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Wie fit ist die Schweizer Nati vor dem schwierigsten Spiel dieser Qualifikation?

Von Thomas Schifferle. Aktualisiert am 07.09.2010 16 Kommentare

Die Schweizer Fussball-Nationalmannschaft startet heute in eine schwierige EM-Qualifikation. Ottmar Hitzfeld setzt vor allem auf eine Tugend seines Teams.

1/9 Die Euphorie wich der Routine: Trainer Ottmar Hitzfeld.
Bild: Keystone

   

Schweiz – England Basel, 20.45 Uhr

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Der Schweizer Captain Alex Frei zum England-Spiel.

Englands Coach Fabio Capello zum Spiel gegen die Schweiz.

Englands Captain zum Spiel gegen die Schweiz.

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Vor zwei Jahren herrschte in der Schweiz Aufbruchstimmung. Auf die enttäuschende Heim-EM folgte der Amtsantritt von Ottmar Hitzfeld. Der neue Nationalcoach kam wie ein Heilsbringer über die Fussball-Nation.

Die Torflaute

Die Euphorie ist mittlerweile der Routine gewichen. Die Öffentlichkeit hat sich an Hitzfeld gewöhnt, seinen Hang zum resultatorientierten Fussball, zur nüchternen Analyse, zur professionellen Distanz. Die WM in Südafrika bestätigte, dass ein grosser Name allein den Erfolg nicht garantiert. Sie endete trotz des famosen Sieges gegen Spanien enttäuschend.

In den Stunden vor dem Start zur Qualifikation für die Europameisterschaft 2012 liegt Spannung so sehr in der Luft wie Anspannung. Der 61-jährige Hitzfeld reagiert erstaunlich empfindlich auf Kritik am Abschneiden an der WM oder auf die Frage, ob sich die Mannschaft spielerisch endlich einmal besser präsentiere. Er tut sich ebenso schwer damit, dass jedes Interview mit einer Frage nach den fehlenden Toren beginne. Und redet am Montag dann selbst ungefragt von einer «Torflaute» seiner Mannschaft.

Gegen England taucht die Schweiz in die nächste Ausscheidung ein. Diesen Gegner «von unglaublicher Aura» (Captain Frei) erklärt Hitzfeld zum «grossen Favoriten» auf den Gruppensieg. Diese Einschätzung ist kein Selbstschutz, sie macht Sinn. Gleichwohl ist Hitzfeld vom Ehrgeiz getrieben, mit seiner Mannschaft die Gruppe auf Platz 1 zu beenden und so die direkte Qualifikation für die EM zu schaffen.

Ungeeignet für Hurra-Fussball

Dafür bräuchten die Schweizer gleich eine Serie von Ausnahmeleistungen – nicht nur gegen England, sondern auch gegen die übrigen Teams, gegen die spielerisch starken Bulgaren, die kampfstarken Waliser, die gerade zu Hause unberechenbaren Montenegriner. Es ist wie vor der WM: Die Skepsis ist spürbar, ob Hitzfelds Spieler wirklich dazu fähig sind.

Die Schweiz baut unter ihrem Coach auf das, was sich auf Trainingsplatz und Taktiktafel lernen lässt: auf Organisation und Defensive, auf das Sicherheitsdenken, das der Grund dafür war, dass sie in ihren drei Spielen in Südafrika nur ein Tor zuliess (und in den letzten zehn Spielen auch nur sieben). Beim 0:0 im Test gegen Australien konnte sie lernen, wie verwundbar sie ist, wenn sie offen spielt und deshalb nicht kompakt genug steht.

Für Hurra-Fussball ist sie nicht geeignet, weder vom Denken des Trainers noch von der Veranlagung der Spieler. Dass die spielerische Klasse kein Trumpf ist, war verhängnisvoll gegen Honduras und blieb gegen Australien unübersehbar. Die Kreativkraft und Ballsicherheit eines Hakan Yakin bringt keiner mit. Flanken sind Zufallsprodukte, Pässe in die Tiefe ebenso, beides zur Ernüchterung Hitzfelds. Solange sich daran nichts ändert, wird es auch nichts werden mit spektakuläreren Auftritten.

