Sport
YB-Chef Kaenzig malt schwarz
Von Ruedi Kunz. Aktualisiert am 01.05.2012 7 Kommentare
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Tag eins nach der Entlassung von Christian Gross: Rund 50 Journalisten waren um die Mittagszeit ins Stade de Suisse gekommen, um zu hören, was der Ex-YB-Trainer zu seinem unfreiwilligen Abschied zu sagen hatte.
Kaum hatte Gross den Medienmarathon hinter sich, betraten jene Personen den Raum, die ihn keine 24 Stunden zuvor nach Absprache mit den Investoren freigestellt hatten: Illja Kaenzig, CEO und Delegierter des Verwaltungsrates, und Hansruedi Hasler, Technischer Direktor. Die beiden Führungskräfte machten Gesichter, als kämen sie direkt von einer Beerdigung. Er fühle sich nach zwei extremen Tagen «emotionell leer», sagte Kaenzig einleitend.
Anschliessend führte er aus, wieso die Klubleitung nach nur 10 Monaten die Geduld verlor mit dem einstigen Wunschtrainer. «Wir sind in den letzten Wochen extrem vom Kurs abgekommen.» So wie sich die Mannschaft zuletzt gegen Lausanne, GC und Servette präsentiert habe, sei das Schlimmste zu befürchten gewesen. Noch mehr Niederlagen, noch weniger Zuschauer, noch mehr unzufriedene Sponsoren, ein noch grösseres Loch in der Kasse. Im schlimmsten Fall hätte «der wirtschaftliche Kollaps» gedroht, malte Kaenzig schwarz.
Der Verdruss der Investoren
Ganz so schlimm dürfte sich die Situation bei YB nicht präsentieren, da der Klub mit Andy und Hans-Ueli Rihs auf Investoren zählen kann, die über erhebliche finanzielle Mittel verfügen und als seriöse Geschäftsleute gelten. Doch es gibt Anzeichen, als hätten es die radsportbegeisterten Brüder langsam satt, ständig die Hausbank von Gelb-Schwarz zu spielen. Seit längerem ist bekannt, dass sie das Stade de Suisse abstossen würden, wenn ihnen ein Käufer oder eine Käufergruppe genügend bezahlt für ihr Investment. Die Rede ist von 100 Millionen Franken.
Noch sind die Brüder Rihs in Bern – und mit ihnen der dritte Investor, Benno Oertig. Der in- wie extern umstrittene Verwaltungsratspräsident, der im Stade de Suisse ein Büro hat, war am Medientermin nicht zugegen. Gerne hätte man vom bekennenden Gross-Fan gewusst, wie es nach der Entlassung des teuren Coaches weitergeht. Und wie fest Kaenzig noch im Sattel sitzt, der bisher weitgehend glücklos agierte als YB-CEO.
Oertig wolle sich nicht in den Vordergrund drängen, verteidigte Kaenzig den VR-Präsidenten. Was so nicht ganz stimmt: Als Emmanuel Mayuka im Februar zu YB zurückkehrte, liess es sich Oertig nicht nehmen, dem Afrika-Cup-Sieger medienwirksam zu gratulieren.
«Niederlage für den ganzen Klub»
Kaenzig mag das frühzeitige Scheitern des Gross-Experimentes nicht allein auf seine Kappe nehmen. «Es ist eine Niederlage für den ganzen Klub, nicht nur für mich», erklärte er gestern. Auch verneinte er, dass ihm und Hasler offensichtliche Fehler unterlaufen seien. «Ich wüsste nicht, was wir anders hätten machen sollen.»
Kaenzig will nun einen Moment durchschnaufen, bevor er sich in Zusammenarbeit mit Hasler und Scouting-Chef Ingo Winter einen geeigneten Coach für die hoch talentierte, aber mental schwächelnde Equipe sucht. Klar ist, dass er sich nicht mehr in der Preisklasse von Gross bewegen wird, der mit einem Millionenvertrag ausgestattet worden ist. Und fest steht auch, dass der neue Mann an der Linie nächste Saison mit dem Spielermaterial arbeiten soll, welches aktuell unter Vertrag steht. (Der Bund)
Erstellt: 01.05.2012, 06:50 Uhr
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7 Kommentare
Ein wahrliches Trauerspiel. Kaenzig behauptet keine offensichtlichen Fehler gemacht zu haben. Nicht dramatisch, Kaenzig hat natürlich - wie Hasler auch - offensichtliche Fehler begangen. Dass Kaenzig aber nicht dazu steht, ist unprofessionell. Es war Kaenzig, der die (zu) hohen Erwartungen immer wieder geweckt und betont hat. Auch ein Gross wird nicht in der ersten Saison einen Titel holen. Naiv! Antworten
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