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Gestiegener Aktienkurs
Von Dieter Stamm. Aktualisiert am 11.04.2012
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Allzu viel Aufregung hat es bislang in der Finalserie zwischen den ZSC Lions und dem SC Bern nicht gegeben. Da war der Faustkampf Ende des dritten Spiels, und es gab den Versuch von Lions-Trainer Bob Hartley, mit einer alten Geschichte ein wenig Unruhe in die gegnerischen Reihen zu tragen. Ob sie mitbekommen hätten, dass SCB-Verteidiger Joel Kwiatkowski mit Gottéron am Verhandeln sei, hatte er Zürcher Journalisten, die in seiner Nähe waren, gefragt.
Der Versuch scheiterte, weil das Gerücht gar keines war. Das Interesse Freiburgs an Kwiatkowski ist kein Geheimnis und wird auch von keiner Seite in Abrede gestellt. «Klar, ich suche nach wie vor einen Ersatz für Michal Barinka, und Joel ist ein sehr interessanter Kandidat», bestätigt Gottéron-Trainer Hans Kossmann. Schon vor einem Jahr wollte er Kwiatkowski verpflichten, aber die Verhandlungen scheiterten an den Gehaltsvorstellungen des Spielers. Jetzt sollen sich die Positionen dem Vernehmen nach angenähert haben.
Die Schweiz unterschätzt
Auch in Bern war man wenig erstaunt. «Es ist normal, dass verhandelt wird», sagt Sportchef Sven Leuenberger und stellte in Abrede, dass Kwiatkowskis Aussetzen in Spiel drei etwas mit der Geschichte zu tun hatte. Bei vier Partien in sieben Tagen sei ein Wechsel «normal». Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass der Aktienkurs des Joel Kwiatkowski gestiegen ist, nachdem man ihn vor einem Jahr noch hatte loswerden wollen. «Entscheiden werden wir erst nach der Saison», sagt Leuenberger, «aber wir sind zufrieden mit seinen Leistungen, insbesondere in den Playoffs.» Klar ist: Der Kanadier mag kein Spieler mit herausragenden, genialen Fähigkeiten sein, aber man muss für diesen Preis erst einen Besseren finden.
Der 35-Jährige aus der kanadischen Prärie (Saskatchewan) ist NHL-erprobt (Ottawa Senotars, Washington Capitals, Florida Panthers, Pittsburgh Penguins, Atlanta Thrashers) und gilt als überdurchschnittlicher Schlittschuhläufer sowie als guter Schütze von der blauen Linie aus. Sein ehemaliger Trainer Larry Huras bezeichnet ihn sogar als «einen der talentiertesten Verteidiger der Schweiz». Für Unmut sorgten zeitweise einzig seine wenig konstanten Leistungen sowie die vielen unnötigen Strafen. Während der Playoffs vor einem Jahr sass er nicht weniger als 34 Minuten auf der Strafbank.
Huras glaubt, dass Kwiatkowski die Schweizer Liga «anfänglich unterschätzt hat». In dieser Saison sei er deutlich konstanter geworden.In der Tat gehört Kwiatkowski zu jenen, die sich seit März markant zu steigern wussten. Er hat mit seiner soliden und robusten Spielweise durchaus einen nennenswerten Anteil an der jüngsten Berner Siegesserie. Und was im fragilen Gefüge einer Eishockeymannschaft besonders wichtig ist: Er wird für seine menschlichen Qualitäten gelobt, gilt als «guter, ehrlicher Typ» (Kossmann) und ist auch neben dem Eis «vorbildlich und wichtig für ein Team» (Huras). Den Beweis dafür lieferte er gleich selber, als er sich am letzten Samstag aufrichtig für Travis Roche freute, der an seiner Stelle zum Einsatz kam. «Er hat es wirklich verdient zu spielen», sagte er.
Noch ohne grossen Titel
Auch SCB-Trainer Antti Törmänen ist angetan von Kwiatkowskis jüngsten Leistungen: «Er spielt sehr gut, sehr solid.» Allerdings wich er bei der Frage, ob er den Kanadier in der nächsten Saison gerne in seinen Reihen sähe, aus: «Das ist nicht mein Business.» Und Kwiatkowski selber? Der frischgebackene Vater würde «sehr gerne in Bern bleiben», wie er sich ausdrückt. Um pflichtbewusst anzufügen, dass seine Aufmerksamkeit «jetzt einzig dem Final» gelte. Dabei dürfe man unter keinen Umständen schon an den Pokal denken. «Aber wenn es dann passiert, wird es grossartig sein.» Kwiatkowski hat noch nie einen Titel in einer höchsten Liga gewonnen.
(Der Bund)
Erstellt: 11.04.2012, 07:28 Uhr
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