«In Ambri wurde ich vorgeführt wie ein ‹Kindergärteler›»
Von Peter Bader. Aktualisiert am 23.09.2011 1 Kommentar
Martin Steinegger: «In einem Playoff-Spiel gegen Servette erzielte ich drei Minuten vor Schluss das 1:0 nach einem Solo über das ganze Feld. Nicht schlecht. Und erst noch wichtig.» (Bild: Franziska Scheidegger (Archiv))
Martin Steinegger sitzt in langen Unterhosen in der Garderobe des EHC Biel. Eben hat der Verteidiger mit dem Team ein leichtes Training absolviert, «auslaufen, spielen, diese Woche sind drei Partien, da darf man nicht übertreiben». Er schon gar nicht. Nächstes Jahr wird er 40, er spielt mit grösster Wahrscheinlichkeit seine letzte Saison. Sagen tut er das nicht, er will keine Abschiedstournee, er will Vollgas geben, so wie er das seit 22 Jahren macht. Auch wenn ihm die Vorbereitungszeit im Sommer langsam auf die Gelenke schlägt, ist er auf den Schlittschuhen immer noch ein Leader. Er spielte für Biel und Bern, gewann zwei Meistertitel mit dem SCB, bestritt 11 Weltmeisterschaften, war einmal bei Olympischen Spielen. Am Dienstag steht er in Freiburg zum 1000. Mal in einer NLA-Partie auf dem Eis.
Der persönliche Karriere-Rückblick von Martin Steinegger in Superlativen:
Bester Trainer: «Ralph Krueger hat das Schweizer Eishockey auf ein neues Niveau gebracht. Er pflegte einen respektvollen Umgang, bei ihm wusste man immer, woran man ist.»
Witzigster Trainer: «Definitiv Kevin Schläpfer, mein jetziger Trainer in Biel. Er ist immer positiv, nahe beim Team, in den richtigen Momenten witzig, ohne sich anzubiedern.»
Witzigster Mitspieler: «Das war Toni Söderholm beim SCB. Wir haben uns immer gegenseitig Streiche gespielt. Einmal habe ich ihm seine Joggingschuhe tiefgefroren. Er hats gemerkt, und als ich am Morgen danach meinen Streich auskosten wollte, lagen meine Schuhe im Tiefkühlfach.»
Bester Mitspieler: «Gaetano Orlando beim SCB. Guter Schlittschuhläufer, feine Technik, grosser Einsatz, harte Checks.»
Nervigster Gegenspieler: «Chris Lindberg bei Rapperswil. Er stand mir immer auf Zehenspitzen gegenüber, fixierte mich und redete dauernd auf mich ein: ‹Jetzt komme ich, jetzt komme ich, pass auf . . .›.»
Sinnvollste Regeländerung: «Die Aufhebung des 2-Linien-Passes hat das Spiel flüssiger, offener, attraktiver gemacht.»
Schlechtestes Spiel: «In meinem zweiten NLA-Spiel gegen Ambri blieb ich nach dem ersten Drittel auf der Bank, weil ich vorgeführt worden war wie ein ‹Kindergärteler›.»
Schönstes Tor: «In einem Playoff-Spiel gegen Servette erzielte ich drei Minuten vor Schluss das 1:0 nach einem Solo über das ganze Feld. Nicht schlecht. Und erst noch wichtig.»
Bitterste Niederlage: «Das 0:1 gegen den HC Davos auswärts im siebten Playoff-Finalspiel 2007.»
Schönster Sieg: «Der Titelgewinn im letzten Spiel in Lugano 2004. Und das 3:2 gegen Russland an der WM 2000 in St. Petersburg. Da war ich sehr stolz. Fast noch emotionaler war der Sieg gegen Frankreich zwei Jahre zuvor an der Heim-WM. Wir führten, sie nahmen den Torhüter raus, und wir erzielten kurz vor Schluss noch ein Tor, sodass wir wegen des Torverhältnisses in die Finalrunde kamen. Emotionaler gehts fast nicht.»
Grösster Lagerkoller: «Vor der WM 1998 waren wir im kanadischen Timmins, mitten in der Prärie, und spielten fünfmal gegen Kanada. Das war ein Team von jungen Wilden, die in die NHL wollten. Die Partien waren regelrechte Schlachten. Nach dem ersten Spiel packten einige den Koffer und wollten sofort nach Hause. Ich wäre mitgegangen. Es war eine schwierige Situation für den damals neuen Trainer Krueger. Natürlich sind wir geblieben.»
Schmerzhafteste Rauferei: «In einem Vorbereitungsspiel in Landshut mit dem SCB setzte ich den ersten Schlag gegen Guy Charbenau. Es war mein letzter. Ich war froh, dass ich meinen Helm nicht verlor, eine schmerzhafte Beule bekam ich trotzdem ab. Ich war ziemlich bedient. Danach sassen wir beim selben Doktor, er hatte mit den blossen Händen immer meinen Helm getroffen und musste an den Fingern genäht werden. Dort haben wir uns wieder versöhnt.»
Überflüssigste Strafe: «Manche sagen, es sei jene gegen Lugano im entscheidenden Finalspiel 2004 gewesen, die dem Gegner kurz vor Schluss den zwischenzeitlichen Ausgleich ermöglichte. Aber Gardner durfte nicht vors Tor kommen, er ist ein ausgezeichneter Ablenker.»
Bester Karriereentscheid: «Der Wechsel zum SCB.»
Schlechtester Karriereentscheid: «Dass ich ein Angebot von Lugano abgelehnt habe, ist für mich heute okay. Den SCB hätte ich zwei Jahre früher verlassen sollen. Am Schluss hat es nicht mehr gepasst.»
Lieblingsgegner: «In Lugano spiele ich gerne. Ich mag das Ambiente und habe schöne Erinnerungen an das Stadion.»
Angstgegner: «Wenn du gegen Davos in der Ecke bist, weisst du, dass du einen harten Check nehmen musst. Und nach den Spielen tut dir immer etwas weh.»
Grösste Angst: «Natürlich vor Verletzungen. Ich habe grosse Angst vor Narkosen bei Operationen. Einmal bin ich deswegen fast kollabiert auf dem Tisch.»
Grösster Fan: «Meine Grossmutter hat nicht viele Spiele von mir verpasst. Und mein Sohn interessiert sich sehr für Eishockey.»
Nico Steinegger ist siebenjährig und spielt bei den Bieler Bambini. Er sei kein überragendes Talent, sagt der Vater, aber ein Fighter, einer, der sich nicht unterkriegen lasse. Einer wie der grosse Steinegger. Man darf gespannt sein. (Der Bund)
Erstellt: 23.09.2011, 08:41 Uhr
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Stoney ist und bleibt der beste Verteidiger, welcher je in Bern gespielt hat. Die Berner Kultfigur schlechthin. @Svenu: Lächerliche Kriterien hast du aufgestellt, damit eine Nummer gesperrt wird, pfff die Nummer 8 gehört unters Dach - ohne wenn und aber. Mir ist schleierhaft, warum die 16 gesperrt sein soll und die 8 nicht. Antworten

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