Die Putzfrauen-Affäre

Eine von der Fifa gegründete Firma will die Wohnung von Generalsekretärin Samoura stundenlang geputzt haben. Jetzt gibts Streit ums Geld.

Was steckt hinter der Geschichte um die Reinigungsrechnung bei Fatma Samoura?<br />Foto: Fifa, Getty Images

Was steckt hinter der Geschichte um die Reinigungsrechnung bei Fatma Samoura?
Foto: Fifa, Getty Images

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Neue Turbulenzen am Zürichberg. Dieses Mal gehts um die Wohnungsreinigung von Fatma Samoura. Die Fifa-Generalsekretärin wohnt offenbar ziemlich hübsch in Küsnacht, Seeanstoss.

Für ihre Wohnung hat sie das Recht auf einen Reinigungsdienst. Zuständig beim Weltfverband ist dafür die SCJ ­Personal Services AG. Die Firma wurde 2006 im Auftrag des damaligen Präsidenten Sepp Blatter gegründet, um die Gebäude des Weltverbands zu unterhalten. SCJ arbeitet ausschliesslich für die Fifa und hat 64 Angestellte.

Lappalie im Milliarden-Reich

Fünfmal wöchentlich sollte bei Samoura jeweils zwei Stunden geputzt werden. Ab Vertragsbeginn Mitte August bis Ende 2016 wären so knapp 200 Arbeitsstunden à 28 Franken und Gesamtkosten von gut 5000 Franken ­entstanden. Tatsächlich haben die ­Wirtschaftsprüfer von PWC dann von der Fifa bezahlte Zusatzkosten von 28'183 Franken festgestellt.

Im Milliarden-Reich der Fifa ist dieser Betrag schon fast eine Lappalie, in der Buchhaltung soll deshalb auch nicht aufgefallen sein, dass die Zahlungen weit von der vertraglichen Vereinbarung abwichen. Doch seit das deutsche Nachrichtenmagazin «Der Spiegel» die Geschichte diese Woche publik gemacht hat, stecken gleichwohl Zunder und Emotionen drin.

Wieso eigentlich? Weil die Putz­frauen-Rechnungen die öffentlich verbreitete Meinung vom Luxusleben der Fifa-Spitzenfunktionäre bedienen. Weil sich die Aussagen der Beteiligten und nahen Beobachter diametral wider­sprechen. Und vielleicht auch, weil es nur darum gehen könnte, die von Fifa-­Präsident Gianni ­Infantino ausgewählte Samoura zu diskreditieren. Die zuvor fussballfremde und von der UNO ge­kommene Senegalesin hat im Umfeld des Verbands einige Feinde. Der stärkste Vorwurf: Sie sei von den Aufgaben überfordert. Vielleicht aber ist ihr Haupt­problem bei einigen Männern auch nur, dass sie eine Frau ist, die trotz wenig Branchenkenntnissen selbstbewusst auftritt.

60 statt 10 Stunden geputzt?

Stimmen die Abrechnungen, wäre ­Samouras Wohnung nicht 10 Stunden, sondern 60 Stunden pro Woche poliert worden. Wie es zu so vielen Stunden kommen konnte, ist die Frage an Samoura. «Das versuchen wir auch herauszufinden», antwortet sie am Telefon und schiebt nach: «Fragen Sie doch beim ­Institut nach.» Die Senegalesin ist offensichtlich genervt.

In den wenigen Sätzen, die sie unter Zeitdruck loswird, sagt Samoura zwar nicht, SCJ habe falsch abgerechnet. Der Verdacht aber steht auf Fifa-Seite im Raum. Der Weltverband hat PWC jetzt damit beauftragt, alle SCJ-Abrechnungen von 2016 zu prüfen. Falls das Revisionsunternehmen Fehler findet, wird es nach weiteren Unstimmigkeiten in den Vorjahren suchen. Gerade aber weil die Fifa falsche Abrechnungen nicht ausschliesst, wirft ein Vorgang Fragen auf.

Nachdem PWC die bereits bezahlten Zusatzkosten entdeckte, überwies Samoura der Fifa die 28 183 Franken von ihrem eigenen Konto. Wieso hat sie das getan, bevor die Rechmässigkeit der ­Forderung abgeklärt ist? Weil es grund­sätzlich nicht gehe, dass die Fifa für sie ohne Vertragsgrundlage etwas bezahle, lautet ihre Begründung. Weil sie die Reinigungskräfte schlicht über die ver­traglich vereinbarten Leistungen hinaus für allerhand Aufgaben aufgeboten hat, berichten Ihre Kritiker.

Der Blatter-Begleiter redet nicht

Interessant ist, wer hinter der SCJ steht. Es ist Charles Botta, dessen Ehefrau Christine – auch eine Oberwalliserin – einst Blatters Assistentin war. Bau­experte Botta überwachte für die Fifa teilweise gegen Millionenhonorare Neu- oder Umbauten wie beim Fifa-Museum oder bei diversen WM-Stadien, auch für Russland 2018 hat er ein Mandat. Laut «10vor10» waren die Verträge zwischen Bottas Management Group AG und der Fifa ohne Vergleichsofferte abgeschlossen worden. Laut gut unterrichteten Quellen haben Infantinos engste Mitarbeiter Bottas Leistungen und Abrechnungen in Bauangelegenheiten ebenfalls durchleuchtet.

Die Hauswarts-, Reinigungs- und Unterhaltsarbeiten hat die Fifa vor kurzem neu ausgeschrieben, sie will offenbar Kosten sparen. Unmittelbar danach soll jemand dem «Spiegel» die Putzfrauen-Affäre gesteckt haben.

Die SCJ mit Anschrift in einem Fifa-Gebäude gleich neben dem Restaurant Sonnenberg schreibt in einer Stellungnahme zu ihren Leistungen: «Wir haben die geltenden vertraglichen Regelungen stets und in jeder Hinsicht eingehalten und unsere vertraglichen Verpflichtungen/Aufgaben zur vollen Zufriedenheit des Vertragspartners/Kunden erfüllt.» Zur möglicherweise falschen Rechnungsstellung oder den erbrachten Zusatzleistungen wollte die Firma keinen Bezug nehmen mit der Begründung, der Vertrag mit der Fifa enthalte eine Vertraulichkeits­vereinbarung. Aus dem gleichen Grund äussert sich auch Botta nicht öffentlich.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 19.05.2017, 23:09 Uhr

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