Sportchef Salis erklärt die ZSC-Krise
Von Florian A. Lehmann. Aktualisiert am 29.11.2011 3 Kommentare
Erfolgsquote Powerplay
Statistik in der NLA (Stand 28. November):
1. EV Zug 23,47 Prozent
2. Lugano 20,39
3. Kloten 19,47
4. Davos 18,89
5. Fribourg 18,81
6. Ambri 18,02
7. Biel 16,84
8. Bern 15,56
9. SCL 15,25
10. Lakers 14,61
11. Servette 14,05
12. ZSC 11,65
(Statistik: Urs Keel)
Artikel zum Thema
NLA
50. Runde
| 25.02. | Bern - Ambri | 1 : 4 |
| 25.02. | Biel - Davos | 1 : 4 |
| 25.02. | Kloten Flyers - Fr. Gotteron | 3 : 2 |
| 25.02. | SCL Tigers - Rapperswil-Jona Lakers | 1 : 3 |
| 25.02. | ZSC Lions - Servette | 3 : 0 |
| 25.02. | Zug - Lugano | 0 : 1 |
Rangliste
| Name | Sp | S | U+ | U- | N | G:E | P | |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | Zug | 50 | 24 | 8 | 10 | 8 | 173:131 | 98 |
| 2. | Davos | 50 | 27 | 7 | 3 | 13 | 155:117 | 98 |
| 3. | Fr. Gotteron | 50 | 26 | 6 | 4 | 14 | 156:120 | 94 |
| 4. | Kloten Flyers | 50 | 27 | 2 | 6 | 15 | 158:117 | 91 |
| 5. | Bern | 50 | 23 | 6 | 6 | 15 | 153:130 | 87 |
| 6. | Lugano | 50 | 21 | 5 | 6 | 18 | 152:150 | 79 |
| 7. | ZSC Lions | 50 | 19 | 8 | 4 | 19 | 136:129 | 77 |
| 8. | Biel | 50 | 19 | 4 | 3 | 24 | 114:128 | 68 |
| 9. | Servette | 50 | 16 | 5 | 9 | 20 | 117:126 | 67 |
| 10. | SCL Tigers | 50 | 13 | 5 | 3 | 29 | 124:166 | 52 |
| 11. | Ambri | 50 | 10 | 6 | 7 | 27 | 102:153 | 49 |
| 12. | Rapperswil-Jona Lakers | 50 | 12 | 1 | 2 | 35 | 99:172 | 40 |
Korrektur-Hinweis
Melden Sie uns sachliche oder formale Fehler.
Es gibt Momente im Leben eines Sportklubs, in denen der Vergleich mit der Vergangenheit vieles über das aktuelle Leistungsvermögen aussagt. Im Falle der Lions muss man festhalten: Sie haben weniger Punkte gesammelt als vor einem Jahr zum gleichen Zeitpunkt. Während in diesem Jahr aus 28 Partien ganze 38 Punkte (Torverhältnis 70:77) erzielt wurden (Rang 7), waren es 2010 immerhin 43 Punkte (Torverhältnis 77:78) aus 27 Spielen (Rang 5). Damals hatte der ZSC mit dem Trainerwechsel von Colin Muller zu Bengt-Ake Gustafsson bereits die ersten personellen Turbulenzen durchlebt.
Die enttäuschende Punkte- und Goalausbeute wird mit einer anderen, geradezu miserablen Statistik untermauert. Die Löwen weisen das mit Abstand schlechteste Powerplay der NLA aus. Sportchef Edgar Salis, im alten Hallenstadion der Publikumsliebling, weiss als ehemaliger Verteidiger, wie wichtig die Erfolgsquote im Überzahlspiel ist. «Das Powerplay gibt den Seelenzustand einer Mannschaft wider», sagt der Bündner. Seine Erklärung ist vielsagend für die aktuelle sportliche Not beim ZSC.
Ein prominentes Kader
Salis gibt unumwunden zu, dass er mit dem sportlichen Ertrag «nicht zufrieden sein kann». Schliesslich hat man im Hinblick auf den neuen Winter nochmals kräftig in das Personal sowie in den Trainerstab investiert. Dass trotz prominenten Spielern und einem neuen Headcoach mit der Referenz eines Stanley-Cup-Triumphes die Mannschaft in den Strichkampf involviert ist, hätten nicht einmal die grössten Pessimisten erwartet.
