«Wir dürfen uns nichts vormachen»
Von Ruedi Kunz, Peter Herzog. Aktualisiert am 18.05.2010 1 Kommentar
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Super League
36. Runde
| 23.05. | Basel - Young Boys | 1 : 2 |
| 23.05. | Lausanne - Grasshoppers | 2 : 1 |
| 23.05. | Sion - Luzern | 1 : 3 |
| 23.05. | Thun - FC Zürich | 2 : 4 |
Rangliste
| Name | Sp | S | U | N | G:E | P | |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | Basel | 34 | 22 | 8 | 4 | 78:33 | 74 |
| 2. | Luzern | 34 | 14 | 12 | 8 | 46:32 | 54 |
| 3. | Young Boys | 34 | 13 | 12 | 9 | 52:38 | 51 |
| 4. | Servette | 34 | 14 | 6 | 14 | 45:53 | 48 |
| 5. | Thun | 34 | 11 | 10 | 13 | 38:41 | 43 |
| 6. | FC Zürich | 34 | 11 | 8 | 15 | 43:44 | 41 |
| 7. | Lausanne | 34 | 8 | 6 | 20 | 29:61 | 30 |
| 8. | Grasshoppers | 34 | 7 | 5 | 22 | 32:66 | 26 |
| 9. | Sion | 34 | 15 | 8 | 11 | 40:35 | 17 |
| 10. | Xamax | 18 | 7 | 5 | 6 | 22:22 | 0 |
Stefan Niedermaier, die Niederlage gegen Basel muss Ihnen wehgetan haben?
Nach dem Spiel herrschte bei uns eine Art Lethargie, die Enttäuschung schien alle zu lähmen – vom Angestellten, der hilft, das Stadion sauber zu machen bis zu unserem Grossaktionär Andy Rhys. Ich sagte unseren Leuten: «Jetzt ist noch Zeit, traurig zu sein. Aber Morgen wird die Seite umgeblättert.»
Wie viel haben Sie von der Finalissima mitbekommen?
Nicht wirklich viel. Wenn wie am Sonntag über 30'000 Zuschauer im Stadion sind, bin ich vorwiegend mit organisatorischen und repräsentativen Aufgaben beschäftigt. Das wenige, was ich vom Match gesehen habe, hat mich nicht aus den Socken gehauen.
Mit dem neuerlichen Scheitern in einem Alles-oder-nichts-Spiel hat YB sein Verliererimage gefestigt. Gibt Ihnen das nicht zu denken?
Wir dürfen uns nichts vormachen. Wir haben es am Sonntag einmal mehr nicht geschafft, das Gegenteil zu beweisen. Doch den Meistertitel haben wir nicht in diesem Match verloren.
Wann dann?
Es war ein schleichender Prozess, der sich über die ganze Rückrunde hinwegzog. Eingesetzt hat die Abwärtskurve meiner Meinung nach bereits mit der Knieverletzung von Marco Schneuwly Ende November. Sein gerissenes Kreuzband war der erste Riss im vorher so schönen Bild. Dann folgte der unschöne Abgang von Ghezal vor dem Cup-Out gegen Lausanne. Das hinterliess Spuren bei der Mannschaft, wie es kurz darauf auch die Diskussionen um Yapis Wechsel zu Basel taten – auch wenn sie dies nicht wahrhaben wollte. Wir verloren innert Kürze drei sehr wichtige Exponenten der Mannschaft. Das konnten wir auf die Länge nicht kaschieren.
Hat es YB verpasst, genügend neues Personal zu engagieren in der Winterpause?
Wir haben versucht, die Lücken so gut zu stopfen, wie es ging. Wir holten Lingani, Lustrinelli und Bienvenu. Doch man darf nicht vergessen, dass wir in der Rückrunde viele Verletzte hatten.
Das hatte der FCB auch.
Stimmt nicht. Basel hatte sehr prominente Verletzte wie Frei und Streller. Bei uns dagegen fielen der Reihe nach Raimondi, Schneuwly, Lingani, Doubai, Degen und Sutter für längere Zeit aus. Zudem kränkelte Doumbia längere Zeit
Stichwort Gilles Yapi: Obwohl sein Abgang intern bereits im Januar bekannt war, wartete YB einige Wochen, bis es den Wechsel kommunizierte. Das brachte unmittelbar vor dem Rückrundenstart viel Unruhe in den Verein.
