Disziplin und Effizienz statt Show

Im ersten Spiel ohne Lockout-Stars überzeugte der SC Bern auf der ganzen Linie. Er überfuhr Leader Freiburg und gewann 0:6.

Martin Plüss setzt den Schlusspunkt hinter eine überzeugende Leistung und schiesst den SCB zum 6:0.

Martin Plüss setzt den Schlusspunkt hinter eine überzeugende Leistung und schiesst den SCB zum 6:0. Bild: Peter Klaunzer/Keystone

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Noch eine halbe Stunde nach Spielschluss standen die Berner Anhänger im Gästesektor und sangen: «Oh wie schön!» Und ein paar Meter entfernt, in den Katakomben, fiel SCB-Trainer Antti Törmänen der Schalk noch leichter als sonst. Auf die Frage eines Journalisten, ob das die beste Vorstellung der Saison gewesen sei, antwortete er: «Mit dieser Mannschaft auf jeden Fall.» Ein wenig ernster fügte er an: «Klar wollten wir allen zeigen, dass es auch ohne die Stars geht. All jene, die in den letzten Wochen im Schatten standen, waren besonders motiviert.» Im Nebenraum stand Freiburgs Trainer Hans Kossmann. Und dieser hatte sich eine eigene Erklärung für die Niederlage zu- rechtgelegt: «In der Berner Kabine herrschte wohl mehr Angst vor dem Ende des Lockouts als bei uns.» Das habe off enbar Energien freigesetzt.

Natürlich fehlten zuweilen die Geniestreiche eines John Tavares, die Flügelläufe eines Roman Josi oder die öff nenden Pässe eines Mark Streit. Der Zauber hat wieder der harten, ehrlichen Arbeit Platz gemacht. Aber auch die kann unterhalten und faszinieren, wenn sie so gut verrichtet wird wie gestern von den Bernern. An der Basis des klaren Erfolgs stand eine disziplinierte Verteidigung. Ohne die beiden abgereisten NHL-Stars schien es, als sei jeder Berner Defensivspieler noch ein wenig wachsamer und resoluter als sonst. Dabei mussten sie auf nicht weniger als drei Kollegen verzichten (Furrer und Hänni fallen mit Hirnerschütterungen aus, Höhener mit einem Beinbruch). Aber Travis Roche spielte eine überragende Partie und die anderen – inklusive Rückkehrer Franco Collenberg und des zum Verteidiger umfunktionierten Flurin Randegger – lieferten höchst solide Arbeit ab. Randegger gelang gar ein Treffer, nachdem er zuvor während 21 Spielen als Stürmer nicht getroffen hatte.

Und dann vorne: Captain Martin Plüss erzielte sein 100. Tor für den SCB, Byron Ritchie war überragend, nicht weil auch er zu einem Jubiläum kam (41. Treffer im 100. Spiel für den SCB), sondern weil er das Team anführte, als das Spiel noch auf der Kippe stand. Christoph Bertschy beeindruckte mit Kämpferherz sowie erstaunlicher Präsenz und krönte seinen Auftritt ebenfalls mit einem Tor. Und Neuverpflichtung Jaroslav Bednar? Der Tscheche vermochte dem Spiel noch nicht seinen Stempel aufzudrücken und agierte hin und wieder fast zu wenig eigensinnig: Statt selber zu schiessen suchte er immer wieder den Pass. Beim 0:4 durfte er sich immerhin den ersten Punkt notieren lassen. Nach der Partie war ihm die Freude ins Gesicht geschrieben. Er fühle sich physisch und mental «ganz leicht», sagte er. «Am liebsten würde ich gleich noch einmal ein Spiel absolvieren.»

Freiburg auseinandergefallen

Dazu hat er heute Abend gegen Servette Gelegenheit. Und der SCB bei günstiger Konstellation die Möglichkeit, neuer Leader zu werden. Er würde ein Freiburg beerben, das gestern nur zwei Drittel lang mithalten konnte und im letzten Abschnitt gänzlich auseinanderfiel. Nicht einmal das Überzahlspiel – statistisch gesehen das beste der Liga – überzeugte. Freiburg konnte auch von zwei äusserst streng gepfiff enen Strafen (gegen Kinrade und Gardner) nicht profitieren, die die Schiedsrichter beim Stand von 0:2 ausgesprochen hatten. An anderen Abenden hätten sie dem Spiel eine neue Wende geben können. Gestern waren die Berner zu diszipliniert dafür. (Der Bund)

(Erstellt: 12.01.2013, 09:00 Uhr)

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