Sport

Wetten in Italien, Waschen im Tessin

Von René Lenzin. Aktualisiert am 03.01.2012 1 Kommentar

Die Akteure im Fussballwetten-Skandal sollen Gelder über Schweizer Konten verschoben haben.

Soll persönlich nach Lugano gekommen sein: der frühere italienische Nationalspieler Beppe Signori (l.).

Soll persönlich nach Lugano gekommen sein: der frühere italienische Nationalspieler Beppe Signori (l.).
Bild: Keystone

Vom Fussballverband für drei Jahre gesperrt: Cristiano Doni, früherer Kapitän und Goalgetter von Atalanta Bergamo.

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Die italienischen Medien überbieten sich derzeit mit Namen von Fussballern und mit Serie-A-Spielen, die an Manipulationen zwecks illegaler Wettgewinne beteiligt gewesen sein sollen. Diese Informationen stammen aus den Befragungen der früheren Fussballer Carlo Gervasoni und Luigi Sartor durch die Staatsanwaltschaft von Cremona sowie aus Telefonabhörungen, die – wie es in Italien häufig passiert – den Weg an die Öffentlichkeit gefunden haben. In einem solchen Gespräch sollen sich zwei der zahlreichen Verdächtigen auch über die Spiel- und Wettsucht von Gigi Buffon, Fabio Cannavaro und Gennaro Gattuso unterhalten haben. Gegen die drei früheren oder aktuellen Nationalspieler liege allerdings kein Verdacht auf illegale Wetten oder Manipulationen vor, liessen die Ermittler sofort verlauten.

Aus dem Dschungel von Anschuldigungen, Verdächtigungen und Spekulationen lassen sich bisher nur wenige gesicherte Daten herausfiltern. So hat Cristiano Doni, der frühere Kapitän und Goalgetter von Atalanta Bergamo, zugegeben, bei zwei Manipulationsversuchen zugunsten seines Vereins beteiligt gewesen zu sein. Er habe so mithelfen wollen, den Wiederaufstieg in die Serie A sicherzustellen, rechtfertigte sich Doni. Er wurde vom Fussballverband bereits für 3 Jahre gesperrt, nachdem der Wettskandal im Juni 2011 ruchbar geworden war. Vergeblich versuchte er vor Weihnachten, sich einer erneuten Verhaftung durch Flucht zu entziehen.

Ermittlungen in der Schweiz

Gesichert ist zudem, dass es einen Schweizer Zweig der Ermittlungen gibt. Die Tessiner Staatsanwaltschaft bestätigt Berichte von italienischen und Tessiner Medien, wonach sie gegen Sartor und den früheren italienischen Nationalspieler Beppe Signori wegen Geldwäscherei ermittelt. Die beiden sollen Mitinhaber einer Gesellschaft mit dem Namen Clever Overseas SA sein, die Gelder über ein Bankkonto in Lugano verschoben habe. Zwischen November 2010 und März 2011 sollen gut 630'000 Euro auf dieses Konto geflossen sein. Und Signori soll persönlich nach Lugano gekommen sein, um Clever Overseas zu gründen. Auf den Geldwäschereiverdacht ist die Tessiner Staatsanwaltschaft durch ein Rechtshilfegesuch aus Italien gestossen.

Die Ermittler in Cremona vermuten, dass im Zusammenhang mit dem Wettskandal weitere Transaktionen über Schweizer Konten abgewickelt worden sind. Sie wollen daher zusätzliche Rechtshilfegesuche Richtung Norden schicken, unter anderem zu Konten, die mit Namen italienischer Weine getarnt sind. Wenn positive Antworten aus der Schweiz kämen, «macht es Bingo», zitiert die Tageszeitung «La Repubblica» einen Ermittler. Über diese Konten sollen Signori und andere mutmassliche Protagonisten des Wettskandals die Gelder erhalten haben, die sie für die Bestechung von Spielern eingesetzt hätten.

Schweizer Spiele im Visier

Signori und Sartor sollen im Wettskandal zur Gruppe der Bologneser gehört haben. Weiter sprechen die Ermittler von den Zigeunern oder Balkanern. Deren Chef soll der frühere Chiasso-Spieler Almir Gegic sein, gegen den sowohl die Tessiner als auch die italienischen Behörden ermitteln. Ins Visier der Staatsanwälte von Cremona waren auch Schweizer Spiele geraten, die manipuliert worden seien. Etwa das Aufstiegsspiel in die Challenge League von Chiasso gegen Le Mont von 2009. Nach einem 2:0 im Heimspiel hatte Chiasso auswärts sang- und klanglos 0:3 verloren und den Aufstieg verpasst. Es gebe jedoch keine Hinweise auf eine Manipulation, sagten die Vereinsverantwortlichen dazu.

Die dritte Gruppe im Wettzirkus soll diejenige der Singapurer oder Asiaten sein. Im Fernen Osten soll sich das eigentliche Epizentrum der illegalen Wetten befinden. Von dort seien die Bestechungsgelder auf die Schweizer Konti geflossen. Oder direkt und in bar per Kurier nach Italien transportiert worden, heisst es in den Berichten der Staatsanwälte. Wie viele und welche Partien dank diesen Geldern tatsächlich manipuliert worden sind, werden die Ermittlungen zeigen. In der aktuellen Meisterschaft sei glücklicherweise bisher alles sauber gelaufen, sagte ein hoher Funktionär des italienischen Fussballverbandes kürzlich. Angesichts der zahlreichen Skandale der vergangenen Jahre möchte man die Hand dafür allerdings nicht ins Feuer legen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 02.01.2012, 20:37 Uhr

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1 Kommentar

Don Jorge

03.01.2012, 10:18 Uhr
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Sie haben gedacht wenn schon die Gattin von Natoinalbankdirektor das macht warum nicht wir? Antworten



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