«Schummel-Schumi» verteidigt umstrittenes Ferrari-Manöver
Von Sascha Rhyner. Aktualisiert am 26.07.2010 17 Kommentare
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«Das ist keine Kaffeefahrt. Es geht um die WM», sagte Michael Schumacher und bezeichnete die Diskussion um die Stallorder nach dem über Funk praktisch angeordneten teaminternen Überholmanöver bei Ferrari als «Mumpitz». Für den siebenfachen Weltmeister ist Teamorder auch nicht verwerflich, sondern folgt der Vernunft: «Es kann nur einer Weltmeister werden. Wer ab einem gewissen Zeitpunkt die meisten Punkte hat, auf den wird gesetzt. Das kann ich nachvollziehen», so Schumacher.
«Das ganze Team arbeitet extrem hart während eines ganzen Jahres, manchmal sogar ganze Nächte durch. Das ist eine unglaubliche Aufopferung. Und wenn einer mehr Punkte hat als der andere, dann ist das halt so», erklärte der Mercedes-Pilot. Alle würden dies verstehen, wenn man so etwas im letzten WM-Lauf machen würde. «Aber man kann den gleichen Beschluss auch während des Jahres treffen», findet er. Er habe oft erlebt, dass die Fans sich über sein Verhalten geärgert hätten. «Ich konnte das damals nicht verstehen und werde das auch jetzt nicht tun. Ich werde lieber kritisiert und habe alle Punkte als umgekehrt», so der einstige Dominator.
Der Ärger der Buchmacher
«Was, wenn am Ende fünf Punkte fehlen? Dann steht Ferrari als Depp da», nimmt Schumacher Ferrari deshalb in Schutz. Der Deutsche hatte schliesslich selber oft von teaminterner Hierarchie profitiert. Und als ihn 2002 beim Österreich-GP der damalige Ferrari-Teamchef Jean Todt mit dem berühmten Funkspruch «Let Michael pass for the Championship» an Rubens Barrichello vorbeilotste, war dies der Ursprung des Artikels 39.1 («Verbot der Stallorder»). Nicht nur Fans waren damals aufgebracht, auch Buchmacher hatten am Manöver auf der Zielgeraden wenig Freude.
100'000 Dollar Busse sprachen die Stewards nach dem Rennen für einen Verstoss gegen den Artikel 39.1 sowie den Artikel 151.c des Sportkodexes («Beschädigung des Ansehens des Motorsports») aus. Höhere Strafen dürfen sie laut Reglement an der Strecke gar nicht aussprechen. Und eine Disqualifikation der beiden Ferraris schien ihnen wohl zu drastisch und wäre juristisch wohl auch heikel gewesen. Die Scuderia hatte den führenden Felipe Massa letztlich nur informiert, dass der hinter ihm liegende Fernando Alonso schneller sei.
Lieber Hornochsen als Schummler
Die Stewards haben den Fall aber an den FIA-Weltrat weitergeleitet, der über eine weitere Bestrafung, wie zum Beispiel einen Punktabzug, beraten wird. Der neue Chef der FIA ist ausgerechnet Jean Todt. Doch der Druck auf den Franzosen ist enorm. Vor allem die direkte Konkurrenz um den WM-Titel geht mit Ferrari hart ins Gericht. «So plump, dass ein Fahrer den anderen vorbei lässt, das habe ich schon lange nicht mehr gesehen», sagte Red Bulls Motorsportchef Helmut Marko. McLarens Chef Martin Whitmarsh will seine Meinung Ferrari in einem persönlichen Gespräch mitteilen. «Sie waren schneller als wir und holten einen Doppelsieg – vielleicht in einer anderen Reihenfolge, als es die Leute für richtig erachteten», so Whitmarsh.
Zurückhaltend gab sich Sebastian Vettel, der beim Start vom ersten auf den dritten Platz und hinter die beiden Ferraris zurückfiel. «Auf jeden Fall ist es besser, als wenn es zwischen zwei Teamkollegen zu einer Kollision kommt», meinte der Red-Bull-Fahrer kleinlaut. Beim offenen Duell zwischen ihm und Teamkollege Mark Webber hatte es beim GP der Türkei gekracht. McLaren erbte den Doppelsieg. Die deutsche Boulevard-Zeitung «Bild», in früheren Jahren Schumachers erste Fürsprecherin, schrieb dazu: «Lieber die Hornochsen von Red Bull, die sich vor Ehrgeiz gegenseitig bekämpfen, als solche Schummel-Siege von Ferrari.» (DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 26.07.2010, 14:45 Uhr
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17 Kommentare
dass sich schummel-schumi nicht an der stallorder von ferrari stört ist ja wohl allen klar. er hat selbst davon profitiert. auch die sonstigen mätzchen die sich ferrari, dank besten beziehungen zu FIA, leisten konnte haben ihm so manches mal geholfen einem anderen punkte abzunagen. ich möchte nur mal seine reaktion hören wenn es ihn dann selbst betrifft! Antworten
Finde die Erklärungen von Schumacher absolut plausiebel.Alle anderen Teams machen auch solche Ab- sprachen;die Einen klar erkennbar; die Anderen halt sehr versteckt.Massa hatte einfach zuwenige Punkte bis jetzt erreicht.Wirklichen Mut hätte er nur mit standhafter Siegfahrt zeigen können! Antworten

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