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Experten-Streit um Vettel

Von Thomas Niggl. Aktualisiert am 03.09.2010

Crash-Pilot, Trottel oder verantwortungsloses Kind? Nach dem Unfall mit Jenson Button in Spa musste Sebastian Vettel viel Häme über sich ergehen lassen. Viele bringen für den ungestümen 23-Jährigen aber auch Verständnis auf.

Meinungsaustausch: Michael Schumacher (l.) hat viel Verständnis für seinen jungen Kollegen Sebastian Vettel.

Meinungsaustausch: Michael Schumacher (l.) hat viel Verständnis für seinen jungen Kollegen Sebastian Vettel.
Bild: Keystone

«Abhaken, nach vorne schauen und weiterarbeiten», sagt Rekordweltmeister (7 Titel) Michael Schumacher. «Das schlimmste ist, wenn sogenannte Fachleute – und dazu darf ich mich zählen – anfangen Tipps zu verteilen. Er weiss genau, was passiert ist und was er anders machen würde», erklärte Schumacher. Das Jahr sei noch lang und Vettel lernfähig.

Ähnlicher Meinung sind auch die ehemaligen Formel-1-Piloten Marc Surer und Christian Danner, die den erst 23 Jahre alten Vettel auch nach dem erneuten Fehler vier Wochen nach der Safety-Car-Panne in Budapest in Schutz nehmen. «Es ist nicht so, dass er zu viel will. Er war einfach zu ungeduldig», sagt RTL-Fachmann Danner. «Es war klar, dass er Button irgendwann kriegt, denn der war angeschlagen. Da muss man einfach geduldig sein. Das ist blöd, aber ist halt so», fährt er fort.

Marc Surer nimmt Vettel in Schutz

Danners Sky-Kollege Marc Surer bricht eine Lanze für Vettel. «Er wollte überholen, er war dran, und es ging schief. Da kann man ihm keinen Vorwurf machen», urteilt der Schweizer. Hinterherfahren sei nicht Vettels Taktik. «Und genau das gefällt mir», so Surer. Dass das Manöver schiefgegangen sei, sei schade. «Wenn er nicht angreifen würde, wäre das andererseits auch schade», räumt er ein.

Für Rennexperte Hans-Joachim Stuck ist Vettel offenbar noch nicht reif für den Titel. Zudem zeige sein Teamkollege Mark Webber eine nicht erwartete Topleistung mit einer ganz geringen Fehlerquote.

McLaren-Teamchef Martin Whitmarsh hat sich über Vettel geärgert. «Sebastian ist ein schneller Fahrer, aber er macht es sich allmählich zur Gewohnheit, andere aufzuspiessen», so Buttons Chef. Vettel sei ein netter Kerl, aber noch auf der Lernkurve. «Er entwickelt sich noch, und wenn du um den Titel fährst, dann darfst du das nicht machen – das schadet dir und allen anderen», sagt Whitmarsh.

Lauda spricht von übertriebener Risikobereitschaft

Niki Lauda macht sich Sorgen um Supertalent Vettel. Der Österreicher meldet in der «Bild» in einem offenen Brief an Vettel seine Bedenken an. «Mit deiner übertriebenen Risikobereitschaft machst du dir selbst die WM kaputt», schreibt er. Mit der Brechstange werde keiner Weltmeister, ist der dreifache Champion sicher. Vettel habe den gleichen Fehler nun schon zum zweiten Mal gemacht. «Noch ein Fehler wie in Spa, dann ist die WM für dich endgültig gelaufen», warnt Lauda. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 03.09.2010, 16:54 Uhr

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