Sport
YB erhält Schuss vor den Bug
Von Peter Herzog. Aktualisiert am 24.04.2012
Das ist dicke Post für den BSC Young Boys: Die Lizenzkommission der Swiss Football League (SFL) verweigert dem Klub die Lizenz für die Saison 2012/13. Dieser Schuss vor den Bug sorgt bei den Betroffenen für Aufregung. Von den Verantwortlichen wollte gestern gegenüber dem «Bund» niemand Stellung nehmen, mit dem Argument, es handle sich um ein hängiges Verfahren.
Sie verschanzten sich hinter einer Medienmitteilung: «Für diesen – für YB überraschenden – Entscheid wurden fehlende Garantien aufgeführt. Der BSC Young Boys wird nun in Absprache mit der Swiss Football League frist- und formgerecht gegen die Nicht-Erteilung der Lizenz Rekurs einlegen», schreibt der Klub in einer Erklärung. «Wir gehen fest davon aus, dass die Lizenz zweitinstanzlich Mitte Mai erteilt wird. Auf die sportlichen und wirtschaftlichen Planungen im Hinblick auf die nächste Saison hat dieses Vorgehen keinen Einfluss.»
Für YB eine Formsache
Die verschärften Kriterien, welche die Lizenzkommission anwendet, haben die YB-Chefetage offenbar auf dem falschen Fuss erwischt. Details zur Causa YB wollte auch Bernhard Welten, Präsident der Lizenzkommission, nicht nennen. Generell hielt er fest: «Wir setzten bei der Beurteilung strengere Massstäbe an. Dazu haben sicher auch die Fälle von Xamax und Servette beigetragen.» Die sogenannten Defizitgarantien würden nicht mehr reichen, «wir verlangen unwiderrufliche Zahlungsversprechen», sagte Welten, «das sind Bankgarantien oder Garantien von Privatpersonen». Auch Servettes ehemaliger Präsident und Hauptaktionär Majid Pishyar habe vor einem Jahr Defizitgarantien abgegeben. «Doch dann hat er sich geweigert, weiter zu zahlen, und der Klub ist nun vom Konkurs bedroht.»
Im Fall von YB kann man sich nun vorstellen, dass Finanzchef Seiler den Hauptaktionären und Milliardären – den Brüdern Rihs – telefonieren wird und sie bittet, diese «unwiderruflichen Zahlungsversprechen» schriftlich festzuhalten. Dann wird für YB der Fall erledigt sein. In ihrer Medienmitteilung schreibt YB weiter, der Klub begrüsse «die sehr strenge Vorgehensweise der Lizenzierungskommission.»
Bieler Stadionproblem
Aus der Super League haben auch der FCZ, Sion und Servette die Lizenz in erster Instanz nicht erhalten. In der Challenge League sind sieben Klubs ohne Lizenz für die kommende Saison, darunter der FC Biel und drei Vereine aus dem Tessin (Bellinzona, Lugano und Chiasso). Bei Biel ist die Stadionfrage das grosse Problem.
Vor einem Jahr erhielten alle 10 Vereine der Super League die Lizenz in erster Instanz – mit der Konsequenz, dass in der laufenden Saison Xamax Konkurs ging, Sion sich nicht an die Verbandsinstanzen hielt und Servette an den Rand des finanziellen Kollapses schlidderte. So erstaunt es nicht, dass die Lizenzkommission nun genauer auf die eingereichten Unterlagen schaut. Die betroffenen Vereine haben innerhalb von fünf Tagen die Möglichkeit, gegen den Entscheid Rekurs einzureichen. (Der Bund)
Erstellt: 24.04.2012, 06:59 Uhr
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