Sport
«Meischter, Schwiizer Meischter»
Von Florian A. Lehmann. Aktualisiert am 29.04.2012
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Man soll die Feste feiern, wie sie fallen, sagt der Volksmund. Diese Weisheit gilt für die Zürcher Löwen nur bedingt. Erst elf Tage nach dem Coup in der Finalissima von Bern und dem sagenhaften Tor von Steve McCarthy zweieinhalb Sekunden vor Schluss zum 2:1-Sieg konnte der ZSC im Hallenstadion den siebten Titel der Clubgeschichte feiern. 5000 Tickets hatten den Weg in den Vorverkauf gefunden, am Ende waren alle Billette weg. Es sollte ein ungezwungenes Fest werden für Spieler, Funktionäre, Fans, Gönner, aber auch für Kinder. Lions-Captain Mathias Seger ging mit gutem Beispiel voran und brachte seine Tochter zur offiziellen Party mit.
Walter Frey, der Obmann der Lions, freute sich über den Grund des Anlasses und diskutierte mit altgedienten Zürcher Cracks sowie ZSC-Ehrenpräsident Fredi Duttweiler über den spannenden Playoff-Final. «Die Mannschaft hat das Wesentliche zum Titel geleistet», sagte er, nachdem ihm der Reporter von DerBund.ch/Newsnet die Glückwünsche zum Triumph überbracht hatte. Später bedankte sich der grosszügige Mäzen und Hockey-Freund mit dem Mikrofon beim Publikum in der Halle für die Unterstützung und wies darauf hin, dass heute auch die nationalen Titel der Elite-Junioren, der Elite-B-Junioren sowie der Frauen gefeiert würden. Die Supporter ihrerseits waren gut gelaunt, brauchten aber viel Geduld, um in der langen Schlange endlich ein Autogramm der frischgebackenen Meister zu ergattern.
Der Pokal ist wieder geflickt
Grosser Beliebtheit erfreuten sich bei Jung und Alt nicht nur die neu gestalteten Meister-T-Shirts in Blau, Schwarz und Grau, sondern auch die Gelegenheit, sich mit dem Meisterpokal ablichten zu lassen. Das Objekt der Begierde war, nach diversen Bodychecks bei spontanen Feierlichkeiten der trinkfesten Eishockeyaner, schwer in Mitleidenschaft gezogen worden. Eine Firma aus Kriens flickte den Pott rechtzeitig wieder zusammen. Ein langjähriger Profi-Fotograf liess indes kein gutes Haar am beliebten Fotosujet. «Der Pokal sieht aus wie eine Blumenvase. Und der blaue Vorgänger hat ausgesehen wie ein Schirmständer. Es wird Zeit, dass der Hockey-Meister in Zukunft etwas Richtiges in die Höhe stemmen darf.» Spielplan-Gestalter und Weinhändler Willi Vögtlin, der aufmerksame Schutzpatron der Trophäe, ist diesbezüglich wieder einmal gefordert.
Ehemalige ZSC-Meisterschützen wie Adrien Plavsic (2000) oder Morgan Samuelsson (2001) machten ebenso ihre Aufwartung wie Spieler des Meisterteams von 1961. Auch eine Delegation von Voléro Zürich war eingeladen. Das kam nicht von ungefähr: Schliesslich buhlen Volleyballer und die Lions um die Gunst bei Volk, Behörden und Politikern in Sachen neues Eisstadion in Altstetten. Es wurden auch Gemeinderäte von allen politischen Schattierungen gesichtet. Min Li Marti (SP) und Mauro Tuena (SVP) stiessen am gleichen Tisch auf das Wohl des Champions an – im Eishockey braucht es schliesslich einen linken und rechten Flügel, ansonsten keine Mission auf dem Eis erfolgreich verlaufen würde. ZSC-Macher Ernst Meier begrüsste alle und jeden, natürlich auch die Stimme des «Z», Radioreporter Walter Scheibli, sowie den berühmtesten Kaminfeger des Landes, Ueli Mühlebach. Der Regensdorfer hatte vor dem fünften Finalduell die Zürcher Spieler und ihren Staff in voller Arbeitsmontur im Training besucht und sie mit Glücksräpplern eingedeckt – die Aktion verlief erfolgreich, wie man heute nicht nur in Bern weiss.
