Diagonaler Schlussakkord

Taktik und Strategie, so könnten Grädel's Mittelnamen lauten. Seine Gedanken zum 0-0-10 System könnten den Fussball revolutionieren.

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Als Grädel selbst noch auf dem grünen Rasen aktiv war, fanden sich seine Mannschaften nie in der Situation, fünf Runden vor Schluss das Ziel bereits erreicht und den Tabellenplatz gegen vorne und hinten abgesichert zu haben – nein, zumeist ging es damals darum, auf durchweichten Provinzplätzen den Absturz von der absoluten in die totale Bedeutungslosigkeit zu verhindern. Wenn sich für diese Mission an einem Wochenende überhaupt elf Unerschrockene fanden, war das bereits ein kleines Erfolgserlebnis. Aufstellung und Taktik ergaben sich dann von selbst.

YB muss nicht mehr kämpfen, bloss noch ein bisschen mitmachen. Eine wunderbare Ausgangslage für ein paar Experimente und Schabernack in der Aufstellung auch hier, findet Grädel. 3-5-2 ist mutig. 3-4-3 ist sehr mutig. 0-0-10 ist nur etwas für übermütige Haudegen, und genau dieses System schlägt Grädel für die verbleibenden Spiele vor. Einfach mal zehn nominelle Stürmer auf den Platz stellen. Taktikexperte Grädel hat einschlägige Seiten im Internet konsultiert und daraus eine todsichere Strategie extrahiert.

Sofern es nämlich gelingt, ständig eine Überzahl zu bilden und mit invers agierenden Flügelspielern die Seiten für Überladungen zu nutzen, ist Grädels System ein Sieggarant. Natürlich müssen dabei die abkippenden zentralen Spieler im aufgefächerten Mitteldreieck einen offenen Rhythmus der gegnerischen Mannschaft und gleichzeitig diagonale Durchbrüche verhindern; im Gegenzug können sich die ballfernen Flügelspieler in diesen Phasen auf den Seiten ausruhen (das hat Grädel zu seinen Zeiten oft über 90 Minuten perfekt umgesetzt). Mit jagender Ballorientierung kann auch verhindert werden, dass der Gegner das Pressing ins Leere laufen lässt. Nach Balleroberung ist es in dem System allerdings zentral, dass in den verschobenen Strukturen die Zwischenlinienräume konsequent genutzt werden und der Pärchenbildungsmechanismus zwischen den Stürmern eingespielt ist; mit aus der verschobenen Struktur herauskippenden Bewegungen und anschliessendem konsequentem Ausnutzen der seitlichen Überladung wird jeder Gegner ausgehebelt, und mit einem diagonalen Schlussakkord in die Zone wird die defensive Ordnung des Gegners aufgelöst. Das ist für jeden Spieler ganz einfach zu begreifen, Herr Hütter, nur Mut!

PS: Abkippende Spieler waren zu Grädels Zeiten einer der Hauptgründe für die oftmals dünne Personaldecke. Aber das ist eine andere Geschichte. (Der Bund)

Erstellt: 11.05.2017, 07:02 Uhr

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