Sport

Trillerpfeife und Liebe

Von Emil Bischofberger. Aktualisiert am 30.03.2012

Die Entwicklung der ZSC Lions ist eindrücklich. Während es in der Qualifikation noch harzte, zog die Mannschaft auf direktem Weg ins Playoff-Final. Worauf muss sich der SC Bern gefasst machen?

Streng aber gut gelaunt: ZSC-trainer Bob Hartley.
Bild: Keystone

Was als Erstes auffällt im Training der ZSC Lions: die Pfiffe aus der Trillerpfeife. Alle paar Sekunden ertönen sie. Einmal ist es Assistenztrainer Jacques Cloutier, dann wieder Bob Hartley, der das Zeichen für den nächsten Einsatz, die nächste Ablösung gibt.

Auch wenn der Frankokanadier nach dem Training erzählt: «Ich sagte schon im Sommer, bevor die Saison losging, dass ich diese Mannschaft liebe. Können Sie sich vorstellen, wie das jetzt erst ist?» Es ist nicht die Art von Liebe, die man meinen würde. Es ist wohl eher ein «Es-gut-Meinen» mit den Spielern. Denn die Trillerpfeife, sie spricht nicht die Sprache der Liebe, sondern kennt nur den Befehlston. Hartley trillert zwar regelmässig, hält sich aber sonst im Hintergrund.

In der Vorbereitung und auch noch während der Qualifikation, das ist überliefert, war das noch anders. Da unterbrach er oft, korrigierte jedes kleine Detail. Oder schickte Einzelne vom Training nach Hause, weil sie die Übungen nicht zur vollen Zufriedenheit ausgeführt hatten.

8 Spiele, 9 Gegentore

Alles vergessen. An diesem Mittwoch wird in einer erstaunlichen Intensität trainiert, keiner kürzt ab. Nach vielen Spielübungen stehen noch Konditionsdrills an, die die Spieler völlig ausgepumpt zurücklassen. Wer nur den Teil sieht, könnte sich auch in einem Straftraining wähnen. Aber die ZSC Lions haben ihre letzten neun Spiele gewonnen, haben ohne Niederlage die ersten beiden Teams der Qualifikation ausgeschaltet und sind auf direktem Weg in den Playoff-Final eingezogen.

Die starke Defensive (9 Gegentore in den 8 Spielen) um Torhüter Lukas Flüeler, allgemein die Organisation als Team ist der Trumpf der ZSC Lions. Dabei ist es dasselbe Team, das bis kurz vor Schluss stets auch ein wenig Gefahr lief, gar das Playoff zu verpassen. Nach den 50 Qualifikationsrunden standen die Zürcher auf Rang 7. Wirklich überzeugen konnten sie nur in einer Handvoll Spielen, etwa in einigen Derbys gegen Kloten sowie gegen den EV Zug.

«Das möchte ich nicht noch einmal erleben»

Aber sonst? War das Team primär mit sich selber beschäftigt. Auch wenn es Lichtblicke gab. Topskorer Jeff Tambelini ist ein sicherer Wert, auch defensiv verlässig und willig. Luca Cunti entwickelte sich innert einer Saison zum NLA-Center. Genauso wie Reto Schäppi.

Dagegen fiel Zuzug John Gobbi von Servette durch das Raster, Rückkehrer Severin Blindenbacher brauchte lange, bis er endlich wieder seine Form fand. Gleiches galt für die Nationalspieler im Team, Andres Ambühl etwa oder Thibaut Monnet. Ersterer war der grosse Leader im bisherigen Playoff.

Ein anderer ist Patrick Bärtschi. Und ebenfalls ein prägnantes Beispiel für die Auferstehung der ZSC Lions. Im Playoff hat er in den 8 Spielen ebenso viele Tore erzielt. In der Qualifikation waren es 10 in 48 Spielen. Bärtschi ist neben Thomas Ziegler der einzige Spieler mit SCB-Vergangenheit. «Speziell ist die Serie nicht deswegen. Sondern weil es ein Final ist», sagt er, der zum zweiten Mal im Playoff-Final steht. Den ersten verlor er 2007 mit Bern im 7. Spiel in Davos 0:1. «Das möchte ich nicht noch einmal erleben», sagt er.

Scherze und Sprüche von Hartley

Auf die Saison der ZSC Lions hat der Stürmer eine etwas andere Sichtweise. «Viele sagen, wir hätten erst im Playoff den Schalter umgelegt. Dabei spielen wir seit Anfang Jahr so!» Seine acht Tore will er nicht überbewertet haben. «Im Final beginnen wir wieder bei 0:0 – und ich bei null Toren.»

Direkt neben dem Eis, in der von der Sonne durchfluteten Trainingshalle hinter dem Hallenstadion, hält derweil Trainer Hartley Hof. Der Stanley-Cup-Sieger von 2001 spricht gerne und gibt lange Antworten. Er könne allerdings auch anders, vor allem nach Niederlagen, ist zu vernehmen. Die letzte ist aber einen Moment her, entsprechend gut ist die Stimmung.

Einige Sprüche könnten auch von Larry Huras sein. «Der SCB hat die vier besten Linien der Liga», sagt er. «Ich bin der grösste Bern-Fan, habe sogar ein Leibchen zu Hause», scherzt er. Konkretes mag er sich über den SCB nicht entlocken lassen. Dafür ist er zu ausgebufft.Die durchzogene Qualifikation wischt er mit einem Spruch weg: «Es kommt nicht darauf an, wie du startest, sondern wie du aufhörst.» So einfach ist das. Der Sieger kann sagen, was er will – er hat immer recht.

(Der Bund)

Erstellt: 30.03.2012, 07:10 Uhr

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