Sport

Weit weg von der «dritten Phase»

Von Ruedi Kunz. Aktualisiert am 26.10.2010 4 Kommentare

YB steckt fest: Bei den Bernern klaffen Anspruch und Wirklichkeit weit auseinander. Es scheint fast, dass das Scheitern in der Finalissima bis heute nachwirkt. Und die forschen Töne der Führung erweisen sich als Bumerang: Das Team ist blockiert.

Moreno Costanzo ist zwar talentiert, aber noch zu jung und unerfahren, um das YB-Mittelfeld zu dirigieren. (EQ Images)

Moreno Costanzo ist zwar talentiert, aber noch zu jung und unerfahren, um das YB-Mittelfeld zu dirigieren. (EQ Images)

12 Spiele, 14 Punkte, Rang 6 in der Tabelle, nur 5 Zähler mehr als Schlusslicht GC. Das sind ernüchternde Zahlen für einen Verein, der mit sehr hohen Ambitionen in die Saison gestiegen ist. YB wollte wieder ein ernsthaftes Wort um den Meistertitel mitreden, zumal der erste Schlussrang gleichzeitig die Eintrittskarte für die prestigeträchtige Champions League ist. Gleichzeitig verkündeten die Berner, sie wollten im Schweizer Cup und auf europäischer Ebene möglichst lange im Wettbewerb bleiben. Diese beiden Vorgaben haben sie erfüllt, auch wenn sie sich auf der europäischen Bühne nicht im ganz grossen Schaufenster (Champions League) präsentieren können.

In der Super League hingegen drohen YB frühzeitig die Felle davonzuschwimmen. Nach einem Drittel der Meisterschaft beträgt der Rückstand auf Leader Luzern bereits 9 Punkte. Das ist eine Hypothek, auch wenn es in jüngster Zeit Beispiele dafür gegeben hat, dass sich grosse Punkterückstände wettmachen lassen, wenn die Konkurrenz schwächelt. Erinnert sei an die letzte Spielzeit, als Basel zwischenzeitlich 13 Punkte hinter YB zurücklag. Womit wir bei der verlorenen Finalissima vom 16. Mai 2010 wären, die YB mitten ins Herz traf. Statt nach 24 Jahren endlich wieder einen Meistertitel feiern zu können, zementierte der Verein sein Verliererimage, das er seit langem abzustreifen versucht.

Das Scheitern auf der Zielgeraden wirkt bis heute nach. Die Mannschaft, die im Grossen und Ganzen zusammengeblieben ist, verliert schnell die Ruhe und die Übersicht, wenn es nicht läuft. Sie verfügt über zu wenige Akteure, die in heiklen Situationen das Ruder an sich reissen und die Gruppe aus unruhigen Gewässern steuern. Der neue Spielmacher Moreno Costanzo ist wohl talentiert. Doch er ist zu jung, zu unerfahren und zu wenig robust, um den hohen Erwartungen gerecht zu werden, die an einen zentralen Mittelfeldspieler eines Spitzenklubs gestellt werden. Ähnlich präsentiert sich die Situation bei Thierry Doubai, den die Klubleitung im letzten Winter zum Führungsspieler ernannte, obwohl er sich nach zwei Kreuzbandrissen erst im Herbst 2009 ins Team zurückgekämpft hatte. Damit tat sie ihm keinen Gefallen. Im Gegenteil: Der junge Ivorer, wohlverstanden ein begnadeter Fussballer, hielt bisher in den meisten Schlüsselpartien der Nervenbelastung nicht stand und blieb blass.

Auf der Suche nach Gründen für das mässige Abschneiden kommt man nicht um zwei Namen herum, die YBs Spiel in der letzten Saison prägten. Die Rede ist von Seydou Doumbia und Gilles Yapi, die beide den Verein verliessen im Sommer. Strahlemann Doumbia hatte nach 36 Runden phänomenale 30 Tore auf seinem Konto. Yapi war bis zur Winterpause der zweikampfstarke Taktgeber im zentralen Mittelfeld, der geschickt Angriffe abfing und reihenweise Präzisionspässe schlug. Umso seltsamer war es, dass er nach Bekanntgabe seines Wechsels zu Basel zum Ergänzungsspieler zurückgestuft wurde. Keiner der beiden Ausnahmekönner von der Elfenbeinküste konnte gleichwertig ersetzt werden.

Das hinderte die Geldgeber im August nicht daran, nach der überraschenden Trennung von Stadionchef Stefan Niedermaier grossspurig die «dritte Wachstumsphase» anzukünden. Man wolle ähnlich dominant werden wie Bayern München in Deutschland, sagte Verwaltungsratspräsident Benno Oertig. Auch Niedermaiers Nachfolger Ilja Kaenzig geizte nicht mit ambitionierten Zielen: «Wir orientieren uns am Weltmassstab, nicht nur an Schweizer Verhältnissen.» Solche Worte mögen gut tönen, passen aber schlecht zu einem Verein, der seit über 20 Jahren einem Titel hinterherrennt. Überdies erhöhten sie den Druck auf Spieler und Trainer. Gelingt ihnen nicht ein Befreiungsschlag in Form einer Siegesserie, dürften spätestens in der Winterpause Köpfe rollen. (Der Bund)

Erstellt: 26.10.2010, 07:15 Uhr

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4 Kommentare

Peter Weber

26.10.2010, 10:18 Uhr
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Nicht Kaenzig und Oertig haben die Misere zu verantworten sondern der Sportchef und der Trainer. Man hat sehr schlechte Transfers getätigt und der Trainer bringt die Mannschaft nicht mehr weiter. Die Vorgabe war klar. Gegen Bellinzona und GC wolle man 6 Punkte einfahren. Dieses Ziel kann nicht mehr erreicht werden! Jetzt muss gehandelt werden! 6 Heimspiele und nur einen Sieg. Antworten


Jan Holler

26.10.2010, 08:39 Uhr
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Was Oertig und Känzig angeht: Hochmut kommt vor dem Fall. Schade, verhindern persönliche Ambitionen und Eitelkeiten die Entwicklung von YB. Trainer kann man wechseln, Sportchefs kann man wechseln, Spieler kann man wechseln, einige andere aber leider nicht. Die Saison ist für YB gelaufen. Antworten



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