«Wir haben ein grosses Problem»
Von Thomas Niggl. Aktualisiert am 26.10.2010 6 Kommentare
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YB spielte vor zwei Jahren unter Martin Andermatt und in der vergangenen Saison auch unter Vladimir Petkovic bis zur Finalissima gegen Basel um den Titel mit. Ist das Team durch dieses Trauma immer noch belastet? Anspruch und Wirklichkeit klaffen zurzeit auf dem sechsten Tabellenrang weit auseinander. Ilja Kaenzig, der neue starke Mann bei YB, ist seit Jahren im Geschäft und hat viele Erfahrungen bei GC und in Deutschland bei Leverkusen und Hannover gesammelt. Kaenzig kennt das raue Geschäft aus der Bundesliga. Der Vollprofi weiss nur zu genau, dass es im Business keine Kompromisse verträgt.
Es ist ihm durchaus zuzutrauen, dass er sich zu harten Entscheidungen durchringt. «Wir haben tatsächlich ein grosses Problem und das müssen wir aus dem Weg schaffen», sagt Kaenzig gegenüber DerBund.ch/Newsnet. Das Problem liegt auf der Hand: YB, einer der Favoriten auf den Meistertitel, hat zu wenig Punkte. «Die verlorenen Endspiele gegen Basel in den letzten Jahren könnte durchaus eines der Probleme darstellen», analysiert Kaenzig.
«Schnell im Schlamassel»
Einigen Spielern fehle deshalb heute möglicherweise der letzte Glaube an den totalen Erfolg. «Wenn man dann nur ein Prozent weniger gibt, kommt man schnell mal in den Schlamassel», sagt Kaenzig. Der Druck werde mit jedem Punktverlust immer grösser. Er sagt aber auch, dass YB einige Neuzugänge habe, die mit den verlorenen Endspielen überhaupt nichts zu tun hätten.
Kaenzig glaubt nach wie vor an seine Spieler und an Trainer Vladimir Petkovic. «Wenn wir mit dem Rücken zur Wand stehen, kann die Mannschaft immer wieder Topleistungen abrufen», sagt Kaenzig. Petkovic gelinge es immer wieder, die Mannschaft taktisch hervorragend einzustellen und zu motivieren. Allerdings lässt Kaenzig keine Ausreden betreffend Doppelbelastung in der Europa League gelten. «Wenn wir immer wieder die gleichen Gründe für den Misserfolg anführen, dann sind wir am Schluss Achter», sagt Kaenzig. Aber das könne es ja nicht sein. Dauert der Misserfolg an, wird Kaenzig zweifelsohne kompromisslos durchgreifen. «Es wird aber keinen Schnellschuss geben», versichert er. Man werde erst in der Winterpause in aller Ruhe eine Analyse machen und dann einen allfälligen Entscheid Treffen.
Wölfli bemängelt die Chancenauswertung
Torhüter Marco Wölfli mag nach dem enttäuschenden 1:1 zu Hause gegen Bellinzona indes nicht von einer Stagnation sprechen. Der Nationalspieler hat vielmehr eines der Hauptprobleme ausgemacht. «Manchmal könnte man als Torhüter schon verzweifeln, wenn man sieht, wie wir vorne im Angriff die Chancen vergeben», sagt der YB-Captain gegenüber DerBund.ch/Newsnet. YB spiele zwar oft sehr gut, sei aber vor dem Tor einfach nicht effizient genug.
«Wir müssen im Abschluss einfach viel kaltschnäuziger werden», fordert der Solothurner. An diesem Problem müsse schon im täglichen Training konsequent gearbeitet werden. Gegen Bellinzona habe man eine Reihe von besten Chancen ausgelassen. «Zur Pause hätten wir durchaus mit drei oder vier Toren in Führung liegen können», bedauert Wölfli. Im zweiten Durchgang sei Bellinzona dann hervorragend gestanden und gut organisiert gewesen.«Da kamen wir auch nicht mehr zu den grossen Chancen, berichtet er.
Wölfli warnt vor GC
Dass bei unbefriedigenden Resultaten im Umfeld eine gewisse Nervosität aufkomme, sei normal. «In der Mannschaft ist deshalb überhaupt keine Hektik ausgebrochen, wir arbeiten im Training ruhig und konzentriert», sagt Wölfli. Allerdings könne und dürfe man vorerst nicht über den Meistertitel sprechen. «Zuerst müssen wir den Anschluss an die Spitzenteams wieder finden und diesen ja nicht verlieren, sagt Wölfli. Am kommenden Sonntag gastieren die Grasshoppers in Bern.
«Auch wenn die Zürcher zurzeit am Tabellenende liegen, wird das ein ganz schweres Spiel für uns», warnt Wölfli. «GC hat zurzeit viele Verletzte zu beklagen, aber die Jungen wollen ihre Chance packen», sagt er. Diese Stärke habe GC in der Vergangenheit unter Trainer Ciri Sforza schon mehrmals bewiesen. (DerBund.ch/Newsnet)
Erstellt: 26.10.2010, 12:15 Uhr
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