Hoeness: «Diese Summen sind völlig gaga»

Der Bayern-Präsident redete am Rand eines Auftritts in Interlaken über seine Zeit im Gefängnis. Und er ärgert sich über die Fifa und den Fussball in China.

Skeptisch: Uli Hoeness findet die 48er-WM einen Gräuel.

Skeptisch: Uli Hoeness findet die 48er-WM einen Gräuel. Bild: Keystone

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Am Montag reiste Uli Hoeness mit Sponsoren ins Trainingslager des FC Bayern nach Katar, am Dienstag flog er nach Zürich, und am Mittwoch redete er beim Alpensymposium in Interlaken für 25'000 Euro darüber, wie er den FC Bayern seit seinem Einstieg als Manager 1979 zum globalen Unternehmen mit über 600 Millionen Euro Umsatz trimmte. Wie immer bei solchen Gelegenheiten liess er seine Gage direkt an ein soziales Hilfswerk überweisen. Es sind so schon mehrere Millionen Euro zusammengekommen.

Seit vergangenem November und nach 21 Monaten Haft wegen Steuerhinterziehung ist Hoeness wieder Bayern-Präsident. In Interlaken sprach der 65-Jährige an einem Round-Table-Gespräch mit Journalisten und in Einzelgesprächen auch über seine Zeit in der Justizvollzugsanstalt Landsberg sowie die jüngsten Entwicklungen im Weltfussball.

Die Zeit in Haft habe ihn «noch sozialer», nachdenklicher und auch gelassener werden lassen, er rege sich nicht mehr so schnell auf. Wenn es aber ernst werde, dann könne er schon weiterhin energisch seine Position vertreten. Und das tat er dann auch.

«Dieser Wahnsinn in China muss schnell aufhören»

Es passt dem Weltmeister von 1974 erstens überhaupt nicht, dass chinesische Fussballclubs den Transfermarkt mit Millionen fluten. Zweitens ist ihm die von der Fifa von 32 auf 48 Mannschaften aufgeblähte WM ein Gräuel.

Chinesische Fussballclubs hatten zuletzt Spieler internationaler Klasse wie den Belgier Witsel, den Brasilianer Oscar oder den Argentinier Tevez mit Ablösesummen von bis zu 70 Millionen und Jahressalären von bis zu 40 Millionen Euro ins fussballerische Entwicklungsland gelockt.

Ob er sich aufrege über die von den Chinesen bezahlten Summen, war eine Frage an ihn. Hoeness antwortete: «Das regt mich nicht auf, das macht mir ganz grosse Sorgen und richtig Angst.» Der Fussball werde durch solche Zahlungen in seinen Grundfesten erschüttert. «Die Chinesen schmeissen mit Geld um sich. Sie bieten Summen, die völlig gaga sind. Wenn daraus nun ein Tagesgeschäft wird, geht der Fussball kaputt.»

Hoeness berichtete auch von Bayern-Spielern, die bereits angefragt worden seien. Er könnte es keinem seiner Profis verübeln, wenn sie bei solchen Einkommensmöglichkeiten über einen Transfer nachdenken würden. Bis jetzt aber sei «Gott sei dank» noch keiner den Verlockungen erlegen. Trotzdem findet Hoeness: «Dieser Wahnsinn in China muss ganz schnell aufhören, sonst kommt vielleicht der Tag, an dem einer unserer Spieler sagt: ‹Jetzt will ich doch gehen.›»

Aufstockung? Gift fürs Spielniveau

Hoeness findet, dass die chinesischen Clubs mit ihren schwerreichen Firmen im Rücken nicht legitimiert seien für solche Transfers, weil sie für den Fussball bisher nichts geleistet hätten. «Uns aber, die das ganze Fussballgebilde aufgebaut haben, wird der Fussball kaputt gemacht.»

Er hofft, dass der chinesische Staatspräsident wie jüngst angekündigt tatsächlich einschreitet und die Transfers stoppt. Und er erwartet auch, dass der Weltverband Fifa im Sinne des Financial Fairplays, wie es die Uefa bereits kennt, aktiv wird: «Die Fifa würde sich lieber darum kümmern, als so einen Wahnsinn zu machen wie 48 Mannschaften zur WM zu schicken.»

Wozu wesentlich mehr Endrunden-Teilnehmer führten, hätte man bei der von 16 auf 24 Teams aufgestockten EM 2016 sehen können: Das Turnier sei «für die Völkerverständigung» gut gewesen, «aber Spitzensport, den ich sehen will, gab es nicht. So ist es für die WM 2026 auch zu befürchten.» (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 11.01.2017, 17:13 Uhr

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