Sport
«Ich bin schon im Element»
Von Emil Bischofberger. Aktualisiert am 10.04.2012
Es wäre eine Aufgabe für den Statistiker. Aber zwei Zu-null-Siege in Serie dürfte es in einem Playoff-Final noch nicht allzu oft gegeben haben. Marco Bührer liess sich nach dem 3:0 am Samstagabend in der Postfinance-Arena auch am Ostermontag beim 2:0 im Hallenstadion nicht bezwingen. Vier Tore hat er in den vier Finalspielen bislang zugelassen, eine hervorragende Quote.
Zu viel Lob wollte der Goalie aber nicht hören, schränkte ein: «Klar haben wir uns defensiv gesteigert. Aber ich weiss auch nicht, wie stark die Offensive der ZSC Lions einzuschätzen ist. Das erlaube ich mir erst nach der Serie.» Tatsächlich musste er für seine zwei Shutouts «nur» gerade 53 Schüsse abwehren (28 am Samstag, 25 gestern), keine überaus hohe Zahl. Unrecht hat er mit seiner Aussage nicht. Ihr erfolgreiches Playoff verdanken die Zürcher primär ihrer hervorragenden Organisation, und nicht ihrer offensiven Kreativität und Produktivität.
Auch gestern sahen sie eine Vielzahl ihrer Schüsse schon vor Bührer abgewehrt, abgeblockt oder abgelenkt. «Klar versuchen sie, Abpraller zu provozieren. Aber die Schüsse von der Seite kann ich problemlos halten oder ablenken. Jene von der blauen Linie werden sehr gut geblockt von meinen Verteidigern, zum Teil auch von den Flügeln, die sich hinlegen. Das ist ein grosser Unterschied zur Qualifikation. Das haben wir da nie gemacht. Gefühlsmässig blockte in dieser Zeit niemand weniger Schüsse als wir», sagte Bührer.
«Normales Spiel» am Donnerstag
Für ihn waren es die Shutouts Nummer 75 und 76, was ihn aber herzlich wenig interessierte. «Es sind zwei Siege, mehr nicht», so Bührer, der wie alle anderen eingesetzten Spieler heute den ersten freien Tag seit dem Start des Playoff-Finals geniesst. Aber auch betont, dass er sich dabei noch nicht zu sehr mit der ersten Chance auf den Meistertitel am Donnerstag auseinandersetzen will. «Man muss es als normales Spiel anschauen und alles andere ausblenden. Je besser wir das können, umso schneller holen wir den vierten Sieg», sagte der 32-Jährige, dem das schon bei den Titeln 2004 und 2010 erfolgreich gelungen war.
Der ersehnte freie Tag soll nicht bedeuten, dass er die intensiven Finaltage nicht genösse. «Ich bin schon im Element, weiss gar nicht, was ich derzeit sonst noch mache in meinem Leben, ausser Eishockey zu spielen.»
Auch die Teamkollegen lobten verständlicherweise die Leistungen ihres Torhüters. «Marco spielt schon das ganze Playoff äusserst stark. Es tut gut, einen solchen Goalie im Rücken zu haben», sagte Ivo Rüthemann, Torschütze des 1:0. Verteidiger Joel Kwiatkowski ergänzt: «Das Lob gebührt ihm. Er spielt unglaublich. Genauso wie jener des Gegners. Die Spiele sind deshalb ein wenig wie Schachpartien.»Bei allem Lob für den Torhüter gab Captain Martin Plüss, der Rüthemann beim 1:0 lanciert und das 2:0 ins leere Tor selber erzielt hatte, aber auch zu bedenken: «Solange wir immer nur ein Tor schiessen, bleibt es lange ausgeglichen. Und sie sind immer gefährlich, können aus dem Nichts heraus ein Tor erzielen.»Ein Tor ja. Eine Serie hingegen aus dem Nichts heraus zu wenden, dürfte schwieriger sein. (Der Bund)
Erstellt: 10.04.2012, 09:58 Uhr
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