Moment. Yapi sagte uns bereits im November, dass er uns verlässt. Der Transfer mit Basel wurde erst im Februar fixiert. Alles andere waren Gerüchte.
Im Herbst war Yapi der unbestrittene Chef. Nach Bekanntgabe des Klubwechsels ist er in der Hierarchie nach hinten gerutscht. Hätte man ihm nicht den Rücken stärken sollen, statt ihn quasi zu degradieren?
Konsequenterweise hätten wir im Winter bereits einen Schnitt machen müssen. Das hätten wir wohl auch gemacht, wenn Doubai nicht lange Zeit verletzt gewesen wäre.
Heisst das die sofortige Trennung von Yapi?
Das wäre im Prinzip die konsequente Entscheidung gewesen. Yapi war nach Bekanntwerden des Transfers nicht mehr der gleiche Fussballer wie zuvor, was auch immer die Gründe gewesen sein mögen. Dennoch war es wohl besser, ihn einzusetzen, weil wir in einem personellen Engpass waren.
Es gibt ohnehin einiges aufzuarbeiten bei YB. Wie sieht Ihre Analyse einen Tag nach Saisonende aus?
Was heisst Analyse? Dass wir Spycher, Jemal und Lulic holen, haben wir nicht gestern entschieden. Die Analyse läuft bei uns permanent. Es ist kein Zufall, dass wir jetzt auf Routine und Erfahrung setzen, denn wir brauchen noch mehr Leadership im Team.
Während der nun abgelaufenen Saison haben Sie verkündet, YB wolle unbedingt einen Titel holen. Halten Sie weiterhin an dieser Kommunikationsstrategie, die bei Anhängern und Sponsoren Erwartungen schürt, fest?
Mit unserem Stadion, unserer Mannschaft und unseren zahlreichen treuen Fans müssen wir den Anspruch haben, jedes Jahr um den Titel spielen zu können. Der FC Basel ist zurzeit das Mass aller Dinge. Doch in zwei, drei Jahren werden einige Basler Schlüsselspieler wie Frei, Huggel und Chipperfield ihren Zenit überschritten haben.
Mit Basel mithalten kostet aber viel Geld.
Dank den Aktionären ist es möglich, weiter in die Mannschaft zu investieren. Das Geld aus dem Transfer von Doumbia wird zum grossen Teil für den Erwerb von neuen Spielern eingesetzt. Im Februar legten wir die Strategie für die kommenden fünf Jahre fest. Doubai, Hochstrasser, Affolter, Degen haben wir mit Mehrjahresverträgen an uns gebunden. Auch das kostet eine erhebliche Summe.
Stimmt es, dass ein renommierter Stürmer verpflichtet werden soll?
Wir sind mit verschiedenen Stürmern in Kontakt, aber die haben alle auch noch Angebote anderer Klubs.
In welchen Dimensionen bewegt sich die Transfersumme?
Im siebenstelligen Bereich.
Wenn die Mitbewerber Teams aus der Bundesliga oder Frankreich sind, kann YB überhaupt mithalten?
Wenn der Spieler eine klare Vorstellung hat, wie er seine Karriere planen will, wenn er die Schweiz als Sprungbrett sieht für eine grössere Liga, dann hat YB eine Chance. Dann geht es nicht um das schnelle Geld, sondern um die kontinuierliche Entwicklung eines Spielers. Das letzte Beispiel ist Doumbia.
Werden die Young Boys genug stark sein für die Qualifikationsspiele der Champions League, die im August stattfinden?
Unser Ziel ist es, die Champions League zu erreichen. Sollten wir das nicht schaffen, müssen wir zumindest die erste Qualifikationsrunde überstehen, damit wir in die Playoff-Spiele gelangen. Scheitern wir da, sind wir nicht in der Champions League – aber in den Gruppenspielen der Europa League. Auch da lässt es sich Geld verdienen. Im Geschäftsbericht des FC Basel ist zu lesen, dass er für die Europa League von der Uefa 6 Millionen Franken erhielt. (Der Bund)
Erstellt: 18.05.2010, 07:46 Uhr
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