Sport
«Ich kann es noch nicht einordnen»
Von Dieter Stamm, Emil Bischofberger. Aktualisiert am 19.04.2012
Bildstrecke
Artikel zum Thema
Sven Leuenberger, wie lange war Ihre Nacht?
Ich kam etwa um zwei Uhr ins Bett und konnte eigentlich gut schlafen. Aber nicht sehr lange. Um sieben war ich wach, um halb neun wieder im Büro.
Was ist Ihnen durch den Kopf gegangen, als Sie aufgewacht sind?
Die Niederlage natürlich. Und ich kann sie, um ehrlich zu sein, auch jetzt noch nicht einordnen. Normalerweise kann man ja sagen: Deshalb haben wir verloren. Vorgestern war es nicht so, wir waren ja nicht schlechter als der Gegner.
Muss die Mannschaft etwas Spezielles unternehmen, damit sie dieses Ende nicht in die nächste Saison mitnimmt?
Nein, es bleibt genug Zeit, um das zu verarbeiten. Und es gibt ja keinen besseren Ansporn für die nächste Saison als eine solch knappe Niederlage.
Nun, nach dem Ende der Finalserie, ist es Zeit, die Geheimnisse zu lüften. Wer war nun wirklich verletzt?
Neben Roche und Dumont auch Kwiatkowski, Jobin, Gerber, Berger, Vigier und Ritchie.
Bührer also nicht.
Nein.
Dann waren alle Wechsel auf Verletzungen und nicht auf taktische Massnahmen zurückzuführen?
Ja, so gesehen schon. Die Verletzungen von Dumont, Kwiatkowski und Jobin passierten alle im zweiten Finalspiel in Zürich. Bührer hat uns dann mit zwei herausragenden Partien über Wasser gehalten, und im fünften Spiel setzten wir alles auf eine Karte und brachten die angeschlagenen Dumont und Roche, um die Entscheidung zu erzwingen. Das war so gesehen schon auch ein taktischer Entscheid der Trainer.
Wie haben Sie eigentlich die beiden Trainerneulinge in dieser entscheidenden Phase erlebt?
Ruhig, auch in Extremsituationen ohne Panik.
Also intern genauso cool wie gegen aussen?
Ja, ein paar Minuten vor dem entscheidenden siebten Spiel machte Törmänen sogar noch Witze in der Garderobe. Törmänen hat einen sehr speziellen Humor, der im Falle einer Niederlage sogar ins Sarkastische gehen kann. Das ist ja eine Art, die nicht alle Leute gleich gut verstehen. Erreicht er damit die Mannschaft?Jene, die es begreifen müssen, also die Teamleader, erreicht er gut. Aber es ist schon so: Er bringt viel Unkonventionelles mit.
Haben Sie ein konkretes Beispiel?
Kürzlich kam er mit einem aufblasbaren Plastikschwert seines Sohnes ins Training. Damit sollte die Mannschaft zum letzten Schlag ausholen.
Solche Motivationsspiele sind ja nicht jedermanns Sache. Profitiert er eigentlich von der Autorität als ehemaliger Weltklassespieler?
Ich glaube nicht, dass es vor allem dieser Punkt ist. Wohl eher, dass er immer noch den Biss eines Spitzenspielers hat, immer noch alles vormachen kann.Ist er im Denken immer noch mehr Spieler als Coach?Ja, in vielen Bereichen meiner Ansicht nach schon. Aber vielleicht würde er das anders sehen.
Was erwartet uns im nächsten Jahr vom Trainergespann? Die Emanzipierung vom Larry-Huras-Stil?
Die Mannschaft spielt keinen Larry-Huras-Stil mehr. Das sogenannte Geduldsspiel, wie es Törmänen nennt, trägt schon längst deutlich seine Handschrift. Genaueres im Hinblick auf nächste Saison kann ich noch nicht sagen, weil wir das noch nicht im Detail besprochen haben. Er wird ganz sicher gewisse Sachen ausprobieren. Wobei es ja noch keinen grossen Spielerwechsel gibt.Sie meinen, dass man mit den zur Verfügung stehenden Spielern nicht anders auftreten kann?Ich meine, dass das Defensivkonzept gut ist und dass man die Effizienz noch verbessern kann. Aber das ist nicht so einfach, wie es klingt.
Die perfekte Saison wäre eine attraktive Qualifikationsphase und ein erfolgreiches Playoff. Letzteres hat schon mal gut funktioniert, Ersteres noch nicht. Einverstanden?
Ja, klar, Ersteres haben wir noch nicht erreicht. Aber man muss schon auch sehen: In den 50 Spielen der Qualifikation hatten wir 220 Absenzen wegen Verletzungen. Wir mussten also schon sehr viele Kräfte bündeln, um überhaupt auf den 5. Rang zu kommen.
Spieler wie Plüss und Rüthemann waren einfach weniger produktiv und also weniger spektakulär als in früheren Jahren. Das hat nichts mit Verletzungen zu tun.
Wenn klassische «Spektakelspieler» wie Roche und Lötscher praktisch nicht oder gar nie zum Einsatz kommen, dann hat das schon etwas mit Verletzungen zu tun. Und was die Routiniers anbelangt: Die Jungen haben die fehlenden Tore kompensiert. Das ist das Beste, was einem Verein passieren kann.
Wir meinen ausserdem auch die Spielanlage. In Runde 37 möchten die Leute lieber einen SCB sehen, der 5:7 verliert, als einen, der 2:1 gewinnt.
Schauen wir doch mal das letzte Spiel gegen Ambri-Piotta an: Nach 20 Minuten müssen wir da 5:0 führen, und dann singen die Zuschauer vor Freude. Aber so einfach ist es halt nicht. Gegen Mannschaften, die defensiv ausgerichtet sind, ist es schwierig, Spektakel zu machen. Ausserdem findet es niemand attraktiv, wenn wir die Qualifikation dominieren und im Playoff dann versagen.
Aber es könnte ja immerhin ein Anspruch sein, beides unter einen Hut zu bringen.
Ja, dieses Jahr hat es zum Beispiel Zug versucht. Sie haben ihre beiden Toplinien während der Qualifikation forciert und viel Spektakel geboten. Und dann sind sie im Halbfinale ausgeschieden.
«Kürzlich kam er mit einem aufblasbaren Plastikschwert ins Training.»
Sven Leuenberger über die besonderen Motivationstechniken von Trainer Antti Törmänen. (Der Bund)
Erstellt: 19.04.2012, 13:02 Uhr





Sportbilder der Woche


