Wichtigste Tugend: Selbstsicherheit

Viermal nahm die Schweiz zuletzt an WM und EM teil, das ist eine erstaunliche Bilanz. Nur ist sie alles andere als eine Garantie, dass es immer so weitergeht für ein Land ihrer Grössenordnung. Acht Spiele sind es nur auf dem geplanten Weg nach Polen und in die Ukraine, nicht mehr zehn wie in der letzten Qualifikation. Acht Spiele bedeuten, dass sich Ausrutscher schwerer korrigieren lassen. Hitzfeld erklärt deshalb zum Motto: «Wir müssen überzeugt von uns sein.»

Am Selbstvertrauen mangelt es den Nationalspielern schon lange nicht mehr, sie geben sich selbstbewusst, selbstsicher. Das kann unbestritten eine Qualität sein, aber auch ein Quell der Gefahr, sich zu überschätzen, sich besser zu sehen, als man ist. Luxemburg sollte dafür unverändert Warnung genug sein. Oder auch Honduras. Und um einen Spieler herauszunehmen: Eren Derdiyok ist von Talent gesegnet, gross, kräftig, schnell, technisch stark.

Er bringt alles mit für eine richtig gute Karriere. Im Weg steht ihm, dass er zu gefährlicher Selbstzufriedenheit neigt. Vielleicht schaut er sich einmal das Video vom Match gegen Spanien an. Da zeigte er den Einsatz, den Biss, den er sonst so oft vermissen lässt.

Aus dem Blickfeld

Das Gerippe steht, mit Diego Benaglio, Stéphane Grichting, Gökhan Inler und Alex Frei in zentralen Rollen. Benaglio ist ein herausragender Goalie (der heute nur dann nicht spielt, wenn sich bis zur Teamsitzung um 18 Uhr die Geburt seines ersten Kindes abzeichnen sollte), Grichting ein zuverlässiger Abwehrchef, Inler das Metronom im Mittelfeld, der mit seinen Leistungen das Gesicht der Mannschaft wesentlich prägen kann, positiv wie negativ; und Frei ist der Torjäger, einer allerdings, der seit einem Jahr im gegnerischen Strafraum ausser Dienst ist.

Von den 18 Spielern, die vor zwei Jahren zum Beginn der WM-Ausscheidung in Israel auf dem Platz standen oder auf der Ersatzbank sassen, sind heute gerade einmal noch fünf dabei, Benaglio, Lichtsteiner, Grichting, Inler sowie Fernandes. Andere sind zurückgetreten (Nkufo, Huggel, Spycher, Magnin), gesundheitlich unpässlich (Yakin, Djourou, Behrami, Barnetta, Stocker) oder aus dem Blickfeld verschwunden (Vonlanthen, Nef, Abdi, Jakupovic).

Das soll Beweis genug sein, wie schwierig langfristige Planung ist, wie schnell sich Ideen zerschlagen. Vor zwei Wochen wollte Hitzfeld im Mittelfeld mit Barnetta und Stocker die Seiten besetzen. Jetzt plant er unerwartet mit David Degen und Margairaz. 35 400 der total 37 771 Karten für den St.-Jakob-Park waren bis gestern abgesetzt. Das heisst, es kann die Kulisse geben, die motiviert, die antreibt. Es wird allein von den Schweizern abhängen, wie das Publikum auf sie reagiert. Ob sie wirklich so auftreten, wie es Hitzfeld möchte: «Mit grossem Herzen und kühlem Kopf.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 07.09.2010, 08:46 Uhr

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16 Kommentare

Patrick Rohrer

07.09.2010, 10:01 Uhr
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@ Eduardo Mortelli: genau so wirds gemacht und in der 80. Minute setzt Degen zu einem seiner gefürchteten Sololäufe an, gibt in die Mitte zu Frei, der behält die Übersicht und Derdiyok köpfelt Frei's genialen Pass in den 16er zum gewinnbringenden 1:0 ein. So geht das, Maloney...! ;-) Antworten


Eduardo Mortelli

07.09.2010, 09:02 Uhr
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Wir werden hinten die Chinesische Mauer bilden und während 90 Minuten Verteidigen was das Zeug hält. Vorne keine Akzente, wie in den letzten min. 10 Spielen. Warum sollte das heute ausgerechnet anders sein? Schweizer Fan hin oder her aber so ist es nun mal. Antworten



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