Sport

Von Überfiguren und Hemmungen

Von Dieter Stamm. Aktualisiert am 19.10.2012

Die Anwesenheit von Lockout-Spielern ist Segen und Fluch zugleich. Und man fragt sich bereits, wer die Punkte sammelt, wenn sie dereinst gegangen sind.

1/4 SCB-Trainer Antti Tormänen beschäftigt sich nicht damit, wie lange der Lockout in der NHL noch dauern könnte.
Bild: Keystone

   

Eishockey ist dieser Tage ein unwägbares Geschäft. NHL-Star John Tavares will heute bei seinem Freund Mark Streit ausziehen und in Zollikofen seine «nette und zweckmässige» Wohnung beziehen, auch wenn es sich möglicherweise kaum lohnt, eine einzige Tasche auszupacken. Aber er könne jetzt nicht einfach nichts mehr tun und warten, bis etwas geschieht, sagt er. «Solange nichts anderes entschieden ist, gehe ich davon aus, dass ich in Bern bleibe.»

Jeden Einsatz der NHL-Spieler geniessen

Auch für das Umfeld ist die Ungewissheit über die unmittelbare Zukunft der Lockout-Spieler mitunter schwierig. Ob Spieler wie Tavares, Streit oder Josi zum Einsatz gelangen oder nicht, macht sehr wohl einen Unterschied, auch wenn das System unabhängig von den Namen funktionieren müsse, wie SCB-Trainer Antti Törmänen sagt.

Der Finne ist ein ausgewiesener Pragmatiker und zerbricht sich als solcher nicht den Kopf über Dinge, die er nicht beeinflussen kann. Deshalb sagt er Sätze wie: «Ich kann ja auch nie im Voraus wissen, wenn sich einer verletzt. Also brauche ich auch nicht im Voraus zu wissen, wann dieser Lockout zu Ende geht.» Oder: «Wir sollten uns alle weniger fragen, wann die NHL-Spieler gehen, als vielmehr jeden Einsatz geniessen, den wir von ihnen zu sehen bekommen.»

21 Spiele, 18 Punkte

Aber natürlich ist Törmänen klar, was diese Spieler in kürzester Zeit geleistet haben. Er kennt die Statistiken, die zwar nicht alles sagen, aber auch nicht lügen. 21 Spiele haben Streit (9 Spiele/7 Punkte), Josi (7/4) und Tavares (5/7) zusammen für den SC Bern absolviert, nicht weniger als 18 Punkte haben sie dabei erzielt. Er weiss selbstredend, wie wertvoll nicht nur ihre Präsenz ist, um das Publikum zu entzücken, sondern wie wichtig vor allem auch diese Punkte waren, um aus dem sportlichen Zwischentief zu gelangen und jene kritischen Stimmen zum Verstummen zu bringen, die es bereits gegeben hatte.

Er mache sich keine Sorgen, dass diese Punkte nicht andere produzieren werden, sollten die drei schon bald nach Übersee zurückfliegen, beschwört er. «Wir haben genügend Stürmer, die mit ihrer Ausbeute nicht zufrieden sein können.»

Die Anwesenheit von Überfiguren kann hemmend wirken

Namen braucht Törmänen gar keine zu nennen. Byron Ritchie und Ryan Gardner, die bereits in der letzten Saison von Beginn weg eifrig Punkte sammelten, meint er ebenso wenig wie Martin Plüss und Ivo Rüthemann, die im Gegensatz zum letzten Jahr bislang eine zufriedenstellende Ausbeute vorweisen können und sich dank ihrer Routine vom Rummel um die Stars nicht aus der Konzentration bringen lassen. Anders Thomas Déruns (1 Skorerpunkt), Caryl Neuenschwander (3), Pascal Berger (5) und Nicklas Danielsson (5) sowie die Jungen Christoph Bertschy (0), Jöel Vermin (0) und Tristan Scherwey (4), die blockiert wirken.

