Sport
Die Gratwanderung im bitterkalten Ural
Von Florian A. Lehmann. Aktualisiert am 26.12.2012 4 Kommentare
Artikel zum Thema
- Simpson coacht U20-Team auch an der WM
- Auf der Suche nach Rückenwind
- Nationalteam unterstützt Winterhilfe Schweiz
Links
U-20-WM in Ufa (Russ)
Niederlage der Letten
Der erste Gegner der Schweizer Nati an der U20-WM ist mit einer deutlichen Niederlage ins Turnier gestartet. Gegen Finnland unterlagen die Balten mit 1:5. Die Finnen waren jederzeit ungefährdet, das Schussverhältnis von 44:12 spricht Bände. Den einzigen Treffer erzielte Bukarts zum zwischenzeitlichen 1:1.
Programm, Gruppe A. Die Schweizer Spiele: Donnerstag, 27. Dezember, 13 Uhr MEZ: Schweiz - Lettland. - Freitag, 28. Dezember, 13 Uhr: Schweden - Schweiz. - Sonntag, 30. Dezember, 8.30 Uhr: Finnland - Schweiz. - Montag, 31. Dezember, 8.30 Uhr: Schweiz - Tschechien.
Der Modus:
Die Gruppensieger qualifizieren sich direkt für die Halbfinals, die Mannschaften auf den Rängen 2 und 3 stehen in den Viertelfinals. Die viert- und fünftklassierten Teams der beiden Gruppen spielen in einer Relegationsrunde gegen den Abstieg – die letztplatzierte Equipe muss den Gang in die Division I Gruppe A antreten.
Gruppe A:
Resultate: Lettland - Finnland 1:5. Tschechien - Schweden 1:4. – Rangliste: 1. Finnland 3. 2. Schweden 3. 3. Schweiz 0. 4. Tschechien 0. 5. Lettland 0.
Schweizer Aufgebot.
Tor (3): Luca Boltshauser (Färjestad/Sd), Robin Kuonen (Zug), Melvin Nyffeler (GCK Lions).
Verteidigung (7): Eliot Antonietti (Genève-Servette), Isacco Dotti (Ambri-Piotta), Samuel Guerra (Davos), Cédric Hächler (ZSC Lions), Dean Kukan (Tingsryd/Sd), Christian Marti (Blainville-Biosbriand Armada/QMJHL), Mirco Müller (Everett Silvertips/WHL). Sturm (13): Sven Andrighetto (Rouyn Noranda Huskies/QMJHL), Lukas Balmelli (Drummondville Voltigeurs/QMJHL), Alessio Bertaggia (Brandon Wheat Kings/WHL), Christoph Bertschy (Bern), Mike Künzle (GCK Lions), Robin Leone (Kloten Flyers), Lino Martschini (Zug), Jan Neuenschwander (Davos), Vincent Praplan (Kloten Flyers), Tanner Richard (Guelph Storm/OHL), Lukas Sieber (Davos), Dario Simion (Lugano), Sandro Zangger (GCK Lions).
Mutationen:
Im Schweizer kam es kurz vor Beginn der WM zu zwei Mutationen. Verteidiger Isacco Dotti (Ambri), der im letzten Testgegen Russland verletzt ausschied, musste ebenso die Heimreise antreten wie Stürmer Vincent Praplan (Kloten). An ihrer Stelle nominierte Headcoach Sean Simpson mit Phil Baltisberger und Martin Ness zwei Spieler der GCK Lions nach.
Teilen und kommentieren
Stichworte
Korrektur-Hinweis
Melden Sie uns sachliche oder formale Fehler.
In der Stadt Ufa, dem Austragungsort des Turniers mit den weltbesten Junioren im Ural, pfeift der Schweizer Junioren-Auswahl bei Temperaturen von rund minus 25 Grad ein eisiger Wind um die Ohren. Das winterliche Klima in Russland lässt sich durchaus auch auf die sportlichen Perspektiven übertragen: Die WM kann für die ältesten Talente von der Swiss Ice Hockey Federation (SIHF) frostig, sprich mit einem Abstieg enden. Es ist aber auch ein Exploit möglich, wie das zuletzt mit dem vierten Platz 2010 der Fall war.
Die von Sean Simpson betreuten Schweizer treffen in der Gruppenphase auf Lettland, Schweden, Finnland und Tschechien (in dieser Reihenfolge). Bereits der erste Auftritt am Donnerstag gegen die Letten ist richtungsweisend für den weiteren WM-Verlauf. Die Balten sind auf dem Papier der schwächste Widersacher, ein Sieg ist demnach Pflicht.
