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«Das Schweizer Eishockey hat sich stark entwickelt»

Von Adrian Ruch. Aktualisiert am 09.11.2010 2 Kommentare

Der sechsfache Stanley-Cup-Gewinner Mark Messier coacht das Team Canada, das am Dienstag in Kloten auf die Schweiz trifft. «Für Kanada gibt es keine einfachen Spiele», sagt er im Interview.

Mark Messier: «Es dauert nicht lange, bis ich die Fähigkeiten beurteilen kann.»

Mark Messier: «Es dauert nicht lange, bis ich die Fähigkeiten beurteilen kann.»
Bild: Keystone

Mark Messier

Der 49-Jährige gewann mit den Edmonton Oilers und den New York Rangers insgesamt sechsmal den Stanley-Cup. Er war zweimal MVP der National Hockey League und ist hinter Wayne Gretzky der zweitbeste Skorer in der NHL-Geschichte. Nun versucht er sich als Coach. Am Deutschland-Cup und am Spengler-Cup steht er beim Team Canada an der Bande. Zudem hat er sich zum Ziel gesetzt, einen Beitrag zur Reduktion der Kopfverletzungen im Eishockey zu leisten. Er wirbt daher für den neu entwickelten M11-Helm, der Schläge besser dämpft. Der EHC Biel versorgt als erster NLA-Klub seine Spieler mit diesem Kopfschutz.

Ist es für Sie als kanadische Eishockeylegende eine Strafaufgabe, das Team Canada in einem unbedeutenden Turnier wie dem Deutschland-Cup zu coachen?
Mark Messier: Für Kanada gibt es keine unbedeutenden Eishockeyturniere – die Erwartungen und der Druck sind immer hoch.

Interessieren sich die Fans in Ihrer Heimat während der NHL-Saison für die Ergebnisse der in Europa ausgetragenen Länderspiele?
Ja, absolut. Hockey Canada, der Verband, ist in eine wichtige Organisation. Die Resultate der Auswahlteams werden mit Interesse verfolgt. Gemäss unserem Selbstverständnis ist Kanada die weltbeste Eishockeynation. Dies wollen wir in jedem Match beweisen.

Hat die in Vancouver gewonnene Olympiagoldmedaille eine nachhaltige Wirkung auf das Land?
Ja, das hat sie. Im eigenen Land Olympiasieger zu werden, ist der ultimative Erfolg. Er hat den Menschen viel Selbstvertrauen gegeben, das sich auf viele andere Lebensbereiche auswirkt.

Wie wählen Sie die Spieler für den Deutschland- und den Spengler-Cup aus?
Es kommen fast nur in der Schweiz aktive Spieler infrage, weil hier in der fraglichen Zeit die Meisterschaft ruht. Bei der Auswahl habe ich mich stark auf Doug Shedden (Assistenzcoach von Messier und Trainer des EV Zug, die Redaktion) verlassen, der die Akteure regelmässig im Einsatz sieht.

Sie wissen über die Qualitäten der Akteure also kaum Bescheid.
Ich habe sie in letzter Zeit in der Tat nicht spielen gesehen, aber es dauert nicht lange, bis ich die Fähigkeiten beurteilen kann. Nach zwei Trainingstagen habe ich schon eine ziemlich klare Vorstellung von den Qualitäten meiner Leute.

Müssen Sie die Profis bitten, für das Team Canada zu spielen?
Nein, die meisten sind enthusiastisch. Der Verband behandelt die Spieler ausgezeichnet, er lädt auch die Familien ein. Zudem: In welchem Job hast du schon die Gelegenheit, dein Land zu repräsentieren? Millionen von Kanadiern würden für die Chance sterben, mit dem Ahornblatt auf der Brust zu spielen.

Sie waren während Ihrer Karriere stets eine Leaderfigur. Inwiefern unterscheidet sich Ihre frühere Rolle von jener eines Coaches?
Der Coach trifft die Entscheidungen, der Spieler hat die Pflicht, diese Entscheidungen zu akzeptieren – das ist der Hauptunterschied. Wichtig ist, dass der Trainer und der Captain als verlängerter Arm eine gute Beziehung haben. Nur so lassen sich Erfolg realisieren.

Haben Sie die Entscheidungen Ihrer Coaches stets akzeptiert?
Selbstverständlich war ich nicht immer einverstanden. Entscheidend für einen Coach ist aber, dass er dem Team den Glauben vermittelt, sich in die richtige Richtung zu bewegen. Spieler sind fast wie Aktionäre; wenn sie spüren, dass der Coach die gleichen Interessen vertritt, vertrauen sie ihm und seinen Entscheidungen.

Können Sie Ihre Spieler leichter überzeugen, weil Sie selber viel erreicht haben?
Vielleicht bekomme ich anfangs etwas mehr Aufmerksamkeit, aber die wird rasch nachlassen, wenn ich der Mannschaft nichts Substanzielles zu erzählen habe. Die Spieler sind schlau genug, damit sie rasch merken, ob der Coach etwas zu bieten hat.

