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Der Lohn für Beharrlichkeit und harte Arbeit

Von Simon Graf. Aktualisiert am 18.04.2012 20 Kommentare

Bob Hartley hat in einem Jahr ein Meisterteam gebaut. Das ist beachtlich – für alle Beteiligten.

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Bild: TA-Grafik str

Meistertrainer: Bob Hartley. (Bild: Keystone )

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Der ZSC schlägt den SCB in der Finalissima und ist Champion.

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Und die Geschichte wiederholt sich doch. Der vierte Meistertitel der ZSC Lions in der Playoff-Ära war in der Entstehung und Vollendung eine Mischung aus ihrem dritten und zweiten. Wie 2008 fanden sie nach einem Fehlstart allmählich zu ihrem Spiel, wuchsen sie an den Widerständen und zeigten sich im Playoff, in das sie als Aussenseiter gestartet waren, so gefestigt wie kein anderes Team. Und wie 2001 kehrten sie die Finalserie nach einem 1:3, als ihnen dies kaum mehr jemand zugetraut hatte. Das macht ihren Triumph umso süsser und bestätigte Bob Hartley, der stets gepredigt hatte, die harte Arbeit seiner Spieler werde früher oder später belohnt.

Noch vor dem ersten Saisonbully hatte der Kanadier gedroht: «Wenn einer nicht an den Titel glaubt, sollte er gehen.» Es tönte wie ein Spruch, den man von Nordamerikanern gewohnt ist. Doch Hartley meinte es ernst. Und wirkte Tag für Tag beharrlich auf dieses Ziel hin. Der Klimawechsel nach Colin Muller und Bengt-Ake Gustafsson, die einen lockeren Trainingsbetrieb gepflegt hatten, zum stets fordernden Hartley war abrupt. Und es brauchte einige Zeit, bis sich die Mannschaft an den Stil ihres neuen Chefs gewöhnt hatte. Der schickte auch einmal einen Spieler nach Hause, wenn dieser bei einer Übung abkürzte. Einmal strich er gar für einen Abend einen ver­dienten Mann wie Thibaut Monnet aus dem Kader.

Der Umbruch

So unnachgiebig und stur Hartley ist, er ist transparent. Als kleiner Junge half er in seiner Heimatstadt Hawkesbury bei einem Farmer aus, damit dieser für ihn und seine Freunde im Winter ein Eisfeld präparierte. Seinen Traum von einer Karriere im Eishockey erfüllte er sich als Trainer, als Goalie war er zu wenig gut gewesen. Nichts verabscheut er daher mehr als Spieler, die ihren Beruf nicht zu schätzen wissen. Hartley ist einer, der vorlebt, was er predigt. Und allmählich verdiente er sich so den Respekt des Teams. Im Playoff setzte dieses seine Vorgaben mit jedem Sieg überzeugter um. Die ZSC Lions waren nicht die talentierteste Mannschaft, aber jene, die am meisten bereit war, sich für den Erfolg aufzuopfern.

Es brauchte eine starke Figur wie Hartley, um wieder eine Leistungs­kultur zu etablieren und den nötigen Umbruch zu forcieren. Dabei schreckte er auch vor unpopulären Entscheiden nicht zurück. Wichser wurde ausgemustert, Routiniers wie Gobbi und Ziegler schauten im Playoff nur noch zu. Talente wie Cunti, Kenins, Schäppi und Flüeler entfalteten unter Hartley ihre Fähigkeiten. Endlich wurde die ZSC-Strategie umgesetzt, vermehrt aus dem eigenen Talentreservoir zu schöpfen. So logisch sie tönt für die Organisation mit den meisten Junioren, lange hatte der Mut dazu gefehlt.

Die Investitionen der letzten Jahre

in Nationalspieler wie Ambühl und Blindenbacher, den NHL-erprobten Tambellini und natürlich ins Trainerduo Hartley/Cloutier zahlten sich aus – nach mageren Jahren mit dreimaligem Scheitern im Viertelfinal. Der Titel ist auch ein Befreiungsschlag für Edgar Salis, der als Sportchef Lehrgeld bezahlte, mit Zuzügen alternder Spieler den Generationenwechsel aufhielt. Nun scheinen die Jahre der Orientierungslosigkeit hinter den Zürchern zu liegen. Und die Mannschaft mit einer guten Mischung von Jung und Alt steht weitgehend.

Abgänge sind nebst den bekannten (Sulander, Ziegler, Schommer) nur noch bei Gobbi und den Ausländern zu erwarten. Von diesen hat nur Tambellini einen Vertrag, was Salis die Möglichkeit gibt, auf diesen Positionen Korrekturen anzubringen. Noch etwas mehr Kreativität und Torgefahr würden nicht schaden. Die wichtigste Personalie ist aber Hartley. Der 51-Jährige ist beim ZSC noch bis 2013 gebunden. Doch die Verlockung einer Rückkehr in die NHL dürfte für ihn, da er die Zürcher gleich auf Anhieb zum Titel geführt hat, gross sein. Und es würde auch keinen Sinn machen, auf seinen Vertrag zu pochen, wenn er sich für einen Wechsel entscheiden würde.

Der Goodwill

Im Playoff zeigte sich, dass die Event­stadt Zürich durchaus empfänglich ist für Eishockey, wenn es erfolgreich, wenn es hip ist. Mit ihren gelungenen Auftritten dürften die ZSC Lions Goodwill geschaffen haben für die Debatten um ihr geplantes Stadion und eine allfällige Volksabstimmung. Und dass sie den Final nicht zu den vorgesehenen Daten spielen konnten, dem SCB 50'000 Franken für sein Entgegenkommen zahlen mussten, zeigte die Hallenproblematik nochmals deutlich auf. Darüber können auch die stimmungsvollen Abende im Hallenstadion nicht hinwegtäuschen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 18.04.2012, 06:58 Uhr

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20 Kommentare

Philipp Rittermann

18.04.2012, 08:12 Uhr
Melden 48 Empfehlung 0

taktisch clever gespielt, serie gekehrt und nun verdient meister, bravo! ein kompliment aber auch den fairen berner-spielern und dem berner publikum. Antworten


Thomas Steffen

18.04.2012, 08:47 Uhr
Melden 22 Empfehlung 0

Ein Meisterteam gebaut ? Der ZSC hat 50 Runden lang ein Sch....hockey gezeigt. Für die wichtigen Playoffs war man dann jedoch bereit. Einmal mehr zeigt es sich, dass 30 Qualirunden mehr als genug sind. Ansonsten nur die ersten 4 in die Playoffs. So macht es jeden Falls keinen Sinn. Der 8. Platz von 12 darf nicht das Ziel sein. Nichtsdestotrotz: Gratuliere ZSC ! Antworten



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