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«Wir von YB wollen die Besten sein»

Von Peter Bühler. Aktualisiert am 01.02.2012 10 Kommentare

Ilja Kaenzig, Delegierter des Verwaltungsrates, erinnert sich an die grossen Zeiten der Young Boys und will die titellose Zeit des Berner Fussballvereins endlich beenden.

Transferzeit war Reisezeit: YB-Manager Ilja Kaenzig auf dem Zürcher Flughafen.

Transferzeit war Reisezeit: YB-Manager Ilja Kaenzig auf dem Zürcher Flughafen.
Bild: Dominique Meienberg

Ilja Kaenzig, was sagt Ihnen der Name Robert Prytz?
Ich war zwar erst 13-jährig, als Prytz mit YB 1986 Meister wurde, aber ich habe diesen Spieler in guter Erinnerung. Er war bullig, fast ein wenig rundlich, aber er hatte Klasse.

Welche Namen aus jener letzten YB-Meistermannschaft sind Ihnen noch bekannt?
Lars Lunde natürlich, Georges Bregy, Urs Zurbuchen oder Tinu Weber, der heute im YB-Beirat sitzt. Die Bilder aus jener Zeit sind im YB-Museum im Stade de Suisse allgegenwärtig.

Waren Sie vor 25 Jahren YB-Fan?
Nein, mein Herz schlug für Servette. Der verlorene Cupfinal von Servette gegen YB 1987 hat mich besonders geschmerzt. Servette – das war für mich schöner, technisch hochstehender Fussball. Die Genfer waren damals in der Deutschschweiz viel populärer als heute. Es war der zweite grosse Verein neben GC. Mein persönlicher Held war Erich Burgener.

Jener Cupsieg war der letzte Titel von YB überhaupt.
Ich war mit meinem Vater im Wankdorf live dabei. Es war ein dramatisches Spiel, YB gewann 4:2 in der Verlängerung. (lacht) Aber eigentlich war Servette besser gewesen.

Und heute haben Sie als Delegierter des Verwaltungsrates den Auftrag, endlich wieder einen Titel nach Bern zu holen. Ist das in dieser Saison überhaupt noch möglich?
Wir liegen 11 Punkte hinter Basel. Im Fussball ist zwar alles möglich, aber ich bin kein Träumer. Unser Ziel ist es, in der Rückrunde jedes Spiel zu gewinnen. Aber wegen des Ausscheidens von Xamax stehen nur noch 16 Partien an. Basel müsste also praktisch jedes dritte Spiel verlieren, um von uns allenfalls noch abgefangen zu werden. Ich denke, die Meisterschaft ist für Basel gelaufen.

Was ist denn das konkrete Ziel von YB in der Rückrunde?
Wir wollen besser, spektakulärer und erfolgreicher spielen als im letzten Jahr. Wir wollen uns natürlich für die Europa League qualifizieren. Und wir wollen eine solide Grundlage für die nächste Saison legen. Hansruedi Hasler (Anm.: Technischer Direktor bei YB) pflegt immer zu sagen: Wie man die Rückrunde beendet, startet man auch in die neue Saison. Wir brauchen also dringend bessere Resultate.

Was lief schief in der Vorrunde?
Christian Gross hat bei YB für einen Kulturwandel gesorgt. Er arbeitet unglaublich hart und führt die Mannschaft komplett anders als seine Vorgänger. Er stellt tagtäglich höchste Ansprüche an die Spieler. Einige waren damit überfordert. Jene, die auf Dauer mit der Leistungskultur von Gross nicht klarkommen, sind bei YB fehl am Platz. Wer Gross verpflichtet, weiss, wen er verpflichtet hat: einen Winnertypen, der alles tut für den Erfolg – und alle müssen mitziehen.

Bis anhin ist Gross bei YB alles andere als ein Winnertyp.
YB musste einsehen, dass Gross nicht einfach daherkommen kann, und schon wird die Mannschaft auf Anhieb Meister. Auch Gross braucht ein wenig Zeit, bis seine Methoden zum Erfolg führen.

