Sport

«Wir stehen nicht dort, wo wir sein wollten»

Von Ruedi Kunz. Aktualisiert am 24.12.2011 1 Kommentar

Hansruedi Hasler blickt auf ein bewegtes erstes Amtsjahr als Technischer Direktor des BSC YB zurück. Weil die Resultate zu wünschen übrig liessen, beschäftigte ihn die 1. Mannschaft weit stärker als erwartet.

1/6 Hansruedi Hasler blickt auf ein bewegtes erstes Amtsjahr als Technischer Direktor des BSC YB zurück.
Bild: Keystone

   

Hansruedi Hasler. Mit seinem Namen sind grosse Hoffnungen verbunden. Der Technische Direktor soll den Young Boys «eine Philosophie, eine Strategie und einen Spielstil vorgeben». So hat sich CEO Ilja Kaenzig zitieren lassen, als er den Seeländer im Spätherbst 2010 präsentierte. Nach nahezu einem Jahr im Amt sagt Hasler zu diesem Thema: «Zurzeit sind wir daran, das Athletikprogramm in der Nachwuchsabteilung neu zu definieren. Wir brauchen weniger Training im Kraftraum, dafür mehr auf dem Platz.»

Der 64-Jährige hat rasch realisiert, dass die Uhren bei einem Super-League-Club mit hohen Ambitionen anders ticken als beim Schweizerischen Fussballverband, wo er während vieler Jahre gearbeitet hat. «Die erste Mannschaft beschäftigte mich Tag für Tag. Beim Verband hatte ich viel mehr Zeit, mich um längerfristige Projekte wie die gezielte Nachwuchsförderung zu kümmern.» Die grösste Herausforderung sei gewesen, sich neben den Belangen des Fanion-Teams auch um die anderen Projekte zu kümmern.

Der Technische Direktor nimmt im folgenden Stellung zu diversen Dossiers, die ihn 2011 auf Trab hielten:

Erste Mannschaft

«Wir stehen nicht dort, wo wir sein wollten. Das Ausscheiden in der Europa League und im Cup ist eine grosse Enttäuschung. Wir hatten zu viele Spieler, die nur durchschnittliche Leistungen abrufen konnten. Zum Teil mag das mit dem Kulturwandel zu tun haben, den Christian Gross in die Wege geleitet hat. Die Spieler werden zeitlich und mental stärker beansprucht unter seiner Führung.»

Bienvenus Transfer in die Türkei

«Henri Bienvenu hätten wir wie Senad Lulic gerne behalten. Doch YB ist ein Unternehmen, das nach wirtschaftlichen Kriterien funktioniert. Wir von der sportlichen Abteilung müssen unseren Beitrag leisten, damit Einnahmen und Ausgaben im Gleichgewicht bleiben. Nach dem Ausscheiden in der Europa League hatten Christian Gross und ich das Gefühl, dass wir mit den verbleibenden drei Stürmern klarkommen sollten in der Vorrunde.»

Transfers in der Winterpause

«Wir beobachten seit etlichen Wochen Stürmer aus verschiedenen Ligen. Zu den Namen, die herumgeboten werden, nehme ich keine Stellung.»

Nachwuchsabteilung

«Im Nachwuchs hat es einige personelle Veränderungen gegeben. Die wichtigste Personalie war der Wechsel von Stefan Freiburghaus zu Erminio Piserchia an der Führungsspitze. Ein wichtiges Anliegen war mir, die Zusammenarbeit zwischen den Nachwuchstrainern zu verbessern und ihnen meine Spielphilosophie zu vermitteln. Mit der Arbeit der verschiedenen Trainerteams bin ich zufrieden. Was uns fehlt bei den Nachwuchsspielern, sind überragende Individualisten. Wir sollten fünf bis sechs Junioren-Nationalspieler haben pro Jahrgang, da in der Regel nur einer von ihnen den Sprung schafft nach ganz oben. Diese Schwäche versuchen wir mit einem gezielteren Scouting auszumerzen.»

Scouting

«Ein vollumfänglich funktionierendes Scouting im Nachwuchsbereich hat für die weitere Entwicklung von YB zentrale Bedeutung. Bei den Jüngsten konnten wir diesbezüglich einen grossen Schritt vorwärtsmachen. U-15-Trainer André Niederhäuser beobachtet seit dem Sommer mit 10 nebenamtlich tätigen Scouts die regionale Fussballszene. Wo wir immer noch Schwächen haben: Bei den 16- bis 18-jährigen.»

Zusammenarbeit mit anderen Clubs

«Die Zusammenarbeit mit dem FC Biel war zwischenzeitlich fast eingeschlafen. Nun versuchen wir sie wieder zum Leben zu erwecken. Auch das Verhältnis zum FC Thun und zum Team Bern West muss geklärt werden. Gut läuft es mit dem Team Tobe, das im letzten Sommer ins Leben gerufen wurde. Unbestritten ist auch, dass wir die Kontakte zu den Vereinen in der Region Bern vermehrt pflegen müssen. Patrick Bruggmann, unser Leiter Préformation, spielt bei diesem Prozess eine wichtige Rolle. Er fungiert als Verbindungsglied zwischen YB und den Clubs.»

Frauenfussball

«Wir würden gerne einen weiteren Schritt Richtung Professionalisierung machen. Aber das braucht Zeit. Heute geschieht sehr viel auf ehrenamtlicher Basis. Jacky Schweizer, die langjährige Leiterin des Frauenfussballs, hatte beispielsweise nur ein 20 Prozent-Pensum. Ihre Nachfolgerin Sophie Sillère ist ohnehin schon bei YB angestellt.»

Trainingsplätze

«Das ist ein leidiges Thema. Im Herbst bin ich sämtliche Fussballplätze in der Stadt Bern anschauen gegangen. Das war eine zeitaufwendige Angelegenheit. Nun zeichnen sich Lösungen ab auf verschiedenen Plätzen in der Stadt Bern und in der Umgebung. Wir werden mit den Nachwuchsteams am Morgen trainieren und den Trainingsbeginn am Nachmittag auf 15.30 Uhr oder 16.00 Uhr verlegen und vor allem in der Winterzeit vorwiegend auf Kunstrasen trainieren. Mit diesen Trainingszeiten kommen wir den Amateurclubs nicht in die Quere.»

Aufbau der Sportadministration

«Es gab schon vor meiner Ankunft mehrere Personen, die sich um den Spielbetrieb, Reisen, Hotels, Spielerwohnungen, Mietautos, Versicherungen etc. gekümmert haben. Diese Angestellten, die vorher zum Teil in verschiedenen Abteilungen tätig waren, haben wir nun zu einer Abteilung zusammengeführt, die von Claudia Birri geführt wird.» (Der Bund)

Erstellt: 24.12.2011, 09:37 Uhr

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1 Kommentar

Stefan Bienz

24.12.2011, 15:50 Uhr
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Früher brauchte man um einen Nagel einzuschlagen einen Hammer, einen Nagel und 30 Sekunden Zeit. -Heute braucht man eine, von einer Philosophie geleiteten Strategie, ein Projekt, vor dem Einschlagen des Nagels ein Konzept und der ganze Prozess wird dann noch mit zwei Sitzungen überwacht. -Alles viel zu kompliziert Herr Hasler! Antworten



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