Sport
Zuversicht vor dem ersten Meisterpuck
Von Emil Bischofberger. Aktualisiert am 12.04.2012
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Es ist ein Training wie Dutzende andere auch in dieser Saison. Passspiel auf engstem Raum, Power- und Boxplay und unzählige Abschlüsse. Es ist ein Training wie viele andere, und doch ist etwas anders. Die Intensität ist da, aber zugleich doch nicht so richtig. Etwas ist in der Luft, das Etwas ist die Möglichkeit, Meister zu werden.
Es geht am Tag vor dem fünften Finalspiel beim SCB darum, die Spannung und zugleich die Balance zur Lockerheit zu erhalten. «Das Spiel als solches ist in diesen Momenten nicht das Problem», sagt Sportchef Sven Leuenberger, der als Aktiver mehrfach diese Situation erlebt hat. «Es sind die Einflüsse von aussen. Die Familie, die Frau, die Frage, ob die Kinder anderswo untergebracht werden müssen, die Artikel in den Zeitungen. Die Grossmutter ruft an und wünscht Glück, genauso wie die Kassiererin im Coop oder der Migros», sagt er.
Läuft die Partie erst einmal, sei der Fokus tatsächlich nur auf die nächste Aktion gerichtet. Schwieriger sind die Momente, bevor es losgeht. Leuenberger erinnert sich, wie er einst bemerkte, dass praktisch unter jedem Sitzplatz eine Champagnerflasche bereit stand für den Siegesfall. Solche Beobachtungen können einen Spieler aus dem Trott bringen.
Um gar nicht erst auf solche Gedanken gebracht zu werden, schreiten die Routiniers Rüthemann und Bührer vor allen anderen vom Eis, der Blick vorwärts gerichtet, schnurstracks Richtung Kabine.
Das mahnende Beispiel 2010
Es ist nun der Moment, in dem sich jeder Spieler in Allgemeinplätze flüchtet. «Wir wollen es gar nicht verdrängen, dass wir Meister werden können», sagt Verteidiger Philippe Furrer. «Zugleich wissen wir, dass wir mit den drei Siegen noch nichts gewonnen haben.» Auch beim letzten Titel vor zwei Jahren, den das Gros des Teams schon miterlebt hat, führte der SCB 3:1 in der Serie gegen Servette, vergab dann aber die ersten zwei Titelchancen und siegte erst in der Finalissima. «Damals haben wir uns nach dem 3:1 etwas gehen lassen. Darüber haben wir gesprochen, das soll nicht mehr passieren», sagt Center Etienne Froidevaux, der heute sein letztes Spiel für den SCB bestreiten könnte – er wechselt im Sommer nach Langnau. «Mein Ziel war immer, mich mit einem Sieg aus Bern zu verabschieden, nun schaut es danach aus», sagt er optimistisch.
Dieselben Signale sendet Trainer Antti Törmänen aus. Vom allenfalls grössten Sieg seiner Karriere will er nichts wissen, sagt: «Jeder Sieg ist gross. Auch als ich als Piccolo den Titel holte.»
Während andere Plattitüden absondern, versucht er sich in Küchentisch-Philosophie. «Ich sagte heute den Jungs: Jede Geschichte hat ein Ende. Lasst uns unsere besser mit dem nächsten Spiel beenden.» Die Stimmung in der Mannschaft beschreibt er, der sich sonst ausschliesslich englisch äussert, auf Deutsch mit: «Ernst, aber locker.»
Dumonts Schultertest
Letzteres wirkt besonders der Bärtige, der als Letzter vom Eis geht. Jean-Pierre Dumont hat in dieser Stunde Eistraining wohl öfter aufs Tor geschossen als jeder andere. Es ist sein persönlicher Wettkampf vor dem grossen Wettkampf, verbunden mit der Frage: Hält die Schulter, an der er sich vor einer Woche verletzt hat? Alles deutet darauf hin. Er wird heute wieder die erste Formation mit Byron Ritchie und Pascal Berger ergänzen.
«Alle sind fit und bereit», sagt auch Törmänen, lächelt und verschwindet in der Kabine.
(Der Bund)
Erstellt: 12.04.2012, 07:20 Uhr
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