Sport
Noch einmal aufs Bild mit ihm
Von Dieter Stamm. Aktualisiert am 09.01.2013
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Als die Prominenten gestern für die Aktion «2 x Weihnachten» Pakete auspackten und den Inhalt sortierten, war der SC Bern gleich mit drei Spielern vertreten: Der junge und soeben von der U-20-Weltmeisterschaft in Ufa (Russ) zurückgekehrte Christoph Bertschy tat scheu, aber gewissenhaft seine Pflicht. Ebenso der Kanadier Byron Ritchie, der ein wenig verloren wirkte, aber wie auf dem Eis meist doch noch eine Lösung fand: die blecherne Kamblybüchse mit den Helden-Abziehbildchen legte er treffsicher zu den Kinderbüchern.
Dann war da auch noch Mark Streit, der Star, mit dem alle reden wollten, als Erster natürlich Stadtpräsident Alexander Tschäppät. Noch einmal wollten sie dem herausragenden Sportsmann für seine Auftritte danken, noch einmal auf ein Bild mit ihm.
Und der Spieler der New York Islanders gab eine letzte Kostprobe seiner Professionalität, bevor er – voraussichtlich heute Mittwoch – mit dem Flugzeug in die Staaten entschwinden wird. Streit war gestern kein Besuchs-Promi wie die meisten anderen, er ist offizieller Botschafter des Schweizerischen Roten Kreuzes und in dieser Funktion am Projekt Chili beteiligt, das sich die Gewaltprävention und die Konfliktbewältigung unter Jugendlichen auf die Fahne geschrieben hat. Klug weiss er zu erklären, warum er bei diesem Projekt mitmacht: Weil er so etwas als Privilegierter, der «grosse Not nie am eigenen Leib erfahren hat», «für selbstverständlich» hält, ja mehr noch: «für eine Verpflichtung».
Kein kritisches Wort zum Schluss
Es ist diese Einstellung, die ihn zu einer anerkannten Führungsfigur gemacht hat, zum Captain einer NHL-Mannschaft gar. Nie habe er sich in Bern als etwas Besonderes aufgespielt, nie eine Starallüre an den Tag gelegt, sagt der 18-jährige Bertschy voller Bewunderung, «das war schon sehr eindrücklich». Streit selber lässt sich kein kritisches Wort zu seiner Berner Zeit entlocken: Ein «Traum» sei in Erfüllung gegangen, «endlich beim SCB zu spielen, vor 17'000 Zuschauern». Nicht einmal die Pfiffe, die er sich in der Postfinance-Arena anhören musste, als er nach einer Niederlage zum besten Spieler seines Teams ernannt worden war, können daran etwas ändern: «Klar freut einen das nicht, aber ich bin mir hohe Ansprüche von Fans gewöhnt. Kein Problem.»
Jetzt geht er und hinterlässt zusammen mit Roman Josi eine Lücke in der Verteidigung des SC Bern; dort also, wo die Meisterschaft gewonnen wird, wie er selber sagt. Waren die beiden für Bern am Ende ein Danaergeschenk, das sich als unheilvoll erweisen wird? «Ganz sicher nicht», beeilt sich Streit zu sagen, und beginnt sogleich seine Defensivkollegen zu rühmen: «Guter Goalie, Roche sensationell, Kinrade viel zu wenig geschätzt, Furrer, Gerber, Jobin: alle internationale Klasse, ebenso Hänni, wenn er gesund ist, und jetzt kommt auch Collenberg wieder.»
Abschied von der Grossmutter
Und Trainer Antti Törmänen? Nun kann Streit ja sagen, was er wirklich denkt. Aber auch da mag er nicht lange überlegen: «Zwischenmenschlich auf höchstem Niveau, mit viel Sinn für Ironie und Sarkasmus.»
Irgendwann hatten dann alle ihr Bild, es wurde Zeit für den Star, der gerade deshalb einer ist, weil ihm anderes wichtiger scheint. Zum Beispiel das Adieusagen: Vom Team habe er sich schon am Morgen verabschiedet, sagt er, und von der Grossmutter am Mittag. (Der Bund)
Erstellt: 09.01.2013, 08:02 Uhr
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