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«Das ist ja Betrug am Zuschauer»

Von Alexander Kühn. Aktualisiert am 26.07.2010

Felipe Massa musste seinen Teamkollegen Fernando Alonso in Hockenheim kampflos überholen lassen. Ferrari beschönigt die illegale Stallorder als normales strategisches Manöver. Experten aus aller Welt sind empört.

Alonso begiesst seinen Sieg, die Diskussionen kümmern ihn nicht.

Alonso begiesst seinen Sieg, die Diskussionen kümmern ihn nicht.
Bild: Reuters

Die skandalöse Szene

Der bis dahin führende Felipe Massa liess seinen Ferrari-Teamkollegen Fernando Alonso in der 49. Runde kampflos passieren. Zuvor hatte ihm sein Renningenieur Rob Smedley mitgeteilt, er sei langsamer als Alonso. Smedleys an Massa gerichtete Frage «Kannst du das bestätigen?» legte die Rennleitung als klare Stallorder aus. Sie verhängte 100'000 Dollar Busse gegen Ferrari. Über weitere Konsequenzen entscheidet der FIA-Weltrat.

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«Wir können es uns nicht leisten, einen teaminternen Krieg zu führen und uns gegenseitig in die Autos zu fahren», spottete Sieger Fernando Alonso in Richtung Sebastian Vettel und Red Bull. Einen absichtlichen Betrug wies er weit von sich. «Ich habe noch nie im Leben jemanden solchen Scheiss reden gehört. Der hat ja keinen Charakter, dieser Alonso», konterte Ex-Weltmeister Niki Lauda den Kommentar des Spaniers.

Der frühere Formel-1-Teamchef Eddie Jordan sprach am BBC-Mikrofon von Raub. «Sie haben uns die Chance auf ein Rad-an-Rad-Duell zwischen Felipe Massa und Fernando Alonso gestohlen. Ferrari sollte sich schämen! Es war ganz klar eine Stallorder. Ich halte das für Betrug. Beide Autos sollten disqualifiziert werden», so der Brite.

Sauber gegen Verbot der Stallorder

«Daran, wie es Massa gemacht hat, kann man eindeutig ablesen: Er wollte das nicht, er musste es machen», sagte der ehemalige Schweizer GP-Pilot Marc Surer, der als Experte für den TV-Sender Sky arbeitet. «Das ist ja Betrug am Zuschauer. So wird unser Sport in den Schmutz gezogen». Surer vermutet, dass Massas-Renningenieur Rob Smedley den Stallorder-Entscheid nur widerwillig an seinen Schützling durchgab und ihn wohl auch deshalb so offensichtlich formulierte. «Ein Renningenieur ist verbrüdert mit dem Fahrer», betont Surer.

«Es ist offensichtlich, dass Rob Smedley nicht derjenige sein wollte, der die Nachricht überbringt, und ich finde es ziemlich unfair vom Teammanagement, ihn darum zu bitten», pflichtete David Coulthard Surer bei. Der Vizeweltmeister von 2001 findet das Verbot der Teamorder jedoch unsinnig. Es sei an der Zeit, diesen Regelpassus zu überarbeiten. Peter Sauber ist ebenfalls kein Freund des Stallorderverbots. Das Team solle doch jenen Fahrer fördern dürfen, der in der WM-Wertung die besten Chancen besitzt. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 25.07.2010, 20:03 Uhr

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