Sport

Wenn zwei alles tun würden

Von Dieter Stamm. Aktualisiert am 14.04.2012

Byron Ritchie und Jean-Pierre Dumont haben erfolgreiche Karrieren hinter sich. Was beiden fehlt, ist ein Titel. Am Samstagabend bietet sich mit dem SC Bern eine neue Chance.

So etwas wie sportliche Zwillinge auf einer gemeinsamen Mission: Byron Ritchie (im Vordergrund) und Jean-Pierre Dumont sind hungrig auf den Titelgewinn.

So etwas wie sportliche Zwillinge auf einer gemeinsamen Mission: Byron Ritchie (im Vordergrund) und Jean-Pierre Dumont sind hungrig auf den Titelgewinn.
Bild: Keystone

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Heute Samstag 20.15 Uhr; evtl. Dienstag, 17. April.

Er hätte sich wohl am liebsten unter einer Spielerbank verkrochen: Jean-Pierre Dumont, Kanadier, bester Playoff-Skorer und Vorzeigesportler wie so viele aus seiner Heimat. Auf wundersame Weise stand er am Donnerstag nach der Schulterverletzung wieder zur Verfügung. Er war so etwas wie die personalisierte Hoffnung, dass der SC Bern den Pokal gleich in der Stadt würde behalten können. Dann kam diese 69. Minute, sein Fehlpass in der Mittelzone, völlig unnötig, niemand wusste das besser als er. Und fünf Sekunden nach dem Malheur die gespenstische Ruhe in der roten Wand, die zuvor so laut, so enthusiastisch gewesen war.

Eine «harte, kurze Nacht» habe er gehabt, sagte er gestern nach dem Training. Aber Kanadier können nicht nur austeilen, sie können auch einstecken. Kein Blick zurück, bitte, «wir müssen jetzt unbedingt den Fokus behalten, nicht zaudern und hadern», sagte der 34-Jährige aus Montreal, als wollte er damit die bösen Geister verscheuchen, die sich in jene Mannschaft zu schleichen pflegen, die das letzte Spiel verloren hat. «Denn die Zürcher sind jetzt ganz gefährlich.»

Schweres Erbe

«Er ist ein grossartiger Spieler mit einem fantastischen Auge für seine Mitspieler», sagt Sturmpartner Byron Ritchie über Dumont. Auch Ritchie ist Kanadier, auch er ist schon im reifen Sportleralter (ein Jahr älter als Dumont, aber noch nicht ergraut), und vor allem weiss keiner besser, warum Dumont für sein «fantastisches Auge» gerühmt werden sollte. Ritchie war als Ersatz für die kreativen Stürmer Simon Gamache und Christian Dubé nach Bern geholt worden. Er trat ein schweres Erbe an.

Der Start in die Saison war für Ritchie denn auch alles andere als einfach. Läuferisch und technisch mit überdurchschnittlichen Fähigkeiten ausgestattet, ein «little big man», weil er unter 1,80m gross ist und ein grosses Kämpferherz besitzt, braucht er einen gleichwertigen Partner, um auf Touren zu kommen. Er probierte es neben Ivo Rüthemann, neben Joël Vermin, neben Thomas Déruns, meist zusammen mit dem jungen Pascal Berger, der an seiner Seite wuchs. Aber er selbst spielte unter seinen Möglichkeiten.

Er blieb, auch wenn er regelmässig ins Tor traf, auf eine sonderbare Weise blass, fiel vor allem durch seine Härte gegenüber sich selber auf: Im Oktober spielte er zum Entsetzen von Teamarzt Martin Schär vier Spiele lang mit einer Hirnerschütterung, weil er niemandem etwas von seinen Kopfschmerzen sagte, sondern dachte, das gehe dann wieder vorbei.

In dieser Verfassung konnte Ritchie auch die Entlassung von Larry Huras nicht verhindern. Dumont traf erst eine Woche später ein. Aber er kam gerade noch rechtzeitig, um aus Ritchie jenen Spieler zu machen, den man in Bern sehen wollte. Es ging nicht lange, und Ritchie blühte auf, wurde Topskorer und hat sich nun auch im Playoff bereits 14 Punkte gutschreiben lassen. «Wir gehen zwar nicht jeden Abend zusammen aus», sagt Ritchie, «aber wir verstehen uns auch neben dem Eis glänzend. Er ist ein guter Typ.»

Einmal nahe dran

Gemeinsam haben sie jetzt eine Mission, denn beide haben bei den Profis noch nie einen Titel gewonnen. Dumont war im Jahr 2000 mit den Rochester Americans einmal nahe dran gewesen. Er verlor den Final um den Calder Cup (AHL) knapp gegen die Hartford Wolfpack. Und Ritchie stand mit den Calgary Flames im Viertelfinale des Stanley-Cups (NHL). Deshalb würden die beiden «alles tun», um mit dem SCB in diesem Jahr Meister zu werden. «Das macht für mich das Finale schon noch ein wenig spezieller», sagt Dumont, «ich darf nur nicht immer daran denken.»

Sollte es nicht klappen, gibt es für Ritchie im nächsten Jahr eine zweite Chance mit dem SC Bern. Er wohnt mit seiner Familie in Zollikofen und besitzt einen weiterlaufenden Vertrag. Dumont, der bereits elf Saisons in der NHL gespielt hat (u. a. fünf Jahre bei den Nashville Predators), will erst im Sommer über seine Zukunft entscheiden. Sollte eine Rückkehr in die Staaten nicht zustande kommen, stehen die Chancen aber gut, dass seine grosse Familie (vier Kinder), die in der Heimat geblieben ist, die nächste Weihnacht erneut in Bern verbringen wird.

(Der Bund)

Erstellt: 14.04.2012, 11:14 Uhr

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