Die Episode ist legendär: Ihnen gelang 1994 in den NHL-Playoffs für die New York Rangers ein Hattrick, nachdem sie öffentlich einen Sieg gegen New Jersey garantiert hatten. Werden Sie auch als Coach Siege garantieren, um das Team zu motivieren?
(lacht) Nein, das mache ich sicher nicht. Auf der Bank habe ich weniger Einfluss auf das Spiel als auf dem Eis.

Was halten Sie vom Schweizer Eishockey?
Eine ganze Menge. Das Schweizer Eishockey hat sich stark entwickelt. Die Schweizer haben ihre ganze Eishockeykultur verändert; sie arbeiten auf dem Eis sehr hart und spielen mittlerweile extrem körperbetont. In gewisser Hinsicht erinnern uns die Schweizer an uns. Heute kann ein Sieg gegen die Schweiz selbst Kanada nicht mehr als gegeben betrachten.

Das hat man im Frühjahr an der WM in Deutschland gesehen.
Die Schweiz machte gegen uns das beste Spiel. Doch wir sind uns das gewohnt – alle wollen uns schlagen. Für Kanada gibt es keine einfachen Spiele.

Gefällt Ihnen diese Herausforderung?
Dieser Verantwortung muss sich jeder Akteur bewusst sein. Wer das Ahornblattshirt überstreift, spielt nicht für sich. Er verteidigt eine 100 Jahre lange Tradition des Erfolgs und den Stolz eines ganzen Landes.

Sie gewannen an der Seite Wayne Gretzkys vier Stanley-Cups. Wie ist Ihre Beziehung heute?
Ausgezeichnet. Wayne und ich sind wie Brüder. Ich bin Götti von einem seiner Kinder. Leider sehen wir uns aufgrund unserer Tätigkeiten nicht mehr so oft wie früher.

Gretzky gilt als bester Spieler in der Geschichte. Könnte er das Eishockey heute auch noch dominieren, obwohl es schneller und härter geworden ist?
Ich denke nicht, dass Eishockey heute physischer ist. Ich erinnere mich an einen Match, als er gegen Philadelphia, das härteste Team der NHL, drei Tore und drei Assists buchte. Härte störte Gretzky nicht – im Gegenteil: Er war in den intensivsten Partien am besten. Er wäre auch heute Topskorer.

Welche Fähigkeiten machten Gretzky zum Besten der Besten?
Seine überragende Technik, seine fantastische Übersicht, sein unvergleichlicher Siegeswille. Er war nicht der Schnellste und doch stets zuerst am Puck, er schoss nicht besonders hart und traf doch reihenweise von der blauen Linie. Bezüglich Eishockeyintelligenz war er auf einem ganz anderen Niveau. Es hat noch nie jemand so gespielt, und es wird nie mehr jemand Eishockey spielen wie Gretzky.

Und wer ist heute der Beste?
Mir gefällt Sydney Crosby am besten. Doch nur weil ich das sage, muss es nicht stimmen. Es gibt viele brillante Spieler.

Welche langfristigen Ziele verfolgen Sie als Coach?
Keine. Ich teste derzeit, ob mir diese Rolle Spass macht und ich einen sinnvollen Beitrag leisten kann. Sollte ich als Coach gut sein, schaue ich weiter.

Bekommen Sie denn in der NHL aufgrund Ihrer Verdienste und Ihres Namens keinen Trainerjob?
In der NHL bekommt niemand etwas gratis (lacht). Die NHL ist ein hartes Geschäft, die Manager stehen unter immensem Stress, Fehlentscheidungen haben sofort Konsequenzen. (Berner Zeitung)

Erstellt: 09.11.2010, 21:36 Uhr

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2 Kommentare

Fred Büchi

10.11.2010, 09:39 Uhr
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Der Unterschied zur Schweiz ist im Interview gut herausgearbeitet: Die kämpfen nicht um Geld, sondern um die Ehre ihres Landes. War gestern gut sichtbar. Die wissen auch, dass das Geld bei Leistung eintrifft - bei der Schuldenwirtschaft vieler Schweizer Klubs ist das anders. Da muss Zufriedenheit herrschen, wenn der Lehrmeister einmal geschlagen wird, dank kanadischer, russischer Entwicklungshilfe Antworten


Michael Horath

10.11.2010, 16:23 Uhr
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Es gilt anzumerken, dass früher das Toreschiessen wesentlich einfacher war als heutzutage. Damals hatten die Torhüter noch den Steh-au-- Style, da gab es durchschnittlich 15 Tore pro Spiel. Heute, wo die Torhüter den Butterfly-Style haben, ist es viel schwieriger geworden, ein Tor zu schiessen. Ergo: Man kann nicht sagen, dass Gretzky der beste war. Lemieux war es genau so, und er hatte Krebs! Antworten



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