«Ein interessantes Team»
Eishockey-Experte und NHL-Scout Thomas Roost bestätigt gegenüber DerBund.ch/Newsnet die delikate Ausgangslage. «Diese U-20-WM ist in der Tat ein schmaler Grat für die Schweiz.» Eine Medaille sei ebenso wenig völlig auszuschliessen wie die Relegation, obwohl ein Abstieg doch eine extrem negative Überraschung wäre, zumal nur eine Nation relegiert werde. Wie sehr die Schweiz in einen negativen Strudel geraten kann, bewies das letzte Turnier im kanadischen Calgary: Nur mit Glück setzte sich die SIHF-Auswahl in der Relegationsrunde in der Verlängerung gegen Absteiger Dänemark mit 4:3 durch und schaffte quasi mit dem letzten Atemzug den Klassenerhalt.
Der Zürcher Roost kennt die Schweizer Talente in- und auswendig, er weiss um ihre Stärken und Schwächen. Er sagt: «Es ist ein interessantes Team, das Simpson zur Verfügung hat.» Goalies und Stürmer seien eher klein gewachsen, die jedoch sehr flink und schnell seien. «Dafür hat diese Mannschaft grosse Verteidiger. Ich mag mich nicht daran erinnern, dass in den letzten Jahren eine Schweizer Junioren-Auswahl mit solch robusten Verteidigern an eine WM reiste.» Ein Faktor, der eigentlich die Abräumarbeit vor dem eigenen Tor begünstigen müsste.
Die Sache mit der Eiszeit
Am Sonntag verlor die Schweiz in Ufa den Test gegen die Russen 5:7. Besonders nach der 4:6-Niederlage im Aufgalopp gegen den B-Club EHC Visp am letzten Montag war Simpson mit der Leistung seiner Junioren gar nicht zufrieden, was er auch in einem Video des Schweizer Verbandes kommunizierte. Der Personalchef bemängelte die Einstellung und sagte klipp und klar: «Uns steht noch ein grosses Stück Arbeit bevor.» Zugs kleiner, aber wendiger Stürmer Lino Martschini gegenüber der nationalen Agentur Sportinformation: «Die Erfahrung spielt sicher eine Rolle. Wir wissen, wie es abläuft, was es braucht.» Martschini, der an der letzten WM in Calgary blass wirkte, spricht die Erfahrung der Equipe, aber auch den guten Teamgeist an.
Fachmann Roost weist auf die Tatsache hin, dass immerhin acht Schweizer WM-Teilnehmer ihren Eishockey-Alltag im Ausland verbringen. «Es ist ein Trend, der anhält. Dass junge Schweizer ihr Glück im Ausland oder in nordamerikanischen Juniorenligen suchen, macht durchaus Sinn. Das Niveau der obersten Juniorenliga hierzulande ist im internationalen Vergleich einfach zu schwach.» Der andere Weg zu einer Karriere im Sport ist jener, bei dem Teenager in den NL-Clubs genügend Eiszeit erhalten. «Roman Josi ist ein positives Beispiel dafür. Der SCB hat früh seine Qualitäten entdeckt, dementsprechend oft kam er zum Einsatz. Aber längst nicht alle Trainer in der NLA tragen dem Bedürfnis junger Spieler Rechnung. Und wenn die Coachs Talente zu wenig einbeziehen, versauern sie auf der Ersatzbank und können keine Fortschritte erzielen.»
Mit anderen Worten: Das Abschneiden der Schweizer Junioren im Ural hängt nicht nur von Einsatzbereitschaft und Glück ab, sondern auch von der geleisteten Arbeit im Alltag. Die Techniker und Trainer in den NL-Clubs tun gut daran, die Bedeutung einer U-20-WM nicht zu unterschätzen.
(DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 24.12.2012, 17:07 Uhr
Kommentar schreiben
Verbleibende Anzahl Zeichen:
4 Kommentare
"... die Bedeutung einer U20-WM nicht zu unterschätzen...". Der Meinung bin ich schon seit Jahren und kann genau darum nicht verstehen, dass mit unseren Gebührengeldern jährlich der (Spengler)Cup um die goldene Ananas übertragen wird, während gleichzeitig die Stars von heute und morgen um die Weltmeisterschaft spielen. Aber die SF-Leute gehen halt lieber nach Davos in die bezahlten Ferien... Antworten
Sport
Online-Wettbewerb
Wir feiern - Sie profitieren. Einen Tag lang freie Fahrt ab CHF 25.- mit Bahn, Bus und Schiff im gesamten BLS-Gebiet.
Flugpreise vergleichen
Vergleichen Sie die Flugpreise von verschiedenen Reiseanbietern und finden Sie das beste Angebot.
FÜR MEHR «YESSS!» IM ALLTAG!
Erfahren Sie, wie unsere Services das Leben erleichtern. Jetzt Videos schauen: search.ch/diego

Bitte warten
Sportbilder der Woche





