Ist Gross nach einem halben Jahr in Bern angekommen?
Ja. Er geniesst enormen Respekt, er war ja nicht umsonst schon neun Mal Schweizer Trainer des Jahres. Aber seine Ansprüche sind riesig, er akzeptiert keine Niederlagen, sondern nur Siege. Er arbeitet wie ein Spitzentrainer in der Bundesliga. Damit hatten und haben in Bern viele ihre Mühe.

Trotz der bescheidenen Erfolge ist das Interesse an YB gross. Der Zuschauerschnitt in der Vorrunde war mit 23'500 höher als vor einem Jahr, und schon jetzt sind über 12'000 Jahreskarten verkauft worden. Was macht die Faszination YB aus?
YB ist in Bern eine Institution. Das Berner Publikum ist ausgesprochen treu. Der Berner beschwert sich, wenn YB schlecht spielt, aber er kommt immer wieder ins Stadion und hofft auf bessere Zeiten. YB lässt die Berner nie gleichgültig. Denn wenn einem etwas egal ist, regt man sich darüber ja nicht mehr auf. (schmunzelt) Noch klagen die Berner häufig über YB. Aber die Hoffnung stirbt bei ihnen nie.

Man muss diesen Leuten auch einmal etwas zurückgeben: den Erfolg.
Das ist so. Wir müssen noch mehr dafür tun als bis anhin, wir müssen besser werden, wir müssen diese Leute endlich belohnen. Die jahrelangen Enttäuschungen müssen ein Ende finden.

Spüren Sie die Sehnsucht der Berner nach einem Titel für YB?
Seit ich vor eineinhalb Jahren zu YB kam, ist dies das dominierende Thema. Ein Titel wäre der Durchbruch, er würde die Verkrampfung in den Köpfen lösen, er würde alle befreien. Mir hat ein alteingesessener Berner gesagt, zu einer Meisterfeier von YB würden 200'000 Leute kommen.

Die millionenteure Verpflichtung von Raúl Bobadilla zeigt, dass die YB-Investoren den Meistertitel energisch anstreben.
Er war unser Wunschspieler. Mit ihm haben wir nun einen Spitzenstürmer verpflichtet, ein Kaliber, wie es sich Gross seit langem wünschte. Aber ich denke, wir haben schon vor Bobadilla gute Transfers gemacht.

Ist Ihnen mit Bobadillas Verpflichtung ein Volltreffer gelungen?
Das wird sich weisen. Wir waren einfach schneller als die Konkurrenz. Klar ist für mich: Er wird bei YB viel bewegen.

Und für YB dereinst den Meistertitel möglich machen?
Zusammen mit uns allen, ja. Wir von YB wollen die Besten sein. An der Benchmark YB sollen sich einmal alle orientieren müssen. YB soll der Massstab für gute Arbeit sein, Topqualität abliefern. Dafür arbeite auch ich hart.

Und wenn YB nicht bald Meister wird, wird das auch auf den Geschäftsführer zurückfallen?
Das ist so. Die Aufgabe als CEO bei YB ist total spannend, aber auch endlich. (lacht) Eigentlich ist der Job so riskant, dass ich eine Gefahrenzulage erhalten müsste. (Der Bund)

Erstellt: 01.02.2012, 07:11 Uhr

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10 Kommentare

Peter Demut

01.02.2012, 08:02 Uhr
Melden 17 Empfehlung

Nach einer total missglückten Vorrunde, würde ich mir nicht so dominante Töne erlauben. Im Gegenteil, ich würde meine Arbeit - z.B. der teure Traineraustausch - kritisch hinterfragen, bevor ich wieder von Benchmark YB fabuliere und grössenwahnsinnge Erwartungen schüre. Antworten


René Müller

01.02.2012, 11:58 Uhr
Melden 10 Empfehlung

Ich bleibe dabei: Gross ist ein grosser Trainer, aber der falsche Trainer für YB. Kaenzig der falsche CEO. Die Kaenzig/Gross die Konstellation wird in Bern nie aufgehen. Antworten



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