist die Nummer 683 der Weltrangliste. Seinen Nettowert schätzt «Forbes» auf 1,9 Milliarden Dollar. Das bringt den Kohlehändler, Financier und Medienunternehmer in Tschechien auf den 2. Rang. Bakala lebt in Genf und hat während Jahren für die Credit Suisse First Boston gearbeitet. Er ist «halber Schweizer», und doch dürfte das, was er vorhat, in der Schweiz auf wenig Begeisterung stossen. Mit seinem Projekt gefährdet er Tour de Suisse und Tour de Romandie, die beiden wichtigsten Schweizer Radrennen.

Bakala ist 51 und passionierter Radfahrer. Deshalb ist er gewillt, ein Prozent seines Vermögens oder rund 20 Millionen Dollar in die Erneuerung des Radsports zu investieren. Ihm zur Seite stehen Jonathan Price, Inhaber der Sportagentur Gifted Group in London, die schon für Manchester United arbeitete, und der Schweizer Thomas Kurth, der sich im Fussball einen Namen geschaffen hat. Er war Vorsitzender der G-14, einer Arbeitgebervereinigung der renommiertesten europäischen Clubs, die sich von 2000 bis 2008 gegen die Ausbeutung durch Fifa und Uefa wehrte.

10 Grands Prix für 14 Teams

Das Projekt, das Price und Kurth am Montag einer Gruppe von ausgewählten Radsport-Journalisten vorstellten, nennt sich World Series Cycling (WSC). Dabei sind vorerst 8 World-Tour-Mannschaften: Omega Pharma-Quick Step (wo Bakala bereits Sponsor ist), Garmin-Sharp, Canondale, Movistar, Vacancesoleil, Saxo-Bank-Tinkoff, RadioShack-Nissan und Blanco-Giant (ex Rabobank). Gerüchte darüber gibt es seit mehr als einem Jahr. Dabei war von einer Abspaltung vom Weltradsportverband UCI und einer eigenen Liga die Rede. Dem widersprach Price: «Wir arbeiten mit der UCI und Zdenek Bakala zusammen, um ein wettbewerbsfähiges Produkt zu schaffen, das die Radsportfans weltweit wollen und gut für den Sport ist.»

WSC will den Radsport als Produkt verkaufen, wie es sich der Markt, das Fernsehen und Sponsoren wünschen: Attraktiv, einfach, einheitlich, schön verpackt und natürlich dopingfrei. Ein bisschen Formel 1, ein bisschen Champions League, ein bisschen Tennis mit Grand Slam und Masters-1000-Serie. Bakala und seine Partner planen eine neue Rennserie für einst 14 Teams (oder Franchisen nach US-Vorbild) mit 10 Grands Prix und einfachem Punktesystem, bei dem die besten Fahrer aufeinandertreffen, an deren Ende sich der stärkste Fahrer und das stärkste Team Weltmeister nennen dürfen. Jeder Grand Prix soll vier Tage dauern, aus einem Rennen für Sprinter, einem für Bergfahrer, einem für Roller und einem für Zeitfahrer bestehen, wobei je 5 Einzel- und Teamzeitfahren vorgesehen sind. Geplant sind Events auf allen 5 Kontinenten.

Es wird eng im Kalender

Daneben bliebe im Weltkalender Platz für Rennen mit Tradition: Tour, Giro und Vuelta sowie die 6 Eintagesklassiker Mailand–Sanremo, Flandern-Rundfahrt, Paris–Roubaix, Amstel Gold Race (als Einziges, das nicht zu den «Monumenten» zählt), Lüttich–Bastogen–Lüttich und Lombardei-Rundfahrt. Erste Verhandlungen mit den Veranstaltern hätten bereits stattgefunden. Die Tour de France-Organisatorin ASO wies Gesprächsangebote vorerst zurück. Sie will die Reaktion der UCI abwarten. Diese zeigt sich offen für Neues.

Zurzeit läuft eine Vernehmlassung unter allen «Stakeholders» (vom Fahrer bis zum Sponsor). Sie sollen Vorschläge unterbreiten, wie der Radsport aus der Krise in eine glanzvolle Zukunft geführt werden kann. WSC hat den seinen abgeliefert. Die UCI will darüber diskutieren, hält aber fest, dass sie die Oberhoheit über den Kalender behalten will.

Der Kalender, der von WSC ausgearbeitet wurde, umfasst 28 Rennwochenenden: 12 für die grossen Rundfahrten, 10 für die Grands Prix und 6 für die Klassiker. Rechnet man mit einer Saison, die bis jetzt 39 Wochen dauerte, bleiben noch 11 freie Wochenenden. Das heisst auch: Für alle anderen Rennen würde es eng, was auch für die Tour de Suisse und die Tour de Romandie gilt. Ihnen droht eine Bedeutung, wie sie der Europacup im Skirennsport hat. Oder die AHL im Eishockey. Als Alternative bliebe, sich um die Durchführung eines Grand-Prix-Rennens zu bemühen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 13.12.2012, 10:08 Uhr

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6 Kommentare

Heinz Köhli

13.12.2012, 10:59 Uhr
Melden 60 Empfehlung 11

...."und natürlich dopingfrei" ! Da lachen ja nicht nur die Hühner, sondern deren Eier ! Antworten


Dustin Peters

13.12.2012, 11:27 Uhr
Melden 37 Empfehlung 9

Den Sport Dopingfrei machen in dem man noch mehr Geld reinpumpt? Sehr gute Idee... Antworten



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