Zwar betonen sie alle, wie sehr sie Training und Spiel an der Seite der grossen Stars schätzen würden und wie viel man von ihnen lernen könne. Allerdings bedarf es keiner speziellen psychologischen Kenntnisse, um auch die Kehrseite erkennen zu können: Die Anwesenheit von Überfiguren kann hemmend sein, insbesondere bei jungen Sportlern, die dazu neigen, zu Vorbildern hochzuschauen. Die Vorstellung Bertschys am letzten Samstag gegen die SCL Tigers ist ein Beispiel dafür. Der sonst so kecke Newcomer traute sich an der Seite von Tavares kaum etwas zu und schien sich permanent vor Fehlern zu fürchten.

Das Beispiel Andersons

Wie wichtig die Abwesenheit von Idolen für die Entfaltung des eigenen Potenzials sein kann, zeigte sich diese Woche. Weil Spieler wie Tavares, Streit und Ritchie schonungshalber zu Hause gelassen wurden, durfte der 19-jährige Toms Andersons mit nach Pardubice reisen, kam dort zum Einsatz und wusste mit «sehr erfrischendem Spiel» prompt zu gefallen, wie Trainer Törmänen lobte.

Andersons, ein hervorragender Läufer, der auch über eine gute Puckbehandlung und einen ausgeprägten Torinstinkt verfügt, hat bei den Elite-Junioren auf sich aufmerksam gemacht. Aber für einen Einsatz in der Meisterschaft wird es wohl kaum reichen, solange der Lockout anhält. Andersons wird die Partie heute in Biel (19.45 Uhr) als Zuschauer erleben, so wie auch die Verletzten Travis Roche (Oberschenkelzerrung) und Flurin Randegger (Oberkörper). (Der Bund)

Erstellt: 19.10.2012, 07:42 Uhr

0

Kommentar schreiben

Verbleibende Anzahl Zeichen:

No connection to facebook possible. Please try again. There was a problem while transmitting your comment. Please try again.
Noch keine Kommentare

Programm & Resultate

Super League
EndeThun - St.Gallen3:0
Stand: 17.05.2013 22:17
Internazionali BNL d'Italia
17.05EndeErrani - Scharapowa
17.05EndeDjokovic - Berdych6:2 5:7 4:6
17.05EndeFerrer - Nadal4:6 6:4 2:6
17.05EndeJanowicz - Federer4:6 6:7
Stand: 18.05.2013 00:06
Keine Daten vorhanden
NHL Playoffs
EndeBoston Bruins - New York Rangers3:2
EndeLos Angeles Kings - San Jose Sharks4:3
Stand: 17.05.2013 06:49
Super League
EndeFC Zürich - Luzern4:1
EndeServette - Young Boys0:1
Bundesliga
EndeEintracht Frankfurt - VfL Wolfsburg2:2
EndeVfB Stuttgart - Mainz 052:2
Mehr...
Stand: 18.05.2013 21:36
Internazionali BNL d'Italia
18.05EndeBerdych - Nadal2:6 4:6
18.05EndePaire - Federer6:7 4:6
Stand: 18.05.2013 21:38
Keine Daten vorhanden
NHL Playoffs
EndePittsburgh Penguins - Ottawa Senators4:3
EndeChicago Blackhawks - Detroit Red Wings1:4
WM Halbfinale
EndeFinnland - Schweden0:3
EndeSchweiz - USA3:0
Stand: 18.05.2013 21:21
Keine Daten vorhanden
Internazionali BNL d'Italia
19.0516:00Nadal - Federer
Stand: 18.05.2013 21:38
Keine Daten vorhanden
NHL Playoffs
03:00San Jose Sharks - Los Angeles Kings
21:00Boston Bruins - New York Rangers
WM Spiel um Bronze
16:00Finnland - USA
WM Finale
20:30Schweiz - Schweden
Stand: 10.09.2012 08:07

Sport

Populär auf Facebook Privatsphäre

Umfrage

Wie sehen Sie Roger Federers nähere Zukunft?