Sport
Lockout-Stars verlassen Bern
Bednar ab Freitag bereit
Die Verabschiedung passierte amerikanisch bei Hamburger und Cola. Die Spieler des SCB hatten gestern Nachmittag in der neu eröffneten McDonald’s-Filiale in Zollikofen einen Autogrammtermin. Die Mannschaft nützte das Zusammentreffen zugleich, um ihren drei NHL-Spielern John Tavares, Mark Streit und Roman Josi auf Wiedersehen zu sagen. Flüge waren gestern Nachmittag noch keine gebucht, es könnte aber sein, dass Tavares bereits heute Morgen im Flugzeug zurück nach New York sitzt, spätestens aber morgen. Streit und Josi werden es ihm am Mittwoch gleichtun. Die frei gewordenen Plätze im Kader der Berner wollen schnellstmöglich wieder besetzt sein. Deshalb wird schon heute oder morgen der an die Rapperswil-Jona Lakers ausgeliehene Verteidiger Franco Collenberg (der dem Vernehmen nach bester Schweizer Verteidiger der Lakers war) in der Postfinance-Arena zurückerwartet. Am Dienstag kommt der neu verpflichtete Jaroslav Bednar aus Prag an. Der Tscheche wird am Mittwoch erstmals trainieren und dürfte am Freitag in Freiburg debütieren.
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Klar, die Auszeichnung für den besten Spieler ging in Zug nach dem 4:0-Sieg für den SCB an John Tavares. Absolut berechtigt: Der Kanadier hatte mit dem 1:0 nach 28 Sekunden die Marschrichtung vorgegeben. Und blieb danach ein Vorbild, Einsatz für Einsatz.
Wie er Zugs Defensive beherrschte, sie oft schlecht aussehen liess, war beeindruckend. Er hatte sein Abschiedstor erzielt, dem er am Freitag gegen Davos noch vergebens nachgerannt war. Am Samstag beschränkte er sich darauf, seine Kollegen gut aussehen zu lassen, auch wenn mehrfach sein direkter Abschluss besser gewesen wäre. Er sei nicht speziell motiviert gewesen an diesem Wochenende, das sein letztes im SCB-Dress war. «Mein Ziel ist es, einer der Besten der Welt zu werden, das treibt mich in jedem Spiel an», sagte er, und es tönte für einmal nicht wie eine Plattitüde.
Die Erklärung ist simpel
Neben Tavares stand im Kabinengang sein Sturmpartner. Nein, nicht Byron Ritchie (2 Assists), der vom Islanders-Stürmer nun den Topskorer-Helm übernehmen wird. Sondern Joël Vermin, der dritte Mann in dieser ersten Sturmformation. Der 20-Jährige erzielte das 2:0, ohne Firlefanz schoss er ein, obwohl bedrängt vom Zuger Verteidiger. «Ich hätte auch abdrehen können. Aber ich suche eher den Weg zum Tor», beschrieb er die Situation fast entschuldigend. Dazu assistierte er beim 1:0 und beim 3:0. Auch beim 4:0 stand er auf dem Eis und beendete das Spiel so mit einer Plus-4-Bilanz. Insgesamt ist er damit laut der offiziellen Statistik der Liga bei +28 angelangt, dem mit Abstand besten Wert. Der zweite in dieser Wertung ist Zugs Rafael Diaz mit +20, beim SCB ist es Ritchie mit +19.
Vermin hatte keine Kenntnis über seine Plus-Minus-Statistik gehabt, bis ihn Teamkollege Beat Gerber kürzlich darauf hingewiesen hatte. «Das ist noch lustig, schliesslich bin ich nicht in den Top 20 der Skorerliste», stapelte Vermin tief (mit seinen 25 Punkten steht er auf Position 29). «In den letzten 15 Spielen stand ich halt bei vielen Toren, aber bei wenig Gegentoren, auf dem Eis», lautet seine simple Erklärung. Einen ersten Höhepunkt erlebte er bereits vor einigen Wochen, als er sein erstes Aufgebot für die Nationalmannschaft erhielt. Die bei einem Check erlittene Hirnerschütterung bremste den Höhenflug unmittelbar – aber nur ganz kurz. Vermin kam so stark zurück wie zuvor, mindestens.
Trainer Antti Törmänen begründet dessen Aufstieg etwas ausführlicher: «Joël spielt eben ein 60-Meter-Spiel, deckt also das ganze Spielfeld ab, ist offensiv und defensiv gut.» So weit die Einschätzung, das Lob schob der Trainer nach: «Er hatte einen schweren Saisonstart. Wie er sich danach aus dem Loch rausgearbeitet hat, nicht nur auf dem Eis, sondern auch auf der mentalen Seite, das war stark.»
Der «Giel» im Glück und im Hoch
Vermins Glück war ein Stück weit auch Pascal Bergers Pech. Der stürmte zu Meisterschaftsbeginn wie in der Vorsaison in der ersten Linie neben Ritchie, mit dem Skoren klappte es aber nicht so richtig. Vermin nützte dann seine Chance nach Tavares’ Ankunft. Natürlich gibt er zu, vom Kanadier respektive dessen Pässen zu profitieren. Er hält aber auch fest: «Viele Leute sagen: ‹In einer solchen Sturmlinie ist es einfach zu treffen.› Aber wenn du mit den beiden nicht mitspielen kannst, siehst du keine Scheibe.» Und keck fügt er an: «Aber mittlerweile haben sie erkannt: ‹Der kleine Giel kann was!›»
Vermins Rolle dürfte nach dem Abgang der NHL-Spieler eher noch an Relevanz gewinnen. Denn neben der ersten Sturmlinie können nur mehr Gardner, Scherwey und teilweise Bertschy behaupten, gut in Form und produktiv zu sein. Entsprechend genau weiss der Trainer, was er an seinem 20-Jährigen hat, und sagt lakonisch: «Was kann so ein Junge mehr wollen, als in der ersten Linie am Flügel zu stehen?» (Der Bund)
Erstellt: 05.01.2013, 22:08 Uhr
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