Sport

«Weltstars wie Drogba, Lampard oder Torres muss man mit Fachkompetenz überzeugen»

Interview: Thomas Niggl. Aktualisiert am 24.04.2012 11 Kommentare

Roberto Di Matteo, ein Spieler mit grosser Karriere, steht als Trainer von Chelsea vor dem Einzug in den Champions-League-Final. Sein einstiger Weggefährte Petar Aleksandrov besuchte den Schaffhausner in London.

1/15 Petar Aleksandrov besuchte seinen Freund Roberto Di Matteo in London.
Bild: Keystone

   

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Petar Aleksandrov, was verbindet Sie mit Roberto Di Matteo?
Eine grosse Freundschaft, die von gegenseitigem Respekt geprägt ist.

Wann hat diese Freundschaft begonnen?
Das war vor 20 Jahren. 1993 wurden wir mit dem FC Aarau unter Rolf Fringer Schweizer Meister.

Wie war damals die Rollenverteilung?
Ich war Torjäger und Röbi war in der Innenverteidigung Abwehrchef neben Mirco Pavlicevic.

Was war er für ein Spieler?
Er war schon mit 20 Jahren sehr reif und ein Leader. Er war der Chefdenker, er war auch aus der Abwehr heraus spielbestimmend und machte viel für die Offensive. Er dachte bereits damals wie ein Trainer und machte sich auch im taktischen Bereich seine Gedanken. Und er hat mich natürlich mit seinen genialen Pässen gefüttert. Ich schoss 19 Tore und wurde gemeinsam mit dem brasilianischen Servette-Stürmer Sonny Anderson Torschützenkönig.

Wann haben sie Ihren Freund das letzte Mal gesehen?
Ich habe das Rückspiel in der Champions League gegen die SSC Napoli gesehen. Das war fantastisch. Nach der 1:3-Niederlage in Neapel hat Chelsea Trainer André Villas-Boas entlassen. Röbi hat das Team übernommen zu einem grandiosen 4:1-Sieg nach Verlängerung gecoacht. Danach sind wir zusammen essen gegangen und haben uns lange unterhalten.

Nach seiner Zeit in Schaffhausen, beim FC Zürich und in Aarau ist Di Matteo zu einer grossen Karriere aufgebrochen. Er spielte für Lazio Rom und Chelsea. Er absolvierte für Italien 34 Länderspiele. Wundert Sie das?
Nein, überhaupt nicht. Er hatte schon damals ein Riesenpotenzial. Leider wurde seine Karriere durch einen fürchterlichen Unfall jäh gestoppt.

Sie denken an das Spiel im Uefa-Cup zwischen St. Gallen und Chelsea im Zürcher Hardturm?
Genau. Röbi zog sich bei einem unglücklichen Zweikampf mit dem St. Galler Daniel Imhof einen Splitterbruch im Schien- und Wadenbein zu. Er musste noch in Zürich von GC-Arzt Roger Berbig operiert werden. Danach hat er leider nie mehr an seine grossartigen Leistungen anknüpfen können.

In den englischen Zeitungen wurde kolportiert, Di Matteo komme mit seinen Methoden bei den Spielern nicht gut an. Welche Beobachtungen haben Sie gemacht?
Das ist völliger Quatsch. Im Gegenteil, Röbi kommt bei den Spielern hervorragend an. Nach dem Sieg gegen Napoli sind die Spieler, darunter auch ganz Grosse wie Didier Drogba, zu ihm gerannt und haben ihn umarmt. Das waren beeindruckende Szenen. Röbi erreicht die Spieler auch menschlich. Und natürlich überzeugt er sie durch seine Fachkompetenz. Wenn man Weltstars wie Drogba, Terry, Lampard, Cech oder Torres trainiert, muss man diese mit Argumenten und Fachkompetenz überzeugen. Sonst stehst du als Trainer ganz schnell im Abseits.

Was lässt Di Matteo taktisch für einen Fussball spielen?
Chelsea ist eine wahnsinnig gefährlich Kontermannschaft. Di Matteo lässt vorwiegend mit nur einer Sturmspitze spielen. Das sind der Ivorer Drogba oder der spanische Weltmeister Torres. Über die Seiten hat er mit dem Franzosen Malouda und dem Brasilianer Ramires zwei pfeilschnelle Spieler, die für das Konterspiel geradezu prädestiniert sind. Di Matteo passt das System den Stärken seiner Spieler an. Auf einem bulgarischen Kanal verfolge ich jedes Spiel von Chelsea. Röbi hat nach der Entlassung von Trainer André Villas-Boas eine tote Mannschaft wieder zum Leben erweckt.

Wer sind seine Führungsspieler?
Die Matteo setzt auf eine routinierte Achse mit Torhüter Cech, Abwehrchef Terry, Mittelfeldstratege Lampard und Torjäger Drogba. Das sind alles erfahrene Spieler.

Was trauen Sie Di Matteo nach dem 1:0-Sieg zu Hause im heutigen Rückspiel in Barcelona zu?
Alles. Barcelona hat die letzten zwei Spiele gegen Chelsea und jetzt auch den Spitzenkampf gegen Real Madrid verloren und somit wohl auch die spanische Meisterschaft. Das mentale Momentum liegt jetzt klar bei Chelsea. Natürlich bleibt Barcelona Favorit. Aber Röbi war selbst ein grosser Fussballer und ist jetzt auch ein erfolgreicher Trainer. Er lässt sich durch die grossen Namen von Barcelona nicht beeindrucken und schon gar nicht einschüchtern. Er wird seine Mannschaft mutig einstellen. Chelsea wird jede Konterchance rigoros nutzen. Ich glaube, es wird eine Sensation geben. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 24.04.2012, 11:52 Uhr

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11 Kommentare

Ralph Keller

24.04.2012, 15:51 Uhr
Melden 22 Empfehlung 0

Lächerlich wie ein Secondo plötzlich ein Schweizer Trainier wird...Sobald jemand Erfolg hat versucht man seinen Erfolg für sich zu nutzen.
Er ist italiener in der Schweiz aufgewachsen. Das macht ihn nicht zu einem Schweizer. Sonst zögert ihr doch auch nicht die Ausländer mit Migrationshintergrund zu brandmarke.
Antworten


Silvan Miller

24.04.2012, 13:18 Uhr
Melden 13 Empfehlung 0

"Nach dem Sieg gegen Napoli sind die Spieler, darunter auch ganz Grosse wie Didier Drogba, zu ihm gerannt und haben ihn umarmt." Das war ja wohl ganz anders. Di Matteo ist auf die Spieler zu gerannt und hat sie angesprungen. Diese sahen dabei aus, als wäre es ihnen etwas peinlich was da gerade passiert. Antworten



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