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Vermeidbare Niederlage im schmucklosen Eisstadion
Von Dieter Stamm. Aktualisiert am 20.10.2012 1 Kommentar
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Am Schluss war es das grosse Jubilieren der Bieler, die den schönsten Sieg feierten, den man im Seeland kennt: jenen gegen den grossen Rivalen aus Bern. Biel-Trainer Kevin Schläpfer lobte die Qualität des Gegners, was die eigene Leistung noch erhöht, und sein Berner Pendant Antti Törmänen lief mit seinem Laptop in Richtung Schiedsrichterkabine. Darin gespeichert war jene Szene, die das Spiel zum Kippen gebracht hatte: der Anschlusstreffer der Bieler in vermeintlicher Unterzahl. Die Bilder belegen tatsächlich: Biel hatte einen Spieler zu viel auf dem Eis. Nützen wird der Beweis wohl nichts mehr, und er darf auch nicht als Ausrede gelten.
Die Berner hatten sich die Niederlage selbst zuzuschreiben, Mark Streit fand als einer der wenigen die richtigen, selbstkritischen Worte: «Wir haben dieses Spiel leichtfertig vergeben, so etwas darf einer Equipe wie uns nicht passieren.»
Freundliche Ouvertüre
Dabei war die Ouvertüre des Abends freundlich. Sébastien Bordeleau und Martin Steinegger, die eine gemeinsame Vergangenheit sowohl beim SC Bern als auch beim EHC Biel haben, waren die Protagonisten. Bordeleau liess aus dem fernen Montreal ein Bild anfertigen, das Steinegger in Berner und Bieler Montur zeigt, und das gestern Abend überreicht wurde. Als der scheue Steinegger von der geplanten Aktion erfuhr, wollte er nach La Chaux-de-Fonds flüchten und sich das dortige NLB-Spiel gegen Langenthal anschauen. Man konnte ihn überreden, und die kleine Ehrung vollzogen Biel-Capain Mathieu Tschantré und Berns Topskorer Ivo Rüthemann einmütig. Es hätte dann auch seine Partie werden können. Rüthemann war lange Zeit eine der auffälligen Figuren, und nichts wies bis weit ins Mitteldrittel darauf hin, dass diese Partie noch einmal spannend werden könnte. Streit ging vergessen und schoss – hervorragend bedient von John Tavares – abgeklärt den Führungstreffer.
Bern imponierte mit schnellem Spiel und zeigte, warum es statistisch das beste Powerplay der Liga ist: Die Scheibe zirkulierte wie am Schnürchen an den Kellen der Cracks Tavares, Streit, Josi, Ritchie, Gardner, Plüss und eben Rüthemann, der eine der vielen Chancen zum vermeintlich vorentscheidenden 0:2 verwertete. Es war sein 300. NLA-Tor, das 250. für den SCB.
Vom Anschlusstreffer an war es dann ein gutes Derby mit Rasse, Tempo und Stimmung, weil auch Biel in die Partie fand und weil das Publikum erwachte. Und es passierte, was keiner für möglich hielt: Dem SC Bern unterliefen Fehler, und er geriet aus dem Tritt. Ryan Gardner kassierte zum zweiten Mal eine Strafe wegen zu hohem Stock, Philippe Furrer eine weitere wegen Spielverzögerung, womit die Berner in doppelter Unterzahl waren und Biels NHL-Star Tyler Seguin den Match fast im Alleingang drehte: Zum Ausgleich bediente er Jacob Micflikier millimetergenau, den Führungstreffer schoss er selber.
Einer musste nicht leiden
Danach hatten die Berner mitunter ihre Emotionen nicht mehr im Griff (Furrers Check gegen den Kopf von Wieser), es war ein so verzweifeltes wie erfolgloses Anrennen, ein Hin und Her mit Chancen auf beiden Seiten. Tavares traf den Pfosten, Berra brillierte gegen Ritchie, Tavares vergab ein zweites Mal. Nur einer musste nicht mitleiden: CEO Marc Lüthi ehelichte gestern seine Freundin Barbara Trachsel und hatte zum Glück Schöneres zu tun, als sich im schmucklosen Eisstadion zu Biel eine vermeidbare 2:3-Niederlage anzusehen.
(Der Bund)
Erstellt: 19.10.2012, 23:27 Uhr
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