Ein abruptes Ende

Nach neun Saisons in Bern ist Schluss: Martin Plüss wird den SCB verlassen. Der Club und sein Captain konnten sich nicht auf eine Vertragsverlängerung einigen.

Vor zehn Monaten: Martin Plüss stemmt den Berner Meisterpokal.

Vor zehn Monaten: Martin Plüss stemmt den Berner Meisterpokal. Bild: Keystone/Keystone

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Martin Plüss und der SCB gehen getrennte Wege. «Die Gespräche über eine Vertragsverlängerung haben zu keiner Einigung geführt», liess der Club am Donnerstagnachmittag verlauten, über die Gründe würden keine Auskünfte erteilt. «Ich bedauere seinen Abgang», sagte Sportchef Chatelain immerhin. Dass Plüss ein hartnäckiger Verhandlungspartner war, ist bekannt. Er verfügt über keinen Agenten und vertritt seine Interessen selber – das ist ziemlich einzigartig heutzutage. Bekannt ist auch, dass Plüss nach seiner Leistung beurteilt werden will, und nicht nach seinem Alter oder seinen Perspektiven.

Im April wird er 40 Jahre alt, dass er noch immer zu den fittesten Spielern der Mannschaft gehört, beweisen jeweils die Fitnesstests im Sommer, bei denen er noch immer zu den besten gehört. Plüss ist nach wie vor einer der komplettesten Schweizer Center, verkörpert beim SCB seit Jahren eine tragende Rolle und ist aktuell der viertbeste Skorer im Team. Der Stürmer hatte also gute Argumente, entsprechend werden auch seine finanziellen Forderungen gewesen sein. Zudem dürfte er sich nicht mit einem Einjahresvertrag begnügt haben.

Eine neue Konstellation

Die Verhandlungen gestalteten sich als zäh. Chatelain zeigte sich dennoch lange optimistisch, obwohl sich bereits vor zwei Monaten abzeichnete, dass eine Einigung schwierig wird. Dass es am Ende tatsächlich nicht zu einer Übereinkunft kam, liegt an der neuen Konstellation: Der SCB hat für die kommende Spielzeit mit Arcobello, Ebbett und der Neuverpflichtung Gaëtan Haas bereits drei starke Center unter Vertrag. Haas gilt auf dieser Position als Zukunftshoffnung und Nachfolger von Plüss. Damit der Bieler in diese Rolle hineinwachsen kann, muss er wichtige Aufgaben übernehmen können.

Haas oder Plüss in den hinteren Linien? Das hätte nicht funktioniert. «Wir haben für die nächste Saison bereits drei sehr gute Center», sagt Chatelain. Der Sportchef hat Plüss also nicht unbedingt gebraucht, oder anders formuliert: Plüss ist zu gut für die Rolle, die ihm angedacht gewesen wäre: Der ehrgeizige Leitwolf ist noch kein Eishockeyrentner, der sich mit weniger Eiszeit und Verantwortung begnügt und eine Linie mit jungen Spielern führen will. Er sieht sich nicht als neuen Reichert, der in dieser Rolle in seinen letzten Jahren glücklich war.

Plüss hatte 2008 von Frölunda zum SCB gewechselt und mit ihm drei Meisterschaften und einmal den Cup gewonnen. In 516 Meisterschaftsspielen für die Berner erzielte er 397 Skorerpunkte (189 Tore/208 Assists). Während sieben Saisons trug er die Captainbinde, er war die prägendste Figur im SCB der letzten Jahre. Trotzdem wird sein Trikot nicht unter das Hallendach gezogen werden: Dafür müsste er eine zehnte Saison absolvieren.

Wie weiter mit Plüss?

Mit Plüss’ Abgang geht eine Ära zu Ende. Wie geht es weiter mit ihm? Dass er aufhört, scheint unwahrscheinlich. Bei seinem Ex-Club Kloten und beim ZSC ist er kein Thema. Freiburg und Lausanne dürften sich um seine Dienste bemühen, Lugano ist ebenfalls denkbar. Auch für Langnau ist er interessant, wobei ein Engagement bei den Emmentalern an deren Perspektiven sowie den finanziellen Möglichkeiten scheitern dürfte. Einen Kontakt gab es noch nicht, für einen Center hat es im Kader der Tigers aber durchaus noch Platz. Kehrt Plüss möglicherweise gar nach Schweden zurück, wo er schon von 2004 bis 2008, vor seinem Engagement beim SCB, gespielt hatte?

Sicher ist nur: Der Mann ist noch immer für Überraschungen gut. Und er wird beim SCB eine grosse Lücke hinterlassen. (Der Bund)

Erstellt: 16.02.2017, 21:40 Uhr

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