Spieler auch verbal in Form
Stimmungsmässiger Höhepunkt der Feier, die nicht in einem überschwänglichen, aber lockeren Rahmen im Innenraum der Mehrzweckhalle von Oerlikon über die Bühne ging, war die Präsentation der Helden auf der Bühne. Auf die Fragen der Moderatoren konterten die Helden mit Witz und Charme. Captain Seger, der wie die anderen ZSC-Profis von Nationalcoach Sean Simpson Urlaub für die Feier (Mit früher Zimmerstunde) erhalten hatte, musste erklären, warum der Pokal vor kurzem in die Brüche ging. Er habe ihn aus Versehen entgleiten lassen, schmunzelte die Integrationsfigur der Lions. «Deshalb bin ich ein wenig nervös, wenn ich ihn jetzt noch einmal hochhalte.» Er tat es – und alles ging reibungslos über die Bühne. Aber auch Andres Ambühl, Patrik Bärtschi, Lukas Flüeler oder Thibaut Monnet bewiesen mit süffisanten Statements, dass sie verbal in Playoff-Form sind. Mit Ausnahme von McCarthy waren die anderen kanadischen Profis bereits in Übersee.
Die Party war nun auch beim Publikum endgültig lanciert. «Meischter, Schwiizer Meischter», tönte es immer wieder, die Spieler genossen die Szenerie sichtlich. Sympathisch, dass die Abtretenden Thomas Ziegler (Rücktritt, auf Jobsuche), Patrick Schommer (wechselt zum HC Davos) sowie Ari Sulander (Rücktritt) speziell verabschiedet wurden. Vor allem «Sulo» flogen noch einmal die Herzen und Sympathien der ZSC-Fangemeinde zu. Der 43-jährige Doppelbürger (Fi/Sz), wie Seger mittlerweile vierfacher Meister mit den Lions, wird in der kommenden Spielzeit nochmals Gelegenheit haben, sich von den Anhängern gebührend zu verabschieden. Er warnte den jüngeren Flüeler zudem scherzhaft: «Wenn Luki im nächsten Winter nicht gut spielt, komme ich sofort wieder zurück.»
Die markanten Worte des Geschäftsführers
Schliesslich ergriff Löwen-Dompteur Bob Hartley das Wort. «Es ist eine grossartige Organisation, der Club hat gute Spieler und tolle Fans. Und die Stadt ist wunderschön», meinte der Frankokanadier und wies darauf hin, dass die Mannschaft am Ende für ihre harte Arbeit endlich belohnt wurde. Dann hauchte er in seinem wunderbaren frankokanadischen Dialekt ins Mikrofon: «Miir sind Züri.» Hartleys vertonte Version des ZSC-Slogans hat mittlerweile Kultstatus in der Limmat-City erreicht. Bezeichnend für den Charakter des kanadischen Working Class Hero ist, dass er auch den anderen Lions-Teams, also den Junioren und den Ladys, herzlich zum Titel gratulierte. Zum Schluss verabschiedete sich der Meistercoach mit den Worten: «All the best.»
A propos Hartley: Den wichtigsten Satz des Events blieb Lions-Geschäftsführer Peter Zahner vorbehalten. «Es besteht kein Zweifel, Bob Hartley wird auch in der kommenden Saison bei uns Trainer sein.» Die Party-Gemeinschaft applaudierte laut. Der Meistertrainer ist ja ein Thema bei diversen NHL-Clubs. Langjährige Anhänger des Clubs gaben sich an diesem Abend nicht ganz so optimistisch wie der CEO der Organisation. ZSC-Fans wissen eben aus Erfahrung: «Z' Örlikä gits alles.» (DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 29.04.2012, 01:44 Uhr


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