Der ehemalige Internationale will die aktuelle Lage nicht schönreden, er verursacht sie zu erklären. «Wir schiessen ganz einfach zu wenig Tore. Darum funktioniert auch das Powerplay nicht. Wenn ein Team mit einem Mann mehr auf dem Eis nicht trifft, so ist das frustrierend – für die ganze Mannschaft. Und das nagt am Selbstvertrauen.» Salis hofft, dass dieser Bann endlich gebrochen wird, dass die Leichtigkeit die Verkrampftheit bei den Auftritten des ZSC ablösen wird. «Es würde uns guttun, wenn wir mal wieder fünf Tore schiessen könnten.» Das Prinzip Hoffnung bleibt auch im modernen Eishockey ein fester Bestandteil des Alltags.
«Der Coach ist kein Thema»
Die technische Etage in der ZLE Betriebs AG will sich aber nicht nur auf den Faktor Hoffnung verlassen. Es gebe in der jetzigen Situation der Lions nur ein probates Mittel: harte Arbeit, meint der Sportchef. Er habe festgestellt, dass der Eifer des gut entlöhnten Personals vorhanden sei, dass die Trainingsintensität höher sei als in früheren Jahren. Unter Star-Coach Bob Hartley wird nicht bis Viertel vor, sondern bis 5 Minuten nach trainiert. Salis ergänzt: «Der Trainer ist mit Herzblut dabei und verfügt über grosses Fachwissen. Er ist kein Thema bei uns.» Der Funktionär will das nicht als Floskel verstanden wissen.
Die Mannschaft sei auch nicht zerstritten. «Aber die Spieler wissen, dass sie nicht das Eishockey zeigen, das alle erwarten.» Mit anderen Worten: Die Profis rufen ihr Potenzial nicht ab, und das gilt momentan fast für das gesamte Team. Damit ist primär der Coach, der in der Tat für seinen Job lebt, gefordert. Hartley vermisst den «Killerinstinkt» seiner Schützlinge, verlangt gleichzeitig eine Prise mehr Leidenschaft während der Arbeit, vor allem von den erfahreneren Arbeitnehmern. «Vielleicht wissen sie es nicht zu schätzen, was für ein Privileg es ist, mit Eishockey Geld zu verdienen», erklärte er nach der peinlichen 0:4-Pleite in Biel. Der Doppelbürger (Ka/USA) liess keine Zweifel offen, dass er von dieser Fraktion in den nächsten Wochen eine klare Steigerung erwartet. Sonst droht die Wolldecke für den einen oder anderen «Promi» auf der Ersatzbank.
Wie lange bleibt es ruhig?
Salis erkennt taktische Fortschritte gegenüber dem Saisonbeginn, beispielsweise im Boxplay. Berufskritiker monieren allerdings, dass sich die Lions neben ihrer notorischen Abschlussschwäche immer noch zu wenig kompakt auf dem Eis verhalten würden. Der Sportchef verlangt auch in dieser Beziehung noch etwas Geduld.
Die Frage ist allerdings, wie lange die Teppichetage Ruhe und Besonnenheit bewahren kann – und wird. Ein Scheitern mit dem Experiment Hartley, der vor dem ersten Meisterschaftsbully vom Titel gesprochen hat, würde fürwahr eine grosse Ratlosigkeit in der Organisation hervorrufen. Zunächst ist man im Hallenstadion glücklich, wenn die nicht ganz billige Mannschaft im Frühjahr überhaupt die Viertelfinals bestreiten darf. Müsste der ZSC mit diesem Kader gegen den Abstieg kämpfen, so wäre das eine der grössten Überraschungen in der Geschichte des Schweizer Eishockeys seit Einführung der Playoffs (1985/86). Auf dieses Schreckensszenario kann man in Oerlikon getrost verzichten. (DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 29.11.2011, 14:08 Uhr
Kommentar schreiben
Verbleibende Anzahl Zeichen:
3 Kommentare
Nach 28 Runden noch Geduld erwarten? Kann die Aussage nicht verstehen. Mit etwas mehr Lleidenschaft, Kaltblütigkeit vor dem Tor(Aua) und etwas mehr Konstanz im Spiel, könnte der ZSC locker 12-15Punkte mehr auf dem Konto haben. So Namhafte Vertärkungen hatten wir anfangs Saison nicht. Aber mit diesem Kader MUSS man in der Spitzengruppe sein. Aber vielleicht braucht es ein Playout zum umdenken. Antworten

